August Strindberg: Die Hemsöer [Hemsöborna]

Hemsö – die Geschichte Hemsö ist der Name einer fiktiven Insel in den Schären, jenem Gemengelage von Mini- und Mikro-Inseln vor der Küste Südschwedens. Die grösseren davon sind sogar bewohnt, so auch Hemsö. Allerdings gibt es nicht viele Bewohner: Da ist Frau Flod, die alte Besitzerin des Bauernhofs, ihr Sohn, zwei Knechte und zwei Mägde….

Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche

Annette von Droste-Hülshoffs Judenbuche haben die meisten von uns irgendwann einmal in der Schule ‘durchgenommen’. Die Erzählung eignet sich auch sehr gut als Schullektüre: Sie ist kurz, in fliessend-mitreissendem Stil verfasst, und ihr Ende einleuchtend. Ist dem so? Gut, kurz ist sie und auch am Stil lässt sich nicht mäkeln. Ohne sich über die Protagonisten…

Pedro Lenz: Liebesgschichte

Nein, das ist kein Tippfehler im Titel. Pedro Lenz schreibt im Dialekt seiner Heimat (Langenthal). Und im Schweizerdeutschen gibt es kein ‘e’ zwischen dem ‘g’ und dem Zischlaut ‘ʃ’ (‘sch’). Andererseits ist das Schluss-‘e’ ein Pluralzeichen, im Singular heisst es einfach ‘Gschicht’. ‘Liebesgeschichten’ also. Der Gebrauch des Dialekts, der Mundart, in der Schweiz hat eine…

Heimatroman? Autobiografie? Sachbuch? – Hermann Burgers “Brenner”

Um es vorweg zu nehmen: Brenner ist meiner Meinung nach einer der ganz grossen Romane der Weltliteratur, die die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Es ist der letzte Roman, den Hermann Burger in seinem kurzen Leben zu Ende geschrieben hat. Das heisst, beendet hat er den ersten Band von einer Tetralogie, Brunsleben. Von…

C. F. Ramuz: Die große Angst in den Bergen [La grande peur dans la montagne]

Wir müssen ungefähr 18 oder 19 gewesen sein, als unser alter Französischlehrer am Gymnasium mit uns Dérborence lesen wollte. Es endete im Disaster. Der Lehrer nahm dann ein Sabbatical, und die junge Stellvertreterin las mit uns lieber Le petit prince. Die Lektüre von Ramuz wurde nach nicht einmal der Hälfte des Romans stillschweigend beendet. Lange…

Peter von Matt: Das Kalb vor der Gotthardpost

“Man kann als Jury nicht viel falsch machen, wenn man einem 75-jährigen emiritierten Professor für Germanistik an der Uni Zürich einen Schweizer Literaturpreis zuerkennt. […] Man kann nicht viel falsch machen. Ausser natürlich: Genau das.”, habe ich damals bei der Verkündigung der Preisverleihung des Schweizer Buchpreises 2012 drüben im Forum geschrieben. Ich bin mir meiner…

Der Schweizer und sein Deutsch

Kuno Raeber hat schon vor rund 50 Jahren (in einem seiner Essays) auf das merkwürdige Verhältnis des Schweizer zur deutschen Sprache hingewiesen. Der Schweizer nämlich beginnt, sich der deutschen Sprache (und damit der deutschen Kultur) immer mehr zu entfremden. Diese Bewegung, die Raeber schon vor 50 Jahren konstatierte, hat sich fortgesetzt, wenn auch nicht in…