Beide stammten sie aus sog. ‚hübscher‘ Familie. Die ‚hübschen Familien‘ bildeten im 18. und frühen 19. Jahrhundert in Kurhannover und im Königreich Hannover den zweiten Stand der Ständegesellschaft. Unter der regierenden Aristokratie waren sie eine Art Beamtenadel, allerdings auf bürgerlicher Basis. Ähnlich aber wie die Aristokratie achteten diese bei Hofe zugelassenen Familien darauf, unter sich…
Schlagwort: Weimar
Zentrum der Deutschen Klassik
Johann Heinrich Merck: Gesammelte Schriften. Band 5: 1779-1780
230 Seiten Originaltext stehen deren 640 mit Anmerkungen, Kommentaren etc. gegenüber – alleine schon das zeigt, mit welchem Aufwand und welcher Sorgfalt das Herausgeberteam um Ulrike Leuschner den fünften Band der Werkausgabe (erschienen 2016, bei Wallstein) gestaltet hat. Mercks Werk in den beiden Jahren 1779 und 1780 besteht vor allem aus Rezensionen. Merck rezensierte so…
Shaftesbury: Ein Brief über den Enthusiasmus / Die Moralisten
Enthusiasmus heisst das Schlüsselwort, das die beiden Texte miteinander verbindet. Wobei das Wort mit jeweils gegensätzlichen Konnotationen versehen ist. Im Brief über den Enthusiasmus geht es um das Verhalten von als Glaubensflüchtlinge von Frankreich nach England gekommenen Hugenotten, die nun in England recht radikal und fundamental Proselyten zu machen versuchen. Der urbane Weltmann Shaftesbury empfiehlt…
Georg Forster: Briefe
Gerhard Steiner, der Herausgeber meiner vierbändigen Forster-Werkausgabe, erschienen 1971 bei Insel-Ost, dessen vierten Band die vorliegenden Briefe darstellen, spricht in seinem diesem Band beigefügten Essay Georg Forster und das Schreiben – nicht nur von Briefen sinngemäss und unter anderem davon, dass man eigentlich bei Forster den historisch-kritischen Briefwechsel lesen sollte. Er meint damit vor allem,…
Die Horen. Jahrgang 1797. Drittes Stück
Dünn sind sie geworden, unsere Horen, sehr dünn. Und damit meinen wir nicht einmal so sehr den Seitenumfang (obwohl das Dritte Stück des Jahrgangs 1797 auch von daher das schmalste ist, an das wir uns erinnern können), sondern vor allem den geistig-intellektuellen Gehalt. Auch diese Nummer wurde mit Fortsetzungen notdürftig auf ein gewisses Minimalmass aufgeblasen….
Madame de Staël: De l’Allemagne [Über Deutschland]
De l’Allemagne [Über Deutschland]: Es ist Madame de Staël sehr ernst mit diesem Titel. Tatsächlich will sie nicht mehr und nicht weniger als ein Bild liefern des intellektuellen Deutschland kurz vor und kurz nach der Wende zum 19. Jahrhundert. Das gelingt ihr nur in beschränktem Mass, was wiederum verschiedene Gründe hat. Einmal blendet sie alle…
Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel
Engelbert Humperdincks Märchenspiel in drei Bildern wurde 1890 in Weimar (mit Richard Strauss als Dirigenten) uraufgeführt. Heute ist diese Oper sein bekanntestes Werk und regelmässig in den Repertoires der Opernhäuser zu finden. 1890 war das sog. „Silberne Zeitalter“ in Weimar bereits am Verglühen. Nach der „Goldenen Zeit“ mit Wieland, Goethe, Herder und Schiller, einer Zeit…
Christoph Martin Wieland (VIII. – u.a.: „Göttergespräche“, „Gespräche im Elysium“, „Alceste“, „Rosemunde“)
Während Band VII des Greno-Reprints inhaltlich recht einheitlich daher kam, ist Band VIII bedeutend disparater. Nach welchen Kriterien Wieland seine Werkausgabe zusammenstellte, weiss ich nicht; in den N° 24-26 liess er ziemlich Unterschiedliches aufeinander folgen. N° 24 (Vermischte Aufsätze) zeigt Wieland als Literaturkritiker und -theoretiker. Auch Ausflüge in die Philosohie und in so etwas wie…
Norbert Oellers & Robert Steegers: Weimar. Literatur und Leben zur Zeit Goethes.
Kulturhistorische Bücher verlieren sich oft in Beliebigkeit: Die meisten wollen zuviel, versuchen ganze Epochen abzudecken, jede philosophische oder literarische Strömung und deren Vertreter werden aufgelistet und katalogisiert, bis schließlich und endlich das Buch zu einem über Gebühr aufgeblasenen Lexikonartikel verkommt. Man liest, was man in unzähligen Überblicksdarstellungen schon gelesen hat und bleibt mit einem unbefriedigenden…
Christoph Martin Wieland: Geschichte der Abderiten
Dank dieses Romans wurde der Begriff „Abderit“ zu einem Synonym von „Schildbürger“ oder „Lalenburger“. In fünf sog. „Büchern“ schildert Wieland die Geschichte der Abderiten, seit ihrer (fiktiv-mythischen) Abspaltung von Athen bis zur Auflösung des griechischen Stadt-Staates. Heutige Verlage würden dieses Werk Wielands als Pentalogie verkaufen, als Reihe oder Serie, denn die fünf Bücher zeichnet keineswegs…