Charles Dickens: A Tale of Two Cities [Eine Geschichte aus zwei Städten]

„Kannst ja“, habe ich mir gesagt (denn ich duze mich normalerweise), „kannst ja nicht immer davon schwärmen, wie gut der späte Dickens ist, vor allem im Vergleich mit dem mittleren, dem sentimental-larmoyanten des Oliver Twist oder des David Copperfield, ohne je einmal eines der Spätwerke vorzustellen.“ So habe ich, als nun die Folio Society dieses…

Jorge Luis Borges: 25. August 1983 und andere Erzählungen

Normalerweise werden die Bände der Bibliothek von Babel immer mit einem Vorwort des Herausgebers Jorge Luis Borges eingeleitet. Das ist hier nicht der Fall. Hier stammt es von Martin Gregor-Delling; viel wichtiger und interessanter als diese Einleitung ist aber das am Schluss folgende Interview, das María Esther Vázquez mit Borges geführt hat (Borges gleich Borges),…

Adelbert von Chamisso, Friedrich de la Motte Fouqué, Karl Wilhelm Salice-Contessa: Der Roman des Freiherrn von Vieren / Karl Wilhelm Salice-Contessa: Das Bild der Mutter / E. T. A. Hoffmann: Der Doppeltgänger

Erklären wir zunächst den recht umständlichen Titel unseres Aperçus – dann haben wir auch schon das Buch vorgestellt: 1814 traf sich einmal pro Woche ein Kreis von Literaten in Berlin. Dies geschah in einem Kaffeehaus oder in der Wohnung von Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann, einem Juristen in preussischen Diensten, der aus Verehrung zu Mozart seinen…

Joseph Conrad: Die Schattenlinie [und: Der geheime Teilhaber / OT: The Shadow-Line; The Secret Sharer]

Der Roman Die Schattenlinie wie die Erzählung Der gehime Teilhaber1) sind autobiografisch tingiert; beide handeln vom Leben auf See, das Joseph Conrad so gut kannte. Betrachten wir zuerst den Roman. Nach einer Widmung an den früh (nämlich im Ersten Weltkrieg) verstorbenen Sohn Borys folgen zwei Zeilen aus Baudelaires Les fleurs du mal. In dieser Gedichtsammlung…

Robert Louis Stevenson: Der Master von Ballantrae

Als junger Student habe ich die Lektüre dieses Romans nach ca. ⅓ abgebrochen; und ich gebe zu, dass ich deshalb vor dem erneuten Versuch einen ziemlichen Bammel hatte. Tatsächlich ging es auch diesmal nicht ohne kleines Stocken, aber ich habe bis zum Schluss durchgehalten. Und im Grunde genommen kann von „Durchhalten“ nicht die Rede sein:…

Henri Bergson: Das Lachen [Le rire]

Bergson war, wenn ich das richtig sehe, der erste Philosoph, der dem Komischen eine eigene Monographie widmete. (Man kann freilich darüber streiten, ob sein Élan vital Philosophie war oder nicht. Nun, ein anderer philosophischer Literaturnobelpreisträger, Bertrand Russell, hat ihm in seiner Philosophiegeschichte immerhin ein paar Seiten gewidmet.) Bergsons Theorie des Komischen lässt sich auf den…

Robert Louis Stevenson: Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde

Auf den Inhalt von Dr. Jekyll & Mr. Hyde brauche ich wohl nicht einzugehen – der ist bekannt. 1886 zum ersten Mal erschienen, teilt dieser Roman mit Mary Shelleys Frankenstein das Schicksal, heute vorwiegend als Horror-Geschichte rezipiert zu werden. In beiden Fällen sind wohl die verschiedenen Adaptionen durch Funk, Film und Fernsehen in hohem Masse…

Jean Paul: Hesperus (II)

Hesperus oder 45 Hundposttage. Eine Lebensbeschreibung gehört zu den Romanen, die ich immer mal wieder lese. Die hier besprochene, vor kurzem beendete Lektüre muss die vierte oder fünfte gewesen sein.1) Anlass für die erneute Lektüre war eine Leserunde im Klassikerforum. Diese Leserunde zwang mich dazu, einigermassen langsam und aufmerksam zu lesen. So fiel mir auf,…

Edward Bulwer-Lytton: Monos and Daimonos

Edward Bulwer Lytton (1803-1873) kennt man heute wohl am besten als Autor von The Last Days of Pompeii, der Letzten Tage von Pompeji. Angeregt durch die anlaufenden Ausgrabungen fabrizierte Bulwer-Lytton einen historischen Roman, der sich so gerade an der Grenze zwischen Trivialliteratur und Besserem bewegt – einen historischen Roman, der nicht immer um historische Korrektheit…

Gustav Meyrink: Walpurgisnacht

Walpurgisnacht im Prag des Ersten Weltkriegs. Walpurgisnacht ist bekanntlich die Nacht vor dem Fest der Heiligen Walburga und traditionell die Nacht, in der die Hexen auf den Brocken reisen. Und so verwundert es den Leser wohl nicht, wenn gleich zu Beginn des Romans ein Hund anschlägt, dessen Name “Brock” ist. Doch das ist der vielleicht…