Michel de Montaigne: Essais. Livre premier

Kann man Michel de Montaignes Essais so hintereinander weglesen, wie er sie veröffentlicht hat? Doch , halt – nein! So gestellt, ist die Frage sinnlos, denn mein Beispiel zeigt, dass man es kann. Die Frage sollte vielmehr lauten: Ist es zweckmäßiger, die Essais selektiv zu lesen, immer mal wieder den einen oder anderen hervorzusuchen, je…

Francis Bacon: Essays

Francis Bacons Essays erschienen zum ersten Mal 1597. Eine erweiterte Auflage entstand 1612; eine nochmals erweiterte, die letzte zu seinen Lebzeiten, erschien 1625. Francis Bacon gilt als der Mann, der rationales Denken und Logik in die Wissenschaft eingeführt hat. Wenn er selber auch in den Naturwissenschaften auch nichts Neues oder Großes zu entdecken vermochte, war…

Cassius Dio: Römische Geschichte. Band III: Bücher 44-50

2 (1) Demokratie hat ja zwar einen schönklingenden Namen und erweckt den Eindruck, als bringe sie allen durch gleiche Gesetze auch gleiche Rechte, in ihren Ergebnissen aber zeigt sich, daß sie mit ihrem Namen nichts zu tun hat. Im Gegensatz dazu hat Alleinherrschaft einen bösen Klang, sie ist aber eine sehr geeignete Staatsform, um darunter…

Ovid: Liebeskunst

Ovids Liebeskunst muss ich wohl nicht speziell vorstellen: Drei Bücher sind es; im ersten erklärt Ovid den Männern, wo und wie sie am besten Frauen und Mädchen finden, die bereit sind zu flirten (und mehr), im zweiten, wie sie die einmal eroberten Damen zu einem festen und länger dauernden Liebesverhältnis bringen; im dritten schliesslich, dem…

Thomas Leinkauf: Grundriss Philosophie des Humanismus und der Renaissance (1350 – 1600). Band 1

Leinkaufs Grundriss erfüllt alle Bedingungen, um für den von ihm behandelten Zeitraum ähnlich epochemachend zu werden, wie es Zellers Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung vor 100 Jahren für die Philosophiegeschichte des antiken Griechenland war. Leinkaufs Darstellung ist fakten- und von daher auch umfangreich (rund 2’000 Seiten). Sie richtet sich an ein Fachpublikum, das…

Erasmus von Rotterdam: De conscribendi epistolis / Anleitung zum Briefschreiben

Anleitungen zum korrekten Verfassen von Briefen sind nicht neu, und Erasmus war keineswegs der erste, so etwas zu verfassen. Im Gegenteil: Schon die Antike kannte die Literaturgattung ‘Brief’ und schrieb darüber. Im Mittelalter waren Briefsteller vor allem Anleitungen für die Schreiber in den Kanzleien von Fürsten und Bischöfen, Königen, Kaiser und Papst. Entsprechend ‘degenerierte’ die…

Erasmus von Rotterdam: Ciceronianus sive De optimo dicendi generi / Der Ciceronianer oder Der beste Stil. Adagiorum Chiliades (Adagia selecta) / Mehrere tausend Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten (Auswahl)

Ciceronianus Diesen Zungenbrecher hat nicht etwa Erasmus erfunden. Ein Cicerionianer war ein unter Humanisten zu seiner Zeit geläufiger Begriff und bezeichnete jene Gruppe der Humanisten, die Cicero als Vorbild ihres Stils genommen hatten. Nun hat auch Erasmus den Philosophen wie den Stilisten Cicero hoch verehrt, aber diese Bewegung unter den Humanisten ärgerte ihn aus zwei…

Alexander Gottlieb Baumgarten: Ästhetik

Übersetzt, mit einer Einführung, Anmerkungen und Registern herausgegeben von Dagmar Mirbach. 2 Bände. Lateinisch-deutsch. Hamburg: Meiner, 2007. (= Philosophische Bibliothek 572 a+b.) Alexander Gottlieb Baumgarten (1714-1762) gilt als der ‘Erfinder’ der philosophischen Disziplin der Ästhetik. Sein bahnbrechendes Werk (wie es so schön heisst) erschien in zwei Bänden 1750 und 1758. Trotz seines gewaltigen Umfangs (alleine…

Friedrich Theodor Vischer: Aesthetik oder Wissenschaft des Schönen III.V

Nun ist die Katze aus dem Sack: Im Vorwort zum fünften Teilband von Band 3, zugleich dem abschliessenden Band seiner Aesthetik, gibt Vischer zu, dass der vierte Teilband, der zur Musik, nicht aus seiner Feder stammt: Eine schwere Beichte aber muß ich hier ablegen: die Lehre von der Musik ist nur im ersten, allgemeinen Teil…

Wilhelm Nestle: Vom Mythos zum Logos

Vom Mythos zum Logos beschreibt nach Wilhelm Nestle die Entwicklung des antiken griechischen Denkens von der Zeit Homers bis hin zu den Sophisten – Sokrates exklusive. Das hat – dagegen verwahrt er sich explizit und zu Recht – nichts mit Nietzsches berühmtem Diktum vom “Dionysischen und Apollinischen” zu tun, wie er überhaupt den Altphilologen Nietzsche…