Jerome K. Jerome: Three Men on the Bummel

Three Men on the Bummel ist der 11 Jahre jüngere und in der Meinung der meisten Leser missratene Bruder von Three Men in a Boat. Tatsächlich teilt er vieles mit seinem Bruder: das meiste Personal und auch die Grundidee.

Das Personal:
Auch in Three Men on the Bummel finden wir die drei Freunde George, Harris und den Ich-Erzähler, J. Die drei Freunde sind 11 Jahre älter geworden, Harris und J. sind verheiratet und haben Kinder. Aber im Grunde genommen sind sie immer noch dieselben Kindsköpfe, die sie in Three Men in a Boat waren.

Die Grundidee:
Auch diesmal finden die drei Freunde, dass sie dringend eine Abwechslung vom langweiligen Alltagstrott benötigen, diesmal vom mühsamen Ehe- und Familientrott. Wieder wollen sie einen Ausflug unternehmen. Diesmal aber soll es keine Bootsfahrt auf der Themse werden, sondern eine Radtour durch Deutschland, im Speziellen durch den Schwarzwald.

Der missratene Bruder 1 – die disparatere Handlung:
Three Men on the Bummel gilt als im Vergleich zu Three Men in a Boat missraten, weil die Geschichte inkohärenter ist, die Witze flacher. Das stimmt nur bedingt. Gleich zu Beginn gibt Jerome K. Jerome bekannt, dass er keinen Reiseführer schreiben will. Three Men in a Boat war ja ursprünglich als Reiseführer geplant; erst im Nachhinein wurde daraus der komische Roman, den wir heute kennen. Allerdings ist er immer ein Mischwesen geblieben aus Sachinformation und komischen Episodenhandlungen. Three Men on the Bummel ist nur noch komische Episodenhandlung.

Als solche wirkt der Roman tatsächlich disparat, disparater jedenfalls als sein älterer Bruder. Das liegt vor allem daran, dass der rote Faden – wenn man so sagen will – der rote Faden der Handlung also beim älteren Bruder in Form der Themse konkreter war und Jerome K. Jerome sich besser daran hielt als nun in Three Men on the Bummel. Die Reiseroute der drei Freunde ist sehr vage definiert: Hamburg, Hannover, Berlin, Nürnberg und dann, irgendwie, noch vager als der Rest, der Schwarzwald. Ja, einmal erzählt Jerome eine Episode, die sich in einer kleinen Stadt spielt, an deren Namen er sich nicht mehr erinnern könne. Das Ganze auf knapp 150 Seiten; da ist ein Eindruck von Flüchtigkeit vorprogrammiert.

Summa summarum: Was der ältere Bruder an weniger disparater Handlung gegenüber dem jüngeren gewinnt, verliert er als nur bedingt geglücktes Mischwesen aus Reiseführer und komischem Roman. Beide Romane sind also gleichermassen ge- oder missglückt, wie man es nehmen will.

Der missratene Bruder 2 – der flachere Humor:
Tatsächlich zieht Three Men on the Bummel viel von seinem Humor daraus, dass sich Jerome K. Jerome über die angebliche Obrigkeitshörigkeit der Deutschen lustig macht. Jeder Deutsche, sagt er, sei ein Soldat und daran gewöhnt, seinem Offizier zu gehorchen. Und wer Zivilperson sei, gehorche an Stelle seines Offiziers dem Polizisten. Das Thema wird allzu genüsslich allzu breit gewalzt, aber in Three Men in a Boat ist es die ebenfalls repetitiv, Mark Twain abgeguckte Technik der absurden Übertreibung, die den Leser ermüdet. Also auch in Bezug auf die Qualität des Humors geben sich die beiden Brüder nichts.

À propos Mark Twain:

Wo Jerome K. Jerome ernst wird:
Es gibt einen Punkt, wo Jerome wirklich ernst wird, und das ist bei der Beschreibung einer studentischen Mensur in Heidelberg. Der Engländer ist davon ebenso abgestossen wie der US-Amerikaner in A Tramp Abroad (Ein Bummel [!] durch Europa). Auch das also teilt sich der jüngere mit dem älteren Bruder: ein leichtes Schielen nach dem US-amerikanischen Grossmeister der komischen Reiseerzählung.

Alles in allem:
Three Men on the Bummel wird meiner Meinung nach zu Unrecht hinter Three Men in a Boat zurückgestellt. Beide sind keine ganz grossen Meisterwerke; beide haben ihre Schwächen (nicht ganz dieselben); beide sind aber ganz amüsantes Lesefutter für zwischendurch. Sofern man als Leser bei beiden bereit ist, einen gewissen viktorianischen Nationalismus durchgehen zu lassen.


Jerome K. Jerome: Three Men on the Bummel. London: The Folio Society, 2018. [Erstveröffentlichung: 1900]

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