Otto Basil: Wenn das der Führer wüsste

Otto Basil ist ein heute weitgehend vergessener, einstmals recht bekannter österreichischer Schriftsteller, der allerdings eher durch seine Herausgeberschaft der Literaturzeitschrift “PLAN” als auch als Publizist und Literaturkritiker bekannt wurde. Sein einziger, hier vorliegender Roman, war bei seinem Erscheinen 1966 ein veritabler Erfolg, geriet aber bald darauf in Vergessenheit und wurde 2010 wieder aufgelegt: Von einer…

Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten

Das Buch hat bei seinem Erscheinen zu kontroversen Diskussionen geführt: So fanden sich die Deutschen wenig wohlwollend dargestellt (welch Überraschung bei einem Buch über den Holocaust bzw. den Zweiten Weltkrieg), andere hingegen (wie Jorge Semprún) bezeichneten das Buch als “das Ereignis unserer Jahrhunderthälfte”). Das Ausmaß der Diskussionen, Besprechungen etc. hat mich damals (wie so oft…

Andrew Hodges: Alan Turing, Enigma.

Diese von Andrew Hodges vorgelegte Biographie aus dem Jahr 1983 scheint das einzige, verfügbare Werk über das Leben von Alan Turing zu sein (außer einem Comic, den Erinnerungen der Mutter an ihren Sohn und der Erzählung von Rolf Hochhuth habe ich rein gar nichts gefunden). Und auch wenn der Autor recht penibel alle verfügbaren Quellen…

Inger-Maria Mahlke: Archipel

Die Autorin erhielt für dieses Buch den Deutschen Buchpreis von 2018 und man könnte – bösartigerweise – behaupten, dass es sich hier um ein typisches Literaturpreisbuch handelt. Die Gestaltung mutet ein wenig artifiziell an (Mahlke kehrt die Zeitrichtung um, beginnt ihre Erzählung im Jahr 2015 und lässt sie im Jahr 1919 enden), aber Beobachtungsgabe und…

David Schalko: Schwere Knochen

Die “Erdberger Spedition” hat sich auf Einbrüche spezialisiert: Und ihrem Namen entsprechend werden nicht nur Wertgegenstände entwendet, sondern ganze Wohnungen leergeräumt. Was sich als einträgliches Geschäft entpuppt, bis die Gruppe am Tag von Hitlers Heldenplatzrede die Wohnung des “Nazi-Huber” ausrauben (den sie zu Recht unter der jubelnden Menge vermuten). Dieser aber setzt alle Hebel in…

Niall Ferguson (Hrsg.): Virtuelle Geschichte

Das Buch besteht aus zwei Teilen: Einer mehr als hunderseitigen Einleitung, in der die Legitimität des Unternehmens zu begründen versucht wird und einem Teil mit kontrafaktischen “Fallgeschichten” des 20. Jahrhunderts – beginnend mit einem England, das sich aus dem Ersten Weltkrieg heraushält und endend mit einer Sowjetunion ohne Gorbatschow. Die höchst umfangreiche Apologie der “virtuellen”…

Joseph Maria Bochenski: Europäische Philosophie der Gegenwart

Ein mehr als zweifelhaftes Lesevergnügen. Nun kann man – mit Recht – fragen, warum ich die Philosophiegeschichte eines Dominikaners lese und ob damit dieses Missvergnügen nicht vorprogrammiert war? Ein Einwurf, der seine Berechtigung hat und auf den ich nur erwidern kann, dass ich Bochenskis Buch über die “zeitgenössischen Denkmethoden” in recht guter Erinnerung hatte und…

Dörte Hansen: Altes Land

Wäre mir das Buch nicht empfohlen worden – ich hätte nie einen Blick hinein geworfen. Und auch bei Empfehlungen bin ich vorsichtig geworden, selbst solche aus dem engsten Familienkreis entpuppen sich manchmal als – vorsichtig ausgedrückt – zweifelhaft. Dörte Hansen ist Journalistin und hat mit 50 ihr Erstlingswerk veröffentlicht: Auch das nicht unbedingt eine Empfehlung…

David Bodanis: Bis Einstein kam

E = mc² ist die wohl berühmteste Formel der Welt. Ihre Geschichte und Konsequenzen zu dokumentieren hat sich der Autor vorgenommen: Daraus wurde ein sehr leicht lesbares Buch, das auf physikalische oder mathematische Details vollkommen verzichtet, dagegen reich an Anekdoten ist. Eine mehr als leichtfassliche Lektüre mit einigem Unterhaltungswert, aber ohne jeden Tiefgang. Bodanis lässt…

Hannes Leidinger, Verena Moritz, Karin Moser: Streitbare Brüder

Karl Kraus meinte, dass es die gemeinsame Sprache ist, die Österreicher und Deutsche trennt. Die Autoren versuchen noch einiges mehr auszumachen: Kulturelles, Politisches, Historisches, Gesellschaftliches. Oder sind die Österreicher nicht im Grunde doch Deutsche – und sogar, wie manchmal unterstellt, die besseren Deutschen? Etwa die Hälfte des Buches ist den geschichtlichen Entwicklungen gewidmet. Allerdings sind…