Manfred Geier: Aufklärung. Das europäische Projekt.

Der Untertitel suggeriert Aktualität: Tatsächlich aber fühlt man sich bei der Lektüre dieser Aufsätze an Geiers Buch über das philosophische Lachen erinnert (insbesondere bei den Kapiteln über Locke und Shaftesbury), was zwar weiter nicht schlimm sein muss, aber im Falle von Shaftesbury (ein bedeutender Aufklärer?) ein bisschen seltsam anmutet. Auch bei den anderen Aufsätzen gibt…

Yuval Noah Harari: Homo Deus

Hararis “Menschheitsgeschichte” war ein Bestseller und das vorliegende Buch scheint sich ebenfalls ausgezeichnet zu verkaufen. Marketingtechnisch also alles bestens, allerdings ist ein Gutteil der Kritik, die ich in der Besprechung seines Erstlings äußerte, auch auf “Homo deus” anwendbar. Oft weitschweifig, dann wieder unnötig vereinfachend und pauschalierend und auch strukturlos, sodass man sich bisweilen fragt, welches…

Michiko Kakutani: Der Tod der Wahrheit

Trotz beschränkter Zeit ein paar Zeilen zu einem Buch, das sich ein längeres Lob verdient hätte. Kakutani ist nach meinem Dafürhalten die erste, die den Abgesang auf die Wahrheit bis zurück zu den Anfängen der Postmoderne auf überzeugende Weise dargestellt hat, bis zu Derrida, der mit poststrukturalistischen, dekonstruktivistischen Ansätzen schon vor 50 Jahren die Deutungshoheit…

Harro Heuser: Unendlichkeiten. Nachrichten aus dem Grand Canyon des Geistes.

Eine kleine Philosophiegeschichte unter dem Blickwinkel der Unendlichkeit, wobei es vor allem um Unendlichkeiten im mathematischen Sinne geht (Heuser ist Mathematiker). Dennoch führt das Thema alsbald in philosophische Untiefen und in theologische Abgründe, denn selbstredend sind die Theologen angetan von einem Begriff, der kaum definierbar und gerade deshalb wunderbar geeignet ist, ein wichtiges Attribut für…

Gustav Roskoff: Geschichte des Teufels

Bis heute ist, wer etwas über die Geschichte des Teufelsglaubens in Europa erfahren will, auf dieses Buch aus dem Jahre 1869 angewiesen. Keiner hat vor oder nach Roskoff das Thema je halb so erschöpfend bearbeitet, oder auch nur aufgegriffen. (Erschöpfend: Immerhin umfasste die Originalausgabe in 2 Bänden rund 1000 Seiten. Vor mir liegt ein photomechanischer…

H. Welzer, S. Moller, K. Tschuggnall: “Opa war kein Nazi”

Wie sind die Deutschen mit ihrer Geschichte umgegangen abseits der offiziellen Geschichtsschreibung – welches Bild der nationalsozialistischen Zeit wurde innerhalb der Familie tradiert bis in die Enkelgeneration? Diesem Antagonismus (denn ein solcher sollte es sein) sind die Autoren in dieser Studie nachgegangen, indem sie knapp 200 Personen (inklusive Kinder- und Enkelgeneration) allein und in der…

Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte

Francis Fukuyama verkündete zu Beginn der 90er (nach dem Zusammenbruch des Ostblocks) das “Ende der Geschichte” und wollte im Sinne klassischer Theorien Universalgeschichte schreiben: Geschichte also, die auf ein Ende zustrebt, ein Telos besitzt (und deren Eigenart darin besteht, das sie stets dann endet, wenn der betreffende Universalgeschichtsschreiber sein Werk schreibt). Für ein derartiges Vorhaben…

Götz Aly: Macht – Geist – Wahn

Macht – Geist – Wahn – diese “Kontinuitäten” meint Götz Aly in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts wahrzunehmen. Und davon handeln auch die Arbeiten in diesem Buch, wobei die Zeit des Nationalsozialismus immer hineinspielt – bzw. der Umgang mit den Ereignissen post festum. Aly hat in anderen Büchern sich intensiv mit den Bereichen Euthanasie,…

Hans Woller: Gerd Müller

Eigentlich sind Sportlerbiographien ein Genre, das wenig anziehend auf mich wirkt. Bei diesem Buch habe ich eine Ausnahme gemacht – zu Recht, wie sich herausstellen sollte. Dem Zeithistoriker Hans Woller ist eine ganz ausgezeichnete Darstellung des “Bombers der Nation” geglückt, ganz ohne hagiographische Elemente, die einen Einblick in die (sport-)politische Landschaft Bayerns der 60er und…

Niall Ferguson: Der Aufstieg des Geldes

Dem Autor gelingt mit diesem Buch eine gut lesbare, spannende Darstellung eines eigentlich sperrigen Themas, nämlich der Wirtschaftsgeschichte. Dabei verdienen zwei Aspekte besondere Beachtung: Die historische Aufarbeitung der Entstehung des Geldes als auch der durch den Erscheinungszeitpunkt des englischen Originals (Mai 2008) brisante Ausblick, bei dem sich Ferguson in weiser Voraussicht von den zu Derivaten…