Paul-Henri Thiry d’Holbach: Éléments de la Morale universelle ou Catéchisme de la Nature

Elemente der Moral oder Katechismus der Natur: Der Titel dieses kleinen Werks von Holbach sagt eigentlich schon alles. Moral bzw. Ethik sind für Holbach eine Sache der Natur. Der Mensch wird sich, wenn er nicht verführt wird durch irgendwelche schlechten Geister, sehr wohl von Natur aus moralisch und altruistisch verhalten – so kann die Botschaft dieses knapp 50 Seiten umfassenden Pamphlets zusammengefasst werden. (Und sei dies nur schon, weil er letzten Endes selber mehr Nutzen daraus zieht, als aus jedem andern Verhalten. Da argumentiert Holbach schon utilitaristisch.)

Der Inhalt ist auch nicht das Besondere an den Éléments. Eher schon die Form: Holbach führt seine Argumente tatsächlich in Gestalt eines Katechismus vor, eines Frage- und Antwortspiels, wie es ansonsten die Kirche (katholisch und protestantisch) verwendet hat, um ihren Zöglingen das Auswendiglernen der jeweiligen Doktrin zu erleichtern. Im kirchlichen Katechismus gibt es keine theologischen Erörterungen – nur Lehre. Dasselbe hier bei Holbach: keine Erörterungen – nur Lehre. Ob Holbach eine Parodie des kirchlichen Katechismus im Auge hatte, kann ich natürlich nicht mit völliger Gewissheit sagen, ich denke es aber nicht.

Aber auch die Form ist nicht das Besondere. Sondern der Umstand, dass dieses kleine Büchlein für einmal nicht anonym oder pseudonym veröffentlicht wurde, sondern unter Holbachs eigenem Namen. Allerdings geschah das erst 1790, also nach Holbachs Tod 1789, und zu einer Zeit, als die Französische Revolution die Zensur-Gesetze bereits gelockert hatte, und insbesondere aufklärerische, gegen den Absolutismus gerichtete Werke sogar willkommen waren. So konnte, wie der erste Herausgeber der Éléments in einer kurzen Vorbemerkung schreibt, die Familie Holbachs dieses 1765 geschriebene Werk zu Veröffentlichung geben. Es ist also eines der wenigen Werke, bei denen die Urheberschaft Holbachs gesichert ist, und das ist insofern von Belang, als wir hier so ziemlich den gleichen sachlich-argumentativen Inhalt finden, wie im Système social, wir also daraus schliessen dürfen, dass die Urheberschaft Holbachs auch fürs Système als zumindest sehr wahrscheinlich gelten darf.

Im Übrigen ziehe ich den längeren Text vor – weil er ganz einfach, bei aller dort herrschenden Rhetorik, präziser daher kommt. Das mich ebenfalls störende Lehrhafte der Éléments allerdings lag ganz sicher in Holbachs Absicht.


Paul-Henri Thiry d’Holbach: Œuvres philosophiques 1773 – 1790. Paris: Coda, 2004.

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