Reinhard Horowski: Hölderlin war nicht verrückt

Eigentlich hatte ich den französischen Germanisten Pierre Bertaux schon wieder vergessen. Vor allem dessen zweites Werk zu Hölderlin – das auf Deutsch ganz simpel Friedrich Hölderlin hieß und hierzulande 1978 zum ersten Mal erschienen war – vor allem dieses Werk also hatte seinerzeit doch einiges Rumoren in der germanistischen Landschaft verursacht. Bertaux behauptete doch nichts…

Leipziger Buchmesse 2019, Donnerstag. Oder: Warum ich überzeugt bin, dass die Verantwortlichen der Leipziger Buchmesse schon wieder bereuen, jemals Blogger eingeladen zu haben

Man wird alt, habe ich festgestellt. Tatsächlich bin ich schon gestern zur Leipziger Buchmesse angereist; aber dieses Jahr verspürte ich keinerlei Bedürfnis, meine Anreise in einem separaten Blogeintrag zu schildern. (Es hat sich diesmal auch absolut nichts Verzeichnenswürdiges ereignet.) Nun bin ich also schon mehr als einen Tag hier in Leipzig und habe sogar meinen…

Oswald Spengler: Ich beneide jeden, der lebt. Die Aufzeichnungen »Eis heauton« aus dem Nachlaß

Fragmente einer Autobiografie: Schon zur Zeit der Niederschrift von Der Untergang des Abendlandes verfasste Oswald Spengler immer wieder kürzere oder längere Notizen, die er mit der Überschrift Autobiographie oder eben Eis heauton (was ungefähr so viel heisst wie: an mich selber) versah. Als ob, wie es Merlio in seinem Nachwort zu diesem Buch formuliert, Spengler…

Walter Schübler: Anton Kuh. Biographie

Biographie. Nicht: Eine Biographie. Nicht: Die Biographie. Obwohl vor allem letzteres durchaus zutrifft, denn die vorliegenden 575 Seiten Walter Schüblers stellen tatsächlich die Kuh-Biographie dar – nur schon weil sie die einzige Biographie darstellen, die bisher über Anton Kuh geschrieben wurde. Erschienen ist diese Biografie 2018 im Wallstein-Verlag. Anton Kuh existiert meist nur als Fussnote…

Patrick Leigh Fermor: Die Zeit der Gaben. Zu Fuß nach Konstantinopel: Von Hoek van Holland an die mittlere Donau. Der Reise erster Teil

Ganze 18 Jahre alt war Fermor, als er zu seiner grossen Fussreise quer durch Europa von Hoek van Holland bis nach Konstantinopel (Istanbul) aufbrach. Ganze 18 Jahre alt, aber schon von sich und seinem Leben degoutiert. So war diese Reise auch eine Art Selbstheilungs- oder Selbstfindungstrip – allerdings ohne, dass er grosses esoterisches Gedöns darum…

Otto Basil: Wenn das der Führer wüsste

Otto Basil ist ein heute weitgehend vergessener, einstmals recht bekannter österreichischer Schriftsteller, der allerdings eher durch seine Herausgeberschaft der Literaturzeitschrift “PLAN” als auch als Publizist und Literaturkritiker bekannt wurde. Sein einziger, hier vorliegender Roman, war bei seinem Erscheinen 1966 ein veritabler Erfolg, geriet aber bald darauf in Vergessenheit und wurde 2010 wieder aufgelegt: Von einer…

Elie Wiesel: Night [dt.: Die Nacht / OT: La nuit]

1941: Eliezer Wiesel war 13 Jahre alt und zutiefst fromm. Er lebte bis dahin ein behütetes Leben im Städtchen Sighet in Siebenbürgen und träumte davon, Rabbi zu werden und mit einem Kabbala-Lehrer sich in die Geheimnisse dieses Werks zu vertiefen und Gott noch näher zu kommen. Sein Vater Shlomo, zwar ebenfalls sehr fromm und eine…

Christina Wessely: Welteis

Die Welteislehre ist ein seltsames Pflänzchen, eine kosmologische Theorie, die im Grunde der Erwähnung nicht wert ist und als eine von vielen seltsamen Erscheinungen abgetan werden könnte. Wenn sie nicht zum einen durch die höchsten Vertreter des Nationalsozialismus geadelt worden wäre (Hitler und Himmler war bekennende Anhänger), obwohl gerade dies nach 1945 ihr fast augenblickliches…

Joseph Maria Bochenski: Europäische Philosophie der Gegenwart

Ein mehr als zweifelhaftes Lesevergnügen. Nun kann man – mit Recht – fragen, warum ich die Philosophiegeschichte eines Dominikaners lese und ob damit dieses Missvergnügen nicht vorprogrammiert war? Ein Einwurf, der seine Berechtigung hat und auf den ich nur erwidern kann, dass ich Bochenskis Buch über die “zeitgenössischen Denkmethoden” in recht guter Erinnerung hatte und…

Frans de Waal: Der Affe und der Sushimeister

Die Bemühungen, das Besondere des Menschseins zu definieren haben immer auch damit zu tun, ihn, den Menschen, aus dem Tierreich herauszuheben, mit einem göttlichen, später einem kulturellen Funken auszustatten. Denn wenn die Geschichte vom Ebenbild Gottes mittlerweile auch lächerlich anmutet, so ist das Bedürfnis nach dem Besonderen keineswegs verschwunden und es müssen abstrakte Dinge wie…