Petrus Abaelard: Collationes sive Dialogus inter Philosophum, Iudaeum et Christianum / Gespräch eines Philosophen, eines Juden und eines Christen

Historisch gesehen handelt es sich beim vorliegenden Dialog zur religiösen Toleranz von Abaelard um den ersten in der Reihe der großen drei, die kirchliche oder scholastisch geschulte Denker hervorgebracht haben. Niklaus von Kues’ De pace fidei habe ich bereits vorgestellt; den Text von Ramon Llull muss ich nach dem Umzug erst wieder finden… Abaelard hat…

Yuval Noah Harari: 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert

Viel von dem, was Harari hier beschrieben und erörtert hat, findet sich auch in den “Lektionen” wieder. Oft geistreich, auch durchdacht, analysiert er die “technologische Herausforderung”, vor der die Menschen stehen (wenn mir auch seine Angst vor den allgegenwärtigen, uns ausspähenden Algorithmen manchmal etwas übertrieben erschien), die Implikationen, die eine KI-Zukunft auf politische, freiheitliche oder…

Pierre Bayle: Historisches und kritisches Wörterbuch [Dictionnaire historique et critique]

Rationalismus? Skeptizismus? Oder doch Fideismus? Auch nach beinahe 700 Seiten Lektüre im Historischen und kritischen Wörterbuch von Pierre Bayle wüsste ich nicht, welches ‘System’ ich dem Autor zuordnen sollte, wenn es denn nur ein einziges sein dürfte. Denn Bayle scheint gar fürchterlich zu schwanken. Dabei galt Bayle schon sehr rasch als früher Aufklärer. Vor allem…

Thomas Morus: Utopia

Ich habe Thomas Morus’ Utopia ja heuer nicht zum ersten Mal gelesen. Aber ich habe es noch nie gelesen, ohne dass mich jedes Mal ein größeres oder kleineres Unbehagen ergriffen hätte. Dabei ist die literarische Form von Utopia nicht ungelungen. Wir haben zu Beginn, in einer Rahmenerzählung, einen Ich-Erzähler, der den Namen des Autors trägt,…

Nikolaus von Kues: De pace fidei / Vom Frieden zwischen den Religionen

Drei grosse „Dialoge“ sind es, die in der mittelalterlichen Theologie zumindest ansatzweise für eine Toleranz gegenüber anderen Religionen predigen. Zumindest gegenüber den anderen grossen monotheistischen Religionen, also dem Judentum und dem Islam. Die drei „Dialoge“ stammen von Petrus Abaelard, Ramon Llull und Nikolaus von Kues. Cum grano salis könnte man sie der Frühscholastik (Abaelard), der…

Thomas Vogt: Against Fake. Wie Wissenschaft die Welt erklärt.

Vogt bricht eine Lanze für die wissenschaftliche Welterklärung: Das ist ein ehrenwertes Unterfangen und verdient Unterstützung. Allerdings fällt dieser Versuch ein wenig altbacken aus; über das gesamte Buch hatte ich den Eindruck, dass Vogt kaum ein einziges der zitierten Bücher wirklich gelesen hat, dass er vielmehr aus Zusammenfassungen und Einführungen zitiert und daher nicht immer…

Plinius: Metallurgie • Kunstgeschichte • Mineralogie

Wenn ein Autor ein Buch beginnt mit einer Aufzählung der verschiedenen Kupferminen, rasch abgleitet in eine Beurteilung der Qualität des dort jeweils geförderten Metalls, diese Qualität ebenso rasch festmacht an der jeweiligen Verunreinigung, von hier auf Kupferlegierungen im Allgemeinen und dann auf Bronze im Speziellen wechselt, bei „Bronze“ deren verschiedene Verwendungsarten aufzählt, um schließlich bei…

Etienne Barilier: Gegen den neuen Obskurantismus

Das Buch wurde gegen Ende des letzten Jahrtausends verfasst und nimmt die Millenniumsängste zum Anlass, um mit einem stärker werdenden Obskurantismus abzurechnen, der sich unter verschiedenen Vorzeichen gegen Aufklärung und Wissenschaftlichkeit wendet. Ob das immer wirklich gelungen ist, darf bezweifelt werden, einiges scheint Geschwätz, anderes klug und vorausschauend. Barilier verteidigt das wissenschaftliche Weltbild gegen alle…

Bettina Stangneth: Lügen Lesen +++ abgebrochen

Bücher abzubrechen fällt mir eigentlich recht schwer. Und Stangneth hat mich mit ihrer Darstellung von Eichmann beeindruckt, eine Darstellung, die Arendts Buch über die “Banalität des Bösen” Lügen gestraft hat (Eichmann ist es bei diesem Prozess gelungen, sich selbst als eine Art bürokratischen Mörders mit Pflichtbewusstsein darzustellen, wohingegen er – wie Stangneth nachweist – ein…

Karl Sigmund: Sie nannten sich Der Wiener Kreis

Karl Sigmund ist Mathematiker – und das merkt man diesem Buch auch an. Im Gegensatz zu den meisten anderen Darstellungen des Wiener Kreises legt er sein Augenmerk (u. a.) auf diesen meist vernachlässigten Bereich, auf Wissenschaftler wie Karl Menger, Hans Hahn oder Kurt Gödel. Das unterscheidet die Darstellung von anderen Werken (wie etwa von Friedrich…