Christopher Frayling: Vampyres

Vampire… Seit jenem in der Literaturgeschichte zu einem magischen Moment gewordenen Tagen im verregneten, nass-kalten Sommer 1816 – jenem Sommer, ‘der kein Sommer war’ –, als die vier Freunde Byron, Shelley, Mary Wollstonecraft und John Polidori in der Villa Diodati am Ufer des Genfersees zusammenkamen und beschlossen, sich gegenseitig Gruselgeschichten zu erzählen, sind diese blutsaugenden…

Joris-Karl Huysmans: Die Schule der Satanisten [a.k.a.: Tief unten / OT: Là-bas]

Darstellungen des Bösen, ja verehrende Darstellungen des Bösen, kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem in der französischen Literatur, beim Übergang vom Naturalismus zum Symbolismus, in Mode. Bekanntestes Beispiel ist Baudelaire mit seinen Fleurs du mal (1857), auch Lautréamonts Les chants de Maldoror (1874) dürfen nicht vergessen werden. Beide könnte Joris-Karl Huysmans…

Literaturcamp Heidelberg 2018 (1)

Tag 1 des diesjährigen Literturcamps. Ich habe im Vorfeld geschrieben, dass ich mit geringen Erwartungen an den ersten Tag heranginge; diese Erwartungen haben sich bestätigt. Es war – leider! – im Grossen und Ganzen den ganzen Tag durch sehr wenig Literarisches zu hören oder sehen. Mehr und mehr gewinne ich den Eindruck, dass das Literaturcamp…

Laurence Sterne: Die Briefe

Gute Briefeditionen können eine Biografie ersetzen – was aber, wenn es sich um eine schlechte Briefedition handelt? Nun ist die vorliegende Ausgabe1) nicht eigentlich ‘schlecht’; aber ‘gut’ leider auch nicht. Das hat verschiedenen Gründe; nicht für alle sind die deutschen Herausgeber verantwortlich. Im Gegenteil: Hauptverantwortlich ist Sterne selber, bzw. seine Tochter als Testamentsvollstreckerin. Sterne, der…

Charles Baudelaire: Sämtliche Werke/Briefe. Band 4: Nouvelles Fleurs du Mal – Neue Blumen des Bösen

Band 4 der Werkausgabe schliesst unmittelbar an Band 3 an; sogar die sonst vorhandenen Briefe aus der jeweilig erschlossenen Epoche fehlen. Es handelt sich beim Band 4 nämlich um einen Materialien-Band zu Band 3. Zuerst werden unter dem Titel Les épaves / Strandgut die Gedichte vorgestellt, die Baudelaire aufgrund eines Gerichtsurteils aus Les Fleurs du…

Charles Robert Maturin: Melmoth the Wanderer

Mit diesem Roman schliesse ich meine kleine literarische Expedition ins Reich der Ahnherren und -damen des “Supranatural Horror”, wie sie von H. P. Lovecraft vorgeschlagen wurden. Das Resultat ist durchzogen; zu 100% überzeugen kann heute keiner der alten Horror-Romane mehr. Trivialliteratur – auch gute Trivialliteratur – hat eindeutig eine bedeutend kürzere Halbwertszeit als die sog….

Tobias O. Meißner: Barbarendämmerung

Ein Buch, das mich gleich mal vor taxonomische Probleme stellt: Handelt es sich bei Barbarendämmerung von Tobias O. Meißner nun um einen Roman oder doch um eine Sammlung von Kurzgeschichten? Eigentlich lässt sich ja jedes Kapitel dieses Buchs als eigenständige Kurzgeschichte lesen. Aber die Kurzgeschichten sind chronologisch angeordnet, und im Grunde genommen bewegt sich der…

Matthew Lewis: The Monk [Der Mönch]

Matthew Lewis (1775-1818) ist vor allem durch ein Buch bekannt geworden, ein Buch, das er schon als Zwanzigjähriger schrieb: The Monk. Dabei stammte Lewis aus einer wohlhabenden Familie, war Diplomat in britischen Diensten und auch Unterhausmitglied. Er starb an einem tropischen Fieber bei seiner Rückkehr von Jamaika, wo er die Güter seiner Familie besucht hatte….

Donatien-Alphonse-François, Marquis de Sade

Der Marquis de Sade gehört zu jenen Autoren, die einen notorisch schlechten Ruf geniessen. Bei de Sade gilt das zumindest für den deutschen Sprachraum, im französischen ist er längst als Klassiker etabliert und seine Werke erscheinen in den populären Taschenbuchreihen von Gallimard, folio, 10/18. Seinen schlechten Ruf verdankt er dem über weite Strecken pornografischen Inhalt…