Peter Farb: Die Indianer

Wer sich eine kompetente und gut geschriebene Einführung in die nordamerikanischen Indianerkulturen wünscht ist mit diesem Buch hervorragend beraten. Und das, obwohl das Buch bereits Ende der 60er Jahre unter dem Titel “Man’s Rise to Civilization” erschienen ist (die deutsche Erstausgabe stammt von 1971). Farb orientiert sich in seiner Gliederung an der Größe der Gesellschaften:…

Michel Onfray: Wir brauchen keinen Gott: Warum man jetzt Atheist sein muß

Onfray ist es in seinen Büchern nicht um Wissenschaftlichkeit zu tun, sondern um Provokation, um griffige Formulierungen und bedient sich einer Sprache, die diesen offensiven Anspruch unterstreicht. Allerdings kann reine Polemik keine Argumente ersetzen und so ist dieses Buch weniger eine Kampfschrift für eine post-christliche und laizistische Ethik, sondern ein eher peinliches Pamphlet, das dem…

Vincent F. Hendricks und Mads Vestergaard: Postfaktisch

Ein überraschend kluges und lesenswertes Buch zu diesem Thema, das eine wirklich durchdachte Analyse dessen bietet, was seit einigen Jahren als Fake News durch die Medien geistert. Zwar sind viele Beispiele aus dem Trump-Wahlkampf (und der anschließenden Regierungsperiode) entnommen, es werden aber die prinzipiellen Mechanismen solcher Kampagnen durchleuchtet. Ausgangspunkt der Überlegungen ist die Aufmerksamkeitsökonomie: Wir…

Karsten Brensing: Das Mysterium der Tiere

Karsten Brensing, Meeresbiologe und Verhaltensforscher, geht in diesem Buch der Frage nach, inwieweit Tiere zu einem Verhalten fähig sind, das man allgemein als spezifisch menschlich bezeichnen würde. Er anaylsiert u. a. sexuelle, kulturelle und kommunikative Verhaltensweisen und kommt zumeist zu dem Schluss, dass all diese Dinge keineswegs Alleinstellungsmerkmale des Menschen darstellen. Das klingt spannend und…

Edgar Zilsel: Die Geniereligion

Edgar Zilsel hat sich später noch ausführlicher mit dem Geniebegriff auseinandergesetzt und versucht, sich mit einer entsprechenden Arbeit zu habilitieren, ein Versuch, der durch den Widerstand konservativer Kreise an der Wiener Universität gescheitert ist. Das vorliegende Buch kann als Grundlage für die Habilitationsschrift bezeichnet werden, es nähert sich dem Geniebegriff nicht auf historische, sondern soziologische,…

Thomas Fischermann: Der letzte Herr des Waldes

Das Volk der Tenharim ist ein Brudervolk der Piraha, dem Daniel Everett ein durchaus bemerkenswertes Buch gewidmet hat. Thomas Fischermann geht von einem anderen Ansatz aus: Er lässt Madarejúva erzählen, einen jungen Krieger der Tenharim, der an der großen Transamazonica lebt und beide Welten kennengelernt hat – die einer technisierten Zivilisation und jene seiner Vorfahren…

Hans-Joachim Löwer, Udo Bernhart: Die Alpenfront einst und jetzt

Ein reich bebilderter Band über eine Kriegsfront des Ersten Weltkrieges, die wie kaum eine andere beispielhaft für die Sinnlosigkeit dieses Kämpfens war. Denn von der Kriegserklärung Italiens an Österreich im Mai 1915 (wobei die Grenzziehung von den Alliierten bereits im voraus festgelegt wurde – heißt: Auch Südtirol würde an Italien fallen) bis zum Ende im…

Christina Wessely: Welteis

Die Welteislehre ist ein seltsames Pflänzchen, eine kosmologische Theorie, die im Grunde der Erwähnung nicht wert ist und als eine von vielen seltsamen Erscheinungen abgetan werden könnte. Wenn sie nicht zum einen durch die höchsten Vertreter des Nationalsozialismus geadelt worden wäre (Hitler und Himmler war bekennende Anhänger), obwohl gerade dies nach 1945 ihr fast augenblickliches…

James George Frazer: The Golden Bough [Der goldene Zweig]

1. Auflage: 1890 in 2 Bänden; 2. Auflage: 1900 in 6 Bänden; 3. Auflage: 1907-1915 in 12 Bänden (+ 1 Supplement-Band von 1936); 4. Auflage (Abridged Version): 1922 in 1 Band. Diese Zahlen zeigen zweierlei: Einerseits, dass The Golden Bough ein Verkaufsschlager war, was nur möglich ist, wenn auch Laien sich dafür interessierten; andererseits, dass…

Robin Dunbar: Klatsch und Tratsch. Wie der Mensch zur Sprache fand

Schon seit Aristoteles zerbrechen sich Philosophen den Kopf über Ursprung und Entstehung der Sprache – aber erst seit sich Anthropologen und Ethologen dieses Themas angenommen haben, sind die Überlegungen auch substantiell: Ansonsten hatte zumeist der liebe Gott seine Finger im Spiel oder aber die Sprache war der Spiegel der Seele (was immer das auch sei)….