Spring

Nach Herbst und Winter nun also mit Spring (Frühling) die dritte Jahreszeit, die von der Folio Society mit einer kleinen Anthologie gefeiert wird. Es hat etwas Eigenes, eine Frühlings-Anthologie an einem schönen und warmen Oktober-Nachmittag auf der Veranda zu lesen. Die Jahreszeiten geraten ein wenig durcheinander, und zum Schluss ist man nicht sicher, ob man…

Winter

Winter ist der legitime und logische Nachfolger von Autumn – also eine weitere Anthologie mit jahreszeitbezogenen Texten der Folio Society, erschienen dieses Jahr in London. Erscheinungsort und -verlag erklären, warum die Mehrzahl der Texte von britischen bzw. US-amerikanischen Autoren stammt. Man kann die enthaltenen Texte in 2×2 Kategorien einteilen. Längs (sozusagen) in Lyrik (schwergewichtig, wie…

Henry John Newbolt: Aladore

Fantasy in ihren Kinderschuhen… Henry John Newbolt (1862-1938) ist hierzulande wohl eher ein Insider-Tipp. In seiner Heimat England war er einige Zeit recht bekannt für patriotische Gedichte, die er an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert verfasst hatte, und für die er sich später offenbar schämte. Dabei hat Newbolt (zusammen mit William Morris, der…

Ursula K. Le Guin: A Wizard of Earthsea [Der Magier der Erdsee]

Ich war der Meinung, ich hätte vor Jahrzehnten schon einen Band aus Ursula K. Le Guins Erdsee-Saga gelesen. Dem ist aber ganz eindeutig nicht so; was ich von ihr in vager Erinnerung habe, ist Science Fiction, nicht Fantasy, nicht Jugendliteratur. Und ich hätte vielleicht die Einführung, die David Mitchell für meine Ausgabe (Folio Society) geschrieben…

William Morris: News from Nowhere

London, im Frühwinter 1890. Nach einer Diskussion über sozialistische Prinzipien geht der namenlose Ich-Erzähler zu Bett. Wie er am nächsten Morgen erwacht, muss er feststellen, dass es unterdessen Sommer geworden ist. Nicht nur das – er ist offenbar auch weit in der Zukunft erwacht. Sorgfältige Nachfragen weisen ihn ins erste Viertel des 21. Jahrhunderts –…

The Poems of T. S. Eliot. Volume I: Collected and Uncollected Poems

Herausgegeben von Christopher Ricks und Jim McCue. London: Faber & Faber, 2015. Thomas Stearns Eliot gehört zu denen, die den Namen ‘poeta doctus’ wahrlich verdient haben. Und das nicht nur, weil er John Donne und die metaphyischen Poeten des alten England wieder ins Bewusstsein der Literaturkritik und -wissenschaft gerückt hat. Sein Lesevolumen war offenbar riesig….

Mark Twain: A Connecticut Yankee in King Arthur’s Court

Die Lektüre dieses Buchs kommt für den aufmerksamen Leser einem Ritt über den Bodensee gleich. Wo immer man hinschaut, wo immer man festen Boden unter den Füssen zu haben glaubt: Plötzlich fängt er ganz leise an zu vibrieren, zu wackeln. Das fängt schon bei der Hauptfigur an, dem Connecticut Yankee. Man hört hin und wieder,…

Immermann: Merlin / Gedichte

Weil Die Epgonen zu kurz waren und nur ziemlich genau 1½ Bände im Format der von Harry Maync damals herausgegebenen historisch-kritischen Ausgabe umfassten, musste offenbar die restliche Hälfte von Band IV noch irgendwie gefüllt werden. Und obwohl Maync in seinen einführenden Texten selber die Qualität sowohl von Merlin wie der Gedichte an allen Ecken und…

Holinshed’s Chronicles

Nein, das da im Titel ist kein Deppenapostroph. Als “Holinshed’s Chronicles” ist im angelsächsischen Raum das Werk bekannt, das ich vor kurzem gelesen habe – “Chronicles”, weil es eine Chronik darstellt, “Holinshed” nach dem Namen des wichtigsten Beiträgers. (Ausgesprochen übrigens als “Holins-Hed” …) Viel weiss man nicht über Raphael Holinshed. Er lebte von 1529 –…

Geoffrey von Monmouth: Historia Regum Britanniae

Auf Deutsch: Geschichte der Britischen Könige. Vor kurzem habe ich diesen frühen britischen Historiker gelesen. Das heisst: Darüber, ob er Historiker war, gehen die Meinungen auseinander. Er hat Geschichten niedergeschrieben – hat er eine Geschichte geschrieben? Es ist bei einem Autor des frühen 12. Jahrhunderts natürlich unmöglich, etwas über dessen eigene Intentionen zu wissen. Schrieb…