Stephen Law: Philosophie. Abenteuer Denken

Philosophiebücher für Kinder oder Jugendliche gibt es einige (auch in Romanform wie “Sofies Welt”), zumeist fand ich das Angebot aber höchst dürftig und wenig geeignet (so war ich auch von Gaarders Buch wenig angetan). Gerade deshalb verdient das vorliegende eine kurze Erwähnung: Es scheint nämlich grosso modo überaus gelungen.

Law stellt grundsätzliche philosophische Fragen: Nach der Realität (bzw. Virtualität) der Welt, nach Gott und dem Geist (bzw. der Seele), nach dem, was man tun darf und warum – und woher wir diese unsere Regeln beziehen (beziehen sollen). Dabei gelingt es ihm ausgezeichnet, die philosophischen Fragestellungen in einen Bezug zur Erlebenswelt der Jugendlichen (Menschen) zu setzen, ohne dabei trivial zu werden oder die Meinungen der Philosophen zu sehr zu simplifizieren. Ein wenig bedauert habe ich es, dass er immer versucht ist, sich klarer Antworten zu entziehen: So scheint evident (ohne das ich die Schriften Laws kenne), dass er mit dem Begriff Seele oder Gott nicht allzu viel anzufangen weiß, dennoch gibt es keine klaren Stellungnahmen (wie so häufig versucht man aus einer verqueren Rücksicht heraus, die gläubige (Leser-)Gemeinde nicht vor den Kopf zu stoßen.

Dass konservative Kreise mit diesem Buch wenig Freude haben dürften (bzw. hatten), leuchtet trotzdem ein: Auch bei aller bemühten Objektivität lassen sich für den “lieben” Gott oder eine unsterbliche (immaterielle) Seele keine guten Gründe anführen. Law bindet diese Überlegungen in Diskussionen verschiedener Personen ein, weist zu Recht auf die Dilemmata in Bezug auf Moralfragen oder des Wahrheitsbegriffes hin (wenn auch hierbei manchmal die Klarheit auf der Strecke bleibt: Die Unmöglichkeit einer Letztbegründung für moralisches Verhalten lässt sich in solchen Auseinandersetzungen m. E. sehr gut zeigen) und vergisst nicht den notwendigen Hinweis auf die Naturwissenschaften, die viele, ursprünglich rein philosophische Fragestellungen, durch kosmologische, evolutionistische Antworten obsolet gemacht haben.

Selbstverständlich gäbe es manches zu kritisieren, man vermisst Argumente, Lösungsansätze etc. Als Einführung in die Philosophie, in das philosophische Fragen finde ich das Buch aber mehr als gelungen, es zeigt die Aktualität genuin philosophischer Fragestellungen für die Lebenswelt des einzelnen (und man hört schon die Stimmen erstaunter Jugendlicher: Das ist auch Philosophie?) Ein witziges Buch ohne sich bei der Zielgruppe anzubiedern, erwähnenswert – so nebenher – sind auch die überaus gelungenen Illustrationen. Lesenswert für alle, die einen Einstieg in die Thematik suchen.


Stephen Law: Philosophie. Abenteuer Denken. Würzburg: Arena 2004.

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