Teil 2 endete – wenn wir einmal von dem überflüssigen und nur notdürftig mit dem Rest verbundenen Exkurs in die älteste Schrifttradition der Menschheit (nämlich das Buch Genesis) absehen – mit allgemeinen Überlegungen zum Phänomen der Erschaffung oder Erreichung von Kultur. In Teil 3 wird das nun vertieft. Herder geht dabei geografisch vor. Er nimmt…
Schlagwort: Xenophon
430-355
Michel de Montaigne: Essais. Livre troisiesme
Drittes Buch. Montaigne ist alt geworden. Zumindest fühlt er sich alt. (Er war, als das dritte Buch 1588 erschien, gerade mal 55 Jahre alt. Allerdings sollte er bereits vier Jahre später, also mit 59 Jahren, sterben. Dies aber nicht an Altersschwäche oder ähnlichem, sondern auf Grund einer infektiösen Atemwegserkrankung – er, der sich noch im…
Jean Bodin: Über den Staat
Über den Staat nennt sich meine Auswahlausgabe aus den Six Livres de la République (1568), die (zum ersten Mal 1976 – vor mir liegt ein Nachdruck von 2011) von Gottfried Niedhart bei Reclam herausgegeben wurde*). Niedhart war dabei nicht nur Herausgeber, er hat auch selber übersetzt, überhaupt die Auswahl getroffen und ein Nachwort verfasst. Letzteres,…
Xenophon: Erinnerungen an Sokrates
Offensichtlich werde ich mich mit Xenophon in diesem Leben nicht mehr anfreunden. Und das liegt zum größten Teil an diesen seinen Erinnerungen an Sokrates. Der Text ist zunächst und vor allem Apologie des Sokrates. Gleich zu Beginn finden wir folgenden Satz: Immer wieder habe ich mich darüber gewundert, durch welche Gründe denn eigentlich die Ankläger…
Michel de Montaigne: Essais. Livre second
Das zweite Buch der Essais beginnt gleich mit einem Paukenschlag. Im ersten Kapitel spricht Montaigne von der Inkonsistenz in unseren Handlungen, man könnte auch von einer Inkonsequenz ausgehen. Tatsächlich ist das etwas, das sehr häufig nur im täglichen Leben anzutreffen ist, wie auch Montaigne ausführt: Man benimmt sich heute so, morgen (ja, in einer halben…
Xenophon: Cyri Anabasis – Der Zug der Zehntausend
Welcher Dämon den Athener Xenophon gepackt haben könnte, als er beschloss, als eine Art Beobachter oder Kriegsberichterstatter an einem persischen Bürgerkrieg teilzunehmen, und dies in Begleitung von rund 12’000 griechischen Söldnern, wissen wir nicht. Über seine Motivation zur Teilnahme verliert Xenophon kein Wort. Er spricht davon, dass er sich dessen bewusst war, dass ihm eine…
Xenophon: Hellenika
Damit, dass er seinen Text anfangen lässt mit Danach, wenige Tage später […] (zitiert nach der Übersetzung von Gisela Strasburger) signalisiert Xenophon, dass er genau dort fortfährt, wo Thukydides, wohl durch seinen Tod, seine nachträglich Peloponnesischer Krieg genannte Schrift abgebrochen hatte – sieben Jahre vor dem Ende eben dieses Kriegs. Der lateinische Titel Hellenica (=…
Thukydides: Der peloponnesische Krieg
Politik mit den Augen des Thukydides Thomas Hobbes hat als einer der ersten überhaupt Thukydides in seine Muttersprache übersetzt (Lorenzo Valla übersetzte ihn ins Lateinische), und das darf nicht wundern, präsentiert uns doch der antike griechische Ex-General den Homo politicus und die Politik im Allgemeinen praktisch genau so, wie es viel später der Engländer tun…
Claude Mossé: Der Prozeß des Sokrates
Claude Mossé ist eine mir bislang unbekannte, französische Althistorikerin, die sich in diesem Buch mit dem wohl berühmtesten Prozess der Geschichte auseinandersetzt. Und sie tut dies auf äußerst profunde und lesenswerte Weise, von den zahlreichen zu diesem Fall erschienenen Büchern gehört dieses hier zu den besten. Das liegt zum einen an der fachlichen Kompetenz der…
Friedrich Heinrich Jacobi: Romane II – Woldemar
Mme de Staël hielt Jacobi für den größten lebenden deutschen Philosophen – auch und gerade wegen seines Woldemar. Goethe hingegen soll sich über dieses Werk lustig gemacht haben. Nun sind beider literaturkritischen oder gar philosophischen Fähigkeiten nicht über jeden Zweifel erhaben. Im vorliegenden Fall tendiere ich eindeutig dazu, dem Deutschen Recht zu geben. Frau von…