Ferdinand von Schirach: Kaffee und Zigaretten

Beobachtungen, kurze Erzählungen, Betrachtungen aus dem Alltag. Angesiedelt zwischen Realität und Fiktion, pointiert, berührend, zum Nachdenken anregend. Manchmal – aber das mag ein sehr subjektiver Eindruck sein – allzu bedacht auf Intellektualität – dann geht’s auch ein wenig schief wie bei dem ungelenken Vergleich eines nicht vorhersehbaren Lebens mit der Heisenbergschen Unschärferelation. Aber in der…

Olga Tokarczuk: Die Jakobsbücher

Oder – so der Untertitel – Eine große Reise über sieben Grenzen, durch fünf Sprachen und drei große Religionen, die kleinen nicht mitgerechnet. Eine Reise, erzählt von den Toten und von der Autorin ergänzt mit der Methode der Konjektur, aus mancherlei Büchern geschöpft und bereichert durch die Imagination, die größte natürliche Gabe des Menschen. Den…

Peter Handke: Die morawische Nacht

Handke und der Nobelpreis für Literatur 2019 Jede Besprechung eines Buchs von Peter Handke muss heute wohl mit einem Schwenker hin zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur an diesen Autor beginnen. Insbesondere, wenn sie – wie in meinem Fall – tatsächlich dem Umstand geschuldet ist, dass das Buch nur gelesen wurde, weil seinem Autor dieser…

Tonio Schachinger: Nicht wie ihr

Ein Jahr im Leben des Ivo Trifunovic, eines berühmten, begnadeten Fußballprofis (offensichtliches Vorbild für die Kunstfigur war der österreichische Nationalspieler Marko Arnautovic, mit dessen Lebenslauf viele der Daten des Protagonisten übereinstimmen). Das Buch hat es auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis geschafft und überaus positive Rezensionen erhalten. Warum ist mir nach der Lektüre nicht wirklich…

Saša Stanišic: Herkunft

Stanišic erzählt – wie der Titel anzeigt – von seiner Herkunft. Geboren 1978 in Bosnien-Herzegowina muss er 1992 aus Višegrad (an der Grenze zu Serbien gelegen) mit seiner Mutter fliehen und wächst in Deutschland (Heidelberg) auf. Es ist ein aktuelles Buch, ein Buch über das Fremdsein, Ausgrenzung, über Freundschaften und Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten….

Tom Liehr: Sommerhit

Aufmerksam wurde ich auf den Autor durch diesen Artikel, dem ich grosso modo zustimme (obschon die conclusio, dass Kunst einfach alles dürfe, selbstredend Unsinn ist: Kunst darf viel, hat sich aber an den juristisch-gesellschaftlichen Rahmen zu halten wie jede andere Äußerung auch). Und so sind bei meiner letzten Buchbestellung denn auch zwei Romane von Liehr…

Marie Darrieussecq: Unser Leben in den Wäldern [Notre vie dans les forêts]

Marie: so heißt die Ich-Erzählerin dieses kleinen Romans, und so heißt auch die Autorin. Die Ich-Erzählerin hat keinen Familiennamen. Dafür hat sie denselben Beruf ausgeübt wie die Autorin: Psychoanalytikerin. Beide haben diesen Beruf aufgegeben; beide haben ihn fürs Schreiben aufgegeben. Viel mehr, als dass sie bis 2017, also bis zu dem Erscheinungsjahr von Notre vie…

Günther Freitag: Mahlers Taktstock

Von einem, der auszog, das Gruseln zu lehren… Konrad möchte gerne Dirigent werden. (Eigentlich wollte er Pianist werden, aber er ist Allergiker, und seine häufigen Niesattacken bewogen ihn dazu umzusatteln.) Zu Beginn des Romans treffen wir ihn, wie er gerade von Wien nach Berlin umgezogen ist, um an der Berliner Universität seine entsprechende Ausbildung weiter…

Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht

Helene erwacht aus dem Koma, ihre rechte Seite ist gelähmt, sie ist verwirrt, desorientiert. Ein Aneurysma ist Ursache für diesen ihren Zustand und langsam, ganz langsam begibt sie sich auf die Suche nach ihrem Leben, ihrer Vergangenheit, nach verlorenen Erinnerungen. So wird Stück um Stück ihr Leben rekonstruiert, ein Leben mit einem Mann, mit fünf…

Blanca Imboden: heimelig

Langsam nähert man sich ja dem Alter, in dem das Thema „Altersheim“ mehr wird, als nur eine theoretische Möglichkeit an einem fernen Horizont. Mehr als etwas, von dem man den sich sträubenden Opa, die abwehrende Mama zu überzeugen versucht. Die heutige Gesellschaft bietet kaum noch die Möglichkeit, jene althergebrachte Familienform zu leben, wo mehrere Generationen…