Briefe von und an Lessing 1776-1781

Meine Freude war nur kurz. Und ich verlor ihn so ungern, diesen Sohn! denn er hatte so viel Verstand! so viel Verstand! – Glauben Sie nicht, daß die wenigen Stunden meiner Vaterschaft, mich schon zu so einem Affen von Vater gemacht haben! Ich weiss, was ich sage! – War es nicht Verstand, daß man ihn…

Briefe von und an Lessing 1770-1776

1770: Lessing wirft das Handtuch. Er gibt auf. Er erklärt seinen Versuch, als freier Schriftsteller nur vom Ertrag seiner Feder zu leben, als gescheitert. Denn, als ihm der Posten eines Bibliothekars an der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel angeboten wird, schlägt er ein. Es ist (wie er sich wohl gesagt hat), von allen Möglichkeiten, die…

Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte

Die Zauberflöte gehört zu den wenigen Opern, bei denen auch schon der Text immer wieder Anlass zu Interpretationen geboten hat. Das liegt daran, dass Emanuel Schikaneders Libretto so ziemlich alles bedient, was einer Interpretation würdig sein kann. Es behandelt den Zusammenprall von Kulturen, von Gut und Böse, Mann und Frau, Jung und Alt, (Schwieger-)Mutter und…

Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. 3. Band: Drittes Buch (1. bis 11. Abschnitt): Aufklärung in Frankreich und in Deutschland – Die große Revolution

Für Mauthner ist die Geschichte des Atheismus eine Sammlung von Geschichten atheistischer Persönlichkeiten; und er hat so seine Lieblinge und seine Bêtes noires. Ersteres wie letzteres teilt er mit praktisch allen Philosophiegeschichten seiner Zeit. Mauthner ist allerdings ein Amateur und zelebriert seine Parteilichkeit nachgerade. (Wenn er übrigens den professionellen Philosophiegeschichtsschreibern vorwirft, dass da einer vom…

Günter de Bruyn: Sünder und Heiliger

de Bruyn ist bekannt durch seine Jean-Paul-Biografie von 1975. Mehr als 40 Jahre später hat er nun mit der Biografie eines weiteren “randständigen” Romantikers nachgelegt. Zacharias Werner kam 1786 in Königsberg zur Welt. Ein Studium der Rechte und Kameralistik brach er ab; lieber heiratete er eine junge Frau zweifelhaften Rufs, eine Prostituierte. Die Ehe hielt…

Rudyard Kipling: Kim

I am Kim. I am Kim. And what is Kim? – Immer wieder, mantra-mässig, stellt sich der Protagonist des Romans diese Frage. Nicht zu Unrecht, denn: Wer oder was ist Kim wirklich? Nur auf den ersten Blick erscheint die Antwort einfach: Kim ist Kimball O’Hara, der Sohn eines britischen Soldaten, der mit seinem britischen Regiment…

Karl Philipp Moritz: Reisen eines Deutschen in England im Jahr 1782

Hamann ging in London moralisch und pekuniär vor die Hunde. Lichtenberg andererseits genoss das pulsierende Grossstadtleben (um diesen Gemeinplatz auch einmal verwenden zu dürfen); auch wurde der berühmte Physiker gefeiert und gar dem König vorgestellt. Moritz positioniert sich mit seiner Englandreise irgendwo dazwischen. Im Gegensatz zu Lichtenberg war er kein Landeskind von Georg III. (mehr)…

Karl Philipp Moritz – Popularphilosophie

Weil nur wenige der theoretischen Schriften Moritz’ handschriftlich erhalten sind, ist es – so die Herausgeber meiner kleine Werkausgabe (ich bin mittlerweile in Band 2, d.i. Bibliothek der Klassiker 145) – schwierig, diese Schriften chronologisch zu ordnen. Deshalb haben sie sich für eine Ordnung nach Themen entschieden. Das verschiebt die Problematik allerdings nur auf eine…

Weitere belletristische Werke von K. Ph. Moritz

(“Weitere” deswegen, weil meine kleine Werkausgabe [Bibliothek Deutscher Klassiker 159] neben dem Reiser und dem Hartknopf und neben Moritz’ theoretischen Schriften auch noch ein paar Gedichte, ein Drama und drei Prosa-Fragmente enthält. Letztere will ich nun ganz kurz vorstellen – die theoretischen Schriften folgen später.) Moritz’ Gedichte allerdings sind höchstens literaturhistorisch interessant. Die deutsche Literatur…

Karl Philipp Moritz: Andreas Hartknopf. Eine Allegorie / Andreas Hartknopfs Predigerjahre

Anders als der Anton Reiser ist der Andreas Hartknopf1) desselben Autors einigermassen unbekannt. Schon Moritz’ Zeitgenossen rezipierten den ersten Teil, die Allegorie, weniger als den Reiser, den zweiten Teil dann schon fast gar nicht. Ich habe Andreas Hartknopf vor Jahren schon einmal gelesen, kann mich aber an keine Details mehr erinnern. Dies hier ist nun…