Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. 2. Band: Zweites Buch: Entdeckung der Natur und des Menschen – Lachende Zweifler – Niederlande, England

Auch Band 2 hätte wohl besser anders geheissen, z.B. „Der Nährboden, aus dem der europäische Atheismus entstehen konnte“ – denn Atheisten finden wir immer noch kaum in der Epoche vom ausgehenden Humanismus bis zur frühen Aufklärung. Mauthner hilft sich dadurch, dass er auch dieses Mal den Pantheismus zum Krypto-Atheismus erklärt, indem er in der Formel…

Karl Philipp Moritz: Anton Reiser

Anton Reiser braucht – hoffe ich doch – nicht extra vorgestellt zu werden. Ich habe den Text nun zum dritten oder vierten Mal gelesen und bin jedesmal mehr entzückt davon. 1785-1790 in vier Teilen erschienen, ist der Roman so modern wie sonst keiner aus jener Zeit. Er erinnert in vielem an Kafka, in noch mehr…

Texte zur Theorie der Komik. Hg. v. Helmut Bachmaier. RUB 17656

Nachdenken über das Komische ist bis heute eher eine Ausnahme im philosophisch-ästhetischen Diskurs. Helmut Bachmaier geht in seiner 2005 zum ersten Mal erschienenen Anthologie den Spuren dieses Nachdenkens nach. Auszüge aus wichtigen Werken werden historisch gegliedert. So fällt dem Leser rasch auf, dass es im Grunde genommen – mit Ausnahme des einzigen Jean Paul –…

Aristoteles: Poetik

Notizen zu einer Vorlesung, oder vielleicht auch zu einem noch zu schreibenden Buch: Diesen Eindruck vermittelt Aristoteles’ Poetik dem Leser. Der Text wirkt fragmentarisch. Der fragmentarische Charakter der Poetik liegt dabei m.M.n. weniger in der Tatsache begründet, dass Aristoteles von den zu Beginn genannten vier poetischen Textsorten Epos, Tragödie, Komödie, Dithyrambendichtung die letzten beiden dann…

Johann Heinrich Merck: Gesammelte Schriften. Band 8.1: Übersetzungen aus dem Englischen. 1762-1763

Enthält: Franz Hutchesons, der Rechte Doctors und der Weltweisheit Professors zu Glasgow, Untersuchung unserer Begriffe von Schönheit und Tugend, in zwo Abhandlungen. I. Von Schönheit, Ordnung, Uebereinstimmung und Absicht II. Von dem moralischen Guten und Uebel. und Cato ein Trauerspiel von Addison. Ersteres 1762, zweiteres 1763 erschienen1). Nach zwei Jahren also fahren Ulrike Leuschner und…

C. M. Wieland: Schriften zur deutschen Sprache und Literatur I

Ziemlich genau 11 Monate ist es her, dass ich das Grossprojekt der Lektüre von Wielands Ausgabe der Werke letzter Hand für beendet erklärt habe. Der grosse Mangel der von Christoph Martin Wieland noch selber zusammengestellten, im Original 56-bändigen Werkausgabe war mir (und ist jedem, der sie liest) sofort klar: Wieland hat darin auf einen grossen…

Die Horen. Jahrgang 1796. Viertes Stück

Mit dieser Nummer betreten die Horen voll und ganz ihre Übersetzungs-Phase. Der Herausgeber Schiller muss wohl ab 1796 ziemlich verzweifelt gewesen sein, wenn es darum ging, wieder eine Nummer seiner Zeitschrift zu füllen. Meines Wissens grollte er seinem Freund Goethe doch ein wenig, dass dieser nur zweit- oder drittrangiges Material aus seiner Werkstätte zur Verfügung…

Hrn. B. H. Brockes, L., Com. Palat. Caes. und Rahtsherr der Stadt Hamburg, Irdisches Vergnügen in GOTT, bestehend in Physicalisch⸗und Moralischen Gedichten, Erster Theil, nebst einem Anhang etlicher übersetzten Fabeln Des Herrn de la Motte.

Der Hamburger Ratsherr Barthold Heinrich Brockes (1680–1747) stellte zu Lebzeiten einen hell leuchtenden Stern am literarischen Himmel dar. Doch schon bald nach seinem Tod war auch der literarische Stern erloschen. Weshalb dies? Nun, ich denke, dass sein Hauptwerk, Irdisches Vergnügen in Gott, eine Antwort gibt. In den 1740er Jahren (in zum Schluss 9 Teilen) erschienen,…

12’500 Seiten Wieland

Hiermit erkläre ich ein weiteres Gross-Projekt für beendet. Im Laufe des Jahres 2013 habe ich C. M. Wielands sämmtliche Werke gelesen, so, wie sie von Wieland höchstpersönlich ab 1797 bei Göschen herausgegeben und 1984 von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur bei Greno in einem Reprint wieder zugänglich gemacht wurden. Nach meiner…

Inka Kording (Hrsg.): Louise Gottsched – “mit der Feder in der Hand”. Briefe aus den Jahren 1730-1762

Ich gebe zu: Ich habe vor, bei und nach der Lektüre dieses Buchs das eine oder andere Vorurteil revidieren müssen. Vorurteile sowohl gegenüber der Gottschedin, wie ich sie bei mir immer genannt habe, wie auch gegenüber ihrem Mann. Letzterer war für mich immer nur der Vertreter einer platten Aufklärung, der zwar die deutsche Schaubühne von…