Hans-Joachim Löwer, Udo Bernhart: Die Alpenfront einst und jetzt

Ein reich bebilderter Band über eine Kriegsfront des Ersten Weltkrieges, die wie kaum eine andere beispielhaft für die Sinnlosigkeit dieses Kämpfens war. Denn von der Kriegserklärung Italiens an Österreich im Mai 1915 (wobei die Grenzziehung von den Alliierten bereits im voraus festgelegt wurde – heißt: Auch Südtirol würde an Italien fallen) bis zum Ende im…

Hannes Leidinger, Verena Moritz, Karin Moser: Streitbare Brüder

Karl Kraus meinte, dass es die gemeinsame Sprache ist, die Österreicher und Deutsche trennt. Die Autoren versuchen noch einiges mehr auszumachen: Kulturelles, Politisches, Historisches, Gesellschaftliches. Oder sind die Österreicher nicht im Grunde doch Deutsche – und sogar, wie manchmal unterstellt, die besseren Deutschen? Etwa die Hälfte des Buches ist den geschichtlichen Entwicklungen gewidmet. Allerdings sind…

Schlüsselbegriffe der Philosophie des 19. Jahrhunderts

herausgegeben von Annika Hand, Christian Bermes und Ulrich Dierse. Hamburg: Felix Meiner, 2015. (=Archiv für Begriffsgeschichte, Sonderheft 11) Das Archiv für Begriffsgeschichte wurde seinerzeit gegründet, um verschiedenste Lemmata für ein philosophisches Wörterbuch in der Nachfolge des veraltenden Wörterbuchs von Rudolf Eisler zu sammeln und aufzubereiten. Dieses Wörterbuch ist seither unter der Federführung von Joachim Ritter…

Hannes Leidinger: Der Untergang der Habsburger Monarchie

Sandhofer hat sich sehr positiv über dieses Buch geäußert, ähnlich auch Günther Haller in der Presse vom 30. 12. 2017: “Analysen wie diese, die über das rein Kakanische hinausgehen, verschaffen einen großen Erkenntnisgewinn für die Gegenwart. Die österreichische Geschichtserfahrung gewinnt so europäische Relevanz.” Ich kann diese Beurteilungen nur sehr eingeschränkt teilen: Die Einleitung mit der…

Kazuo Ishiguro: Der Maler der fließenden Welt

Ich muss gestehen: Ohne Nobelpreis wäre Ishiguro eine Name unter vielen geblieben, wahrscheinlich gemieden, weil ich mit japanischer (überhaupt asiatischer) Literatur nicht wirklich viel anfangen kann. Ishiguro ist allerdings Engländer, zog mit 6 Jahren in das Vereinigte Königreich und wurde von der westlichen Welt sicherlich ebenso sehr (stärker?) geprägt als durch seine japanischen Wurzeln. Dieser…

Hannes Leidinger: Der Untergang der Habsburgermonarchie

Über die Habsburgermonarchie und deren Untergang schreiben, heisst offenbar auch immer, Musils Mann ohne Eigenschaften zitieren. Auch Hannes Leidinger kann nicht anders, und so finden wir als einleitendes Kapitel von Teil III den Abschnitt Geschichte und Kakanien oder: „Ulrichs Welt“. Allerdings verlässt Leidinger im Verlaufe des Textes die Literatur- oder Kulturgeschichte gänzlich (nur Hofmannsthal und…

Robert Menasse: Die Hauptstadt

Wenn ein österreichischer Autor einen preiswürdigen Roman schreibt, so reagiert die Literaturkritik reflexartig mit einem ebenso dämlichen wie unpassenden Vergleich: Er erinnere irgendwie an Musils “Mann ohne Eigenschaften”, auch wenn die Ähnlichkeiten sich nur auf die Herkunft des Autors beschränken. Nichts in diesem Buch hat etwas mit dem MoE zu tun (abgesehen davon, dass dieses…

Svetlana A. Aleksievic: Die letzten Zeugen. Kinder im Zweiten Weltkrieg

Nach dem ich die letzte Seite dieses Buches gelesen hatte war ich erleichtert: Diese fortgesetzten Ungeheuerlichkeiten waren nur schwer zur ertragen. Vielleicht auch deshalb, weil meine beiden Kinder genau so alt sind wie jene, von denen hier erzählt wird – besser: Die hier – 60 Jahre später – von ihrem Kindsein erzählen. Auf 320 Seiten…

Keith Lowe: Der wilde Kontinent

Keith Lowe dokumentiert in diesem Buch die “wilde”, oft gesetzlose Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der das Leiden für viele Menschen perpetuiert und die auch zur Abrechnung zwischen politischen Fraktionen, Volksgruppen oder Partisanenverbänden genutzt wurde. Dieser Zeitabschnitt ist historisch kaum dokumentiert oder aber man beschränkt sich auf das Positive, den Aufbauwillen, den Wunsch nach…

Patrick J. Geary: Europäische Völker im frühen Mittelalter

Dieses Buch möchte man allen Politikern ans Herz legen (obschon ich befürchte, dass wissenschaftliche Erkenntnis das Handeln derselben nur in geringem Maße beeinflusst): Denn es zeigt in bemerkenswerter Weise, dass die Rede von europäischen Nationen ein vollkommener Nonsens ist, der im 19. Jahrhundert – unterstützt durch zahlreiche Intellektuelle – seine eigentliche Geburtsstunde feierte und dabei…