Vincent van Gogh: Letters [Briefe]

Vincent van Goghs Mitteilungsbedürfnis muss ungeheuer gewesen sein. Er konnte – wenn er jemanden mochte und zu ihm Vertrauen gefasst hatte – stundenlang auf diesen Jemand einquatschen. Wenn ihm gerade niemand zur Verfügung stand, griff er zur schriftlichen Kommunikation. Er schrieb Briefe. Seitenlange Briefe. Hauptopfer seiner Kommunikationswut war sein jüngerer Bruder Theo. 902 Briefe sind…

Laurence Sterne: Die Briefe

Gute Briefeditionen können eine Biografie ersetzen – was aber, wenn es sich um eine schlechte Briefedition handelt? Nun ist die vorliegende Ausgabe1) nicht eigentlich ‘schlecht’; aber ‘gut’ leider auch nicht. Das hat verschiedenen Gründe; nicht für alle sind die deutschen Herausgeber verantwortlich. Im Gegenteil: Hauptverantwortlich ist Sterne selber, bzw. seine Tochter als Testamentsvollstreckerin. Sterne, der…

Laurence Sterne: Eine empfindsame Reise / Briefe an Eliza / Tagebuch des Brahmanen / Satiren / Kleine Schriften

Enthält, subsummiert unter den Satiren und den Kleinen Schriften, Folgendes: Ein politisches Märlein Ein Fragment in Rabelais’scher Manier Ein Impromptu Zwei Epitaphe Memorandum Bei letzterem handelt es sich um eine kleine Familiengeschichte, die Sterne zu Handen seiner Tochter geschrieben hat. Der Rest ist für den Aficionado, der Sternes literarischen Werdegang genauer verfolgen will: Juvenilia, die…

Heiner Boehnke / Hans Sarkowicz / Joachim Seng: Monsieur Göthé

Goethes unbekannter Grossvater. Tatsächlich wissen wir wenig über Friedrich Georg Göthé. Geboren 1657 stammte er aus dem Thüringischen, war gelernter Schneider und machte sich als Geselle auf die zu jener Zeit obligate Walz, die ihn offenbar bis nach Strassburg und weiter nach Frankreich, nach Lyon, eventuell sogar Paris, führte. Von dort kehrte er zurück in…

Noch mehr Frankfurter Impressionen

Schon im Vorfeld dieser Buchmesse hatte ich beschlossen, dass ich nächstes Jahr sowohl die Messe in Frankfurt wie die in Leipzig auslassen werde. So hatte ich also heute nicht nur meinen zweiten Tag an der Frankfurter Buchmessse, sondern auch – bis auf weiteres – meinen letzten an irgendeiner Buchmesse. Ich war heute ein wenig früher…

Andrew Roberts: Napoleon & Wellington

Ausdrücklich keine Biografie, auch keine Doppelbiografie, will der englische Historiker und Publizist Andrew Roberts geschrieben haben. Es handelt sich beim vorliegenden Buch denn auch tatsächlich nicht um eine Biografie, wenigstens nicht um eine im klassischen Sinn. Dafür fehlen zu viele elementare Fakten. Schon eher könnte man das Buch als ‘Psychogramm’ der Beziehung der beiden Feldherren…

Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. 3. Band: Drittes Buch (1. bis 11. Abschnitt): Aufklärung in Frankreich und in Deutschland – Die große Revolution

Für Mauthner ist die Geschichte des Atheismus eine Sammlung von Geschichten atheistischer Persönlichkeiten; und er hat so seine Lieblinge und seine Bêtes noires. Ersteres wie letzteres teilt er mit praktisch allen Philosophiegeschichten seiner Zeit. Mauthner ist allerdings ein Amateur und zelebriert seine Parteilichkeit nachgerade. (Wenn er übrigens den professionellen Philosophiegeschichtsschreibern vorwirft, dass da einer vom…

Ferdinand Beneke: Die Tagebücher. III/5: Beilagen 1814

III/5 fängt an mit Benekes Kassenbuch, das er vom 1. Juni 1814 bis zum 24. Februar 1816 führt, und in dem er fein säuberlich alle Einnahmen und Ausgaben seines Haushaltes notiert. Damit ist zugleich eines der Leitmotive des Jahres 1814 in Benekes Leben gegeben: Geld (bzw. eben dessen Mangel). Es mangelt Beneke einerseits privat daran,…

Ferdinand Beneke: Die Tagebücher. III/4: Beilagen 1813

1813 und 1814 sind Ferdinand Benekes grosse Jahre – auch wenn er das damals wohl kaum so empfand. 1811 schien Frankreichs Hegemonie über Kontinentaleuropa noch übermächtig und für eine halbe Ewigkeit errichtet. 1812 hatte Moskau den Gegnern Napoléons gezeigt, dass dieser keineswegs der unüberwindliche Feldherr war, für den man ihn lange gehalten hatte. Auch wenn…

Ferdinand Beneke: Die Tagebücher. III/1: 1811-1813

Bekanntlich haben die Herausgeber der Beneke-Tagebücher beschlossen, die Abteilung III vor der Abteilung II zu veröffentlichen. Das habe seinen Grund darin, dass die hier aufgezeichneten Ereignisse sich jetzt gerade zum 200. Mal jähren. Es ist auch richtig: In gewissem Sinne waren die Jahre von 1811 bis 1816 Benekes beste. Zumindest sind es die Ereignisse dieser…