Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum

Stirner ist nur ein Beispiel für das Versagen einer ganzen Generation der Intelligentsia. Mit diesem Satz beendet Ahlrich Meyer, der Herausgeber meiner Ausgabe des Einzigen (Reclam Universalbibliothek Nr. 3057 aus dem Jahr 1981), sein Nachwort – oder genauer: einen Anhang zum Nachwort von 1970/71, das er für die Neuauflage von 1981 noch zusätzlich verfasst hatte….

Ueli Greminger: Leo Jud trifft Hugo Ball

(Was die Aussprache des Vornamens unseres Autors betrifft, und seine berufliche Stellung, so bitte ich, dies nachzuschlagen in meinem kleinen Bericht über die Lesung aus dem vorliegenden Büchlein, die der Autor im Rahmen des Literaturfestivals «Zürich liest ’19» gehalten hat.) Leo Jud trifft Hugo Ball ist der Abschluss einer kleinen Trilogie über bekannte Reformatoren, die…

Johann Peter Hebel: Exzerpte und Proteus-Komplex

Exzerpte Johann Peter Hebel hat, wie wohl jeder, der viel schreibt, auch viel gelesen. Er gehörte auch zu jenen, die von ihrer Lektüre kurze Auszüge anlegen – als Gedächtnisstütze, um den Inhalt jederzeit in kurzer Form präsent zu haben. Einige „Exzerptisten“ legen – wie zum Beispiel Arno Schmidt – riesige Zettelkästen an; Hebel benutzte besonders…

Hermann Broch: Die Schlafwandler. Der dritte Roman: 1918 • Huguenau oder die Sachlichkeit

Huguenau oder die Sachlichkeit ist noch einmal ganz anders als die beiden ersten Romane der Schlafwandler-Trilogie. So anders in der Tat, dass die andern Romane im Vergleich dazu wie aus einem Guss zu sein scheinen. In Huguenau ist Hermann Broch endgültig in der Moderne angekommen. Der Erzählstrang ist kaleidoskopartig aufgesplittert. Zu Beginn ist es noch…

Joachim Kahl: Das Elend des Christentums

Kahl beschreibt in diesem Buch sein eigenes Renegatentum: Schon während seines Theologiestudiums sind ihm Zweifel gekommen an der christlichen Religion, nach Abschluss desselben ist er aus der (protestantischen) Kirche ausgetreten. Aus Gründen der intellektuellen Redlichkeit und der Moral. Das Buch ist vor 50 Jahren erschienen und mag damals einiges an Aktualität besessen haben: Der heute…

Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. Band I

Ich habe mich über dieses erste Buch hier schon ausführlich geäußert, verweise außerdem auf Sandhofers Besprechung und füge nur einige, mir wichtig erscheinende Bemerkungen hinzu, die sich vor allem wieder aus dem Gegensatz zu der – m. E. grundfalschen Ansicht Schröders – ergeben: Der nämlich der Vernunft für die atheistischen Bestrebungen eine höchst untergeordnete, wenn…

Gerhard Czermak: Problemfall Religion

Der Untertitel des Buches spiegelt seinen Inhalt genau wider: Es ist ein Nachschlagewerk für Religions- und Kirchenkritik, entsprechend strukturiert in übersichtliche Kapitel und versucht einen historisch-kriitischen Überblick zu geben. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den christlichen Religionen, den anderen Weltreligionen werden einzelne kurze Abschnitte gewidmet. Und das alles ist gut und kompetent gemacht: Czermak verfällt…

Hubert Schleichert: Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren

Der Titel ließ mich vermuten, dass es sich hier um eine der zahlreichen, mehr oder weniger gelungenen Polemiken handeln würde: Und damit um ein Buch, das – wenn man auch den meisten Aussagen uneingeschränkt zustimmen kann – dann doch ein wenig langweilt. Das allerdings war ein Irrtum: Hier handelt es sich um ein wirklich brilliantes,…