Gérard de Nerval: Die Chimären und andere Gedichte

Irgendwie hat es die französische Literatur nicht geschafft, eine eigenständige (und gute, oder mindestens akzeptable!) romantische Bewegung auf die Beine zu stellen. Obwohl der oder die Intellektuelle eine Figur ist, die bis heute nirgends so ausgeprägt existiert wie in Frankreich, fehlte der französischen Romantik schon der theoretisch-poetologisch-philosophische Einstieg, der in Deutschland von Novalis und den…

Gustave Flaubert: Reisetagebuch aus Ägypten

Als er ein junger Herr war, Flaubert, achtundzwanzig Jahre alt, achtzehnhundertneunundvierzig, ein Sohn aus gutem Haus, von seinem Wesen ein Dichter, nach seiner sozialen Stellung und einem abgebrochenen Rechtsstudium ein allzu früher Rentier, in der Karriere gescheitert, ein Mann, der Muße mit dem Alibi des literarischen Ehrgeizes, als er sich, schicksalshaft von seinem Dämon, zufällig…

Alphonse Daudet: Aventures prodigieuses de Tartarin de Tarascon [Die wunderbaren Abenteuer des Tartarin von Tarascon]

Tarascon ist eine Kleinstadt im Süden Frankreichs, im so genannten „Midi de la France“. Tartarin ist ihr berühmtester Bürger. Tarascon gibt es wirklich; das Städtchen liegt in der Nähe von Arles und Avignon, am linken Ufer der Rhône. Am andern, dem Westufer, liegt Baucaire, dazwischen gibt es eine Brücke. Baucaire habe ich als durchschnittliche Kleinstadt…

Christopher Frayling: Vampyres

Vampire… Seit jenem in der Literaturgeschichte zu einem magischen Moment gewordenen Tagen im verregneten, nass-kalten Sommer 1816 – jenem Sommer, ‚der kein Sommer war‘ –, als die vier Freunde Byron, Shelley, Mary Wollstonecraft und John Polidori in der Villa Diodati am Ufer des Genfersees zusammenkamen und beschlossen, sich gegenseitig Gruselgeschichten zu erzählen, sind diese blutsaugenden…

Théophile Gautier: Mademoiselle de Maupin

Charles Baudelaire verehrte ihn, die beiden Goncourts waren mit ihm befreundet – heute ist er ein Unbekannter: Théophile Gautier, der von 1811 bis 1872 lebte. Mademoiselle de Maupin ist sein bekanntester Roman. Formal handelt es sich um einen – nicht ganz durchgehaltenen – Briefroman: Die drei Protagonisten schreiben Briefe an ihre Freunde. Nie schreiben sie…

Edmond & Jules de Goncourt: Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben. 5: 1869-1872

„Literarisches Leben“ ist nicht ganz der richtige Ausdruck für die Zeit, die dieser Band abdeckt. Literatur spielt bei den Goncourts kaum eine Rolle in den Jahren von 1869 bis 1872. Zu Beginn des Jahres 1869 tauchen noch literarische Erinnerungen auf, dann sind für längere Zeit sowohl die sog. Skeptische Gesellschaft wie die Salons bei der…

Charles Baudelaire: Sämtliche Werke/Briefe. Band 7: Richard Wagner. Meine Zeitgenossen. Armes Belgien!

Der vorletzte Band der Werkausgabe bietet dem Leser wieder einmal ein wahres Potpourri an Themen. Neben den im Haupttitel erwähnten Aufsätzen finden wir noch weitere Schriften, v.a. zur bildenden Kunst. So ganz nebenbei desavouieren sich die Herausgeber der Ausgabe auch, weil sie zugeben müssen, dass von der Notizensammlung, die Baudelaire als Grundlage hätte dienen sollen…

Charles Baudelaire: Sämtliche Werke/Briefe. Band 5: Aufsätze zur Literatur und Kunst. 1857-1860

Der Titel deutet es an: Wir finden im fünften Band der Werkausgabe neben den üblichen, meist um Geld bettelnden Briefen Baudelaires Literatur- und Kunstkritiken. Der Literaturkritiker Baudelaire schreibt (auch), um sich selber zu definieren – sowohl in der Abgrenzung wie in der Zurechnung. Die Schriften über seinen literarischen Übervater, Edgar Allan Poe, wurden alle in…