Gegen Ende des dritten Buchs Le côté de Guermantes hat Prousts Ich-Erzähler nachgerade in der Art eines ‚Cliffhangers‘ angekündigt, er habe in seinem Ausguck oberhalb der Wohnung seiner Eltern im hôtel de Guermantes etwas gesehen, das sein Weltbild grundlegend geändert habe, wolle aber zuerst im Zusammenhang erzählen, wie seine Nachfrage bei M. und Mme de…
Schlagwort: Anatole France
eig. François Anatole Thibault; 1844-1924
Marcel Proust: À la recherche du temps perdu III. Le côté de Guermantes (2) [Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Die Welt der Guermantes]
Hier nun also der zweite Teil des dritten Buchs der Suche nach der verlorenen Zeit. Die Unterteilung der Welt der Guermantes stammt in dieser Form nicht von mir, sondern vom Verlag Gallimard, der die einzelnen Bücher in der mir vorliegenden Ausgabe 1949 in kleinere Häppchen unterteilt hat – wahrscheinlich, damit die einzelnen Teile leichter zu…
Marcel Proust: À la recherche du temps perdu II. À l’ombre des jeunes filles en fleurs (1) [Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Im Schatten junger Mädchenblüte]
Mit dem zweiten Buch seines Großromans Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Im Schatten junger Mädchenblüte, knüpft Marcel Proust nahtlos dort an, wo er mit dem ersten (In Swanns Welt) aufgehört hat. Dies gilt in zweierlei Hinsicht: in stilistisch-formaler und in der inhaltlichen Fortführung der Erzählung. Nämlich: Inhaltlich: Wir treffen zu Beginn den immer…
Marcel Proust: À la recherche du temps perdu I. Du côté de chez Swann (1) [Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. In Swanns Welt]
À la recherche du temps perdu (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit) zählt zu den paar Großromanen mit hoher literarischer Qualität, die uns das erste Drittel des 20. Jahrhunderts beschert hat. Der Roman gehört in den erlauchten Kreis derer von Ulysses, Joseph und seine Brüder, Der Mann ohne Eigenschaften sowie U.S.A. – Romane, bei…
Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben
Wir alle kennen diesen Nachbarn oder Arbeitskollegen, der nicht nur alles weiß, sondern auch alles besser weiß, der alles erklären kann, warum es ist, wie es ist, aber auch gleich hinzufügt, wie es eigentlich sein sollte, wenn es so sein sollte, wie es am besten wäre. Das Maskulinum in vorhergehendem Satz ist dabei keineswegs generisch…
Stanisław Lem: Phantastik und Futurologie I
Am 12. oder 13. September 1921 kam Stanisław Lem zur Welt. Das Geburtsdatum variiert je nach Quelle; es geht das Gerücht, Lem hätte seine Geburt vom 13. auf den 12. September vordatiert aus Gründen des Aberglaubens. Sei dem, wie dem sei – nach 100 Jahren spielt das keine große Rolle mehr, und ich bilde mit…
Saul Friedländer: Proust lesen
Proust lesen: Das heißt vor allem, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit lesen. Proust lesen heißt für Friedländer aber auch: In Proust lesen, nämlich – um es pathetisch auszudrücken – in Prousts Seele lesen. Denn Friedländer will nicht nur Prousts Großroman verstehen, er will auch und vor allem Proust selber verstehen. Dazu unterscheidet er…
Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. 4. Band: Drittes Buch: Aufklärung – Große Revolution (12. bis 14. Abschnitt) / Viertes Buch: Die letzten hundert Jahre – Reaktion – Materialismus – Gottlose Mystik
Mehr Literatur- als Philosophiegeschichte: der vierte und abschliessende Band von Fritz Mauthners Geschichte des Atheismus. Als allererstes wendet sich der Autor gegen die Vertreter eines stinkenden Lichts (einer pervertierten Aufklärung). Die Dunkelmänner, die er meint, sind vorwiegend Vertreter der Romantik, die sich ebenso auf Voltaire oder Rousseau berufen, wie die Aufklärer selber. Aber auch Mendelssohn…
Marcel Proust: Lettres [Briefe] 1879-1922
Dieser Tage erschien bei Suhrkamp eine zweibändige Auswahlausgabe der Briefe Marcel Prousts. Die Suhrkamp-Ausgabe beruht auf einer französischen Ausgabe, die von Françoise Leriche 2004 herausgegeben wurde; und diese Ausgabe wiederum beruht auf der grossen, 21 Bände umfassenden Correspondence, deren Herausgabe Philip Kolb kurz vor seinem Tod 1993 beenden konnte. Die Texte sind dabei nicht zu…
Edmond de Goncourt: Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben. 9: 1889-1890
Allmählich dämmert es Edmonds Freunden, was der alte Mann da treibt. Als erste ist es Mathilde Bonaparte, die ihn bittet, in Zukunft in seinem Tagebuch weggelassen zu werden. Goncourt hat gerade weitere Teile in einem Zeitschriften-Vorabdruck publiziert – diesmal aus der Zeit unmittelbar nach Jules‘ Tod, was offenbar jetzt bei seinen Freunden den (zutreffenden!) Verdacht…