Franz Grillparzer: Der arme Spielmann

Zwei Novellen hat Grillparzer geschrieben; diese hier ist seine zweite. Zu meiner Zeit war Der arme Spielmann fester Bestandteil gymnasialer Schullektüre; wie es heute ist, kann ich nicht sagen. Dabei entzieht sich Grillparzers Novelle jeder schulmässigen, “metaphysischen” Interpretation. Vielleicht ist es so, weil die Struktur der Erzählung täuscht. Mit Rahmenerzählung und Binnenerzählung weist Der arme…

Apuleius: Amor und Psyche

Bei Amor und Psyche handelt es sich um eine Geschichte, die im Rahmen von Apuleius’ Roman Metamorphosen (seit Augustins De civitate Dei auch bekannt als Der goldene Esel) erzählt wird. Sie wird dort von einer alten Vettel einer jungen Frau erzählt (in Beisein des Ich-Erzählers als Esel), die gerade von Räubern gekidnappt wurde, und hat…

Sigismund Krzyżanowski: Der Club der Buchstabenmörder

Trotz seines polnischen Namens (und seiner polnischen Eltern) hat sich der 1887 in Kiew geborene Sigismund Krzyżanowski zeit Lebens der russischen Kultur zugeordnet. Er schrieb nur auf Russisch und zog 1922 nach Moskau um. Allerdings schrieb er zwar auf Russisch, veröffentlichen durfte er in Stalins Sowjetunion nichts Relevantes. Er schien zwar auf keiner Liste zu…

Der im Irr⸗Garten der Liebe herum taumelnde CAVALIER. Oder Reise⸗ und Liebes⸗Geſchichte Eines vornehmen Deutſchen von Adel, Herrn von St.*** Welcher nach vielen, ſowohl auf Reiſen, als auch bey andern Gelegenheiten verübten Liebes⸗Exceſſen, endlich erfahren müſſen, wie der Himmel die Sünden der Jugend im Alter zu beſtraffen pflegt. Ehedem zuſammen getragen durch den Herrn E. v. H. Nunmehro aber allen Wollüſtigen zum Beyspiel und wohlmeindender Warnung in gehörige Ordnung gebracht, und zum Drucke befördert Von einem Ungenandten.

Johann Gottfried Schnabel – denn um ihn handelt es sich beim Ungenandten – kennt man heute fast nur noch als Autor von Wunderliche Fata einiger See-Fahrer, absonderlich Alberti Julii, eines gebohrnen Sachsens, Welcher in seinem 18den Jahre zu Schiffe gegangen, durch Schiff-Bruch selb 4te an eine grausame Klippe geworffen worden, nach deren Übersteigung das schönste…

Die Horen. Jahrgang 1797. Drittes Stück

Dünn sind sie geworden, unsere Horen, sehr dünn. Und damit meinen wir nicht einmal so sehr den Seitenumfang (obwohl das Dritte Stück des Jahrgangs 1797 auch von daher das schmalste ist, an das wir uns erinnern können), sondern vor allem den geistig-intellektuellen Gehalt. Auch diese Nummer wurde mit Fortsetzungen notdürftig auf ein gewisses Minimalmass aufgeblasen….

Robert Burton: The Anatomy of Melancholy. The Third Partition

The Third Partition, der dritte und letzte Teil also, von Robert Burtons Anatomy of Melancholy besteht seinerseits aus zwei Stücken, die unterschiedlicher nicht sein könnten: einer Analyse der amorösen Tollheit und eine der religiösen Tollheit. Zuerst also der amoröse oder Liebeswahnsinn. Bevor er so richtig ins Thema einsteigt, entschuldigt sich Burton zuerst, dass er so…

Die Horen. Jahrgang 1797. Zweites Stück

Was soll man von einer Horen-Nummer halten, deren bestes Stück – Goethes Benvenuto Cellini ist?!? Denn genau dies ist mit der vorliegenden N° 2 der Fall. Das ganze Heft besteht praktisch nur aus Fortsetzungen. Fortsetzungen nicht aber grosser Meisterwerke, sondern Fortsetzungen von mehr oder weniger mediokren Sächelchen. Man spürt Schillers zunehmende Verzweiflung daran, überhaupt eine…

Pantschatantra: Fünf Bücher indischer Fabeln, Märchen und Erzählungen. Aus dem Sanskrit übersetzt mit Einleitungen und Anmerkungen von Theodor Benfey

OA: Leipzig, F. A. Brockhaus, 1859. Vorliegende Ausgabe: ein Fasksimile-Reprint von 2014 bei Finis Mundi. (Ein Verlag, der mir übrigens auch an der Frankfurter Buchmesse aufgefallen ist durch seine schön gestalteten Reprints, v.a. von Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts: Leineneinband, Lesebändchen, gutes Papier…) Pantschatantra (heute auch: Panchatantra) ist eine Sammlung von fünf Büchern und stammt ca….

Die Horen. Jahrgang 1796. Neuntes Stück

Wenn ich die Nummern der Horen getreu nach Erscheinungs- bzw. Lieferdatum lesen möchte, wäre ich noch zu früh. Denn die September-Nummer von 1796 wurde erst Ende Oktober in Jena ausgeliefert. Tut nichts; ich lese nach ‘offiziellem’ Erscheinungsmonat. Nach einer kurzen Pause fährt in der September-Nummer Goethe als erster mit seinem Benvenuto Cellini weiter. Bevor er…

Isak Dinesen: Seven Gothic Tales

Karen Blixen, eigentlich Karen Christence von Blixen-Finecke, geborene Dinesen (1885-1962), schrieb ihre literarischen Texte meist zuerst auf Englisch, bevor sie sich dann selber ins Dänische übersetzte. Auf Englisch veröffentlichte sie als “Isak Dinesen”, während derselbe Text auf Dänisch von “Karen Blixen” stammte. Warum sie im deutschen Sprachraum dann als “Tania Blixen” publiziert (wird), entzieht sich…