Walter Kappacher: Morgen

In mehreren, parallel verlaufenden Erzählsträngen wird das Leben eines jungen Mannes geschildert, der sich seinen Unterhalt in einer Werbeagentur verdient. Und der davon träumt, diese Pflichten abschütteln zu können, um sich auf das Wesentliche und Wichtige konzentrieren zu können. Aber schon an den Wochenenden, während des Urlaubs (oder aber während eines Krankenstandes) spürt er die…

Arno Geiger: Unter der Drachenwand

Veit Kolbe wird Ende 1943 an der Ostfront verwundet und kehrt in die Heimat zurück. Doch Wien, seine Eltern sind ihm fremd, fast unerträglich, seines Vaters Gerede vom heldenhaften Kampf erscheinen ihm nach all dem Erlebten unzumutbar und er bemüht sich um einen Aufenthalt auf dem Land, bei seinem Onkel in Mondsee (Salzburg). Dort trift…

Wolf Haas: Verteidigung der Missionarsstellung

Haas ist vor allem mit seinen “Brenner-Krimis” bekannt geworden (bzw. mit deren ausgezeichneten Verfilmungen mit Josef Hader in der Hauptrolle). Das war vielleicht nicht “große” Literatur (was denn überhaupt erst zu definieren wäre), aber es war gute Unterhaltung und somit sehr viel mehr als in vielen, vielleicht den allermeisten Fällen. Hier ist es ähnlich, wobei…

Otto Basil: Wenn das der Führer wüsste

Otto Basil ist ein heute weitgehend vergessener, einstmals recht bekannter österreichischer Schriftsteller, der allerdings eher durch seine Herausgeberschaft der Literaturzeitschrift “PLAN” als auch als Publizist und Literaturkritiker bekannt wurde. Sein einziger, hier vorliegender Roman, war bei seinem Erscheinen 1966 ein veritabler Erfolg, geriet aber bald darauf in Vergessenheit und wurde 2010 wieder aufgelegt: Von einer…

Klaus Nüchtern: Kontinent Doderer. Eine Durchquerung

Eigentlich mache ich seit vielen Jahre einen weiten Bogen um Bücher von Literaturkritikern (oder den bestallten akademischen Entsprechungen), weil mich diese Form der Analyse langweilt, auch abstoßt: Wenn etwa, wie auch in diesem Buch zitiert, Wendelin Schmidt-Dengler zur Erhellung des Dodererschen Werkes Wortformen zählt oder Henner Löffler die Häufigkeit der Erwähnung stehender Gewässer im Gesamtwerk…

Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil

Der Autor berichtet auf eindrucksvolle Weise von der schleichenden Demenzerkrankung seines Vaters, seinem langsamen Vergessen, seiner Welt-Entrückung. Was anfangs wie eine neue Eigenheit wirkt, wird mit der Zeit zu einem Problem der ganzen Familie; aber es ergeben sich auch neue Facetten in der Persönlichkeit des alten Mannes, die das Zusammenleben so anstrengend wie auch (manchmal)…

Franzobel: Lusthaus oder die Schule der Gemeinheit

Dies ist einer der früheren Romane Franzobels (im Gegensatz zum “Floß der Medusa”), was man – leider – auch merkt. Denn die Geschichte um einen der auszog, um das “gemein sein” zu lernen, wirkt allzu bemüht, wie Pennälerhumor, dessen Verkünder die anstrengende hormonelle Umstellung noch nicht allzu lang hinter sich gelassen haben. Es handelt sich…

Robert Seethaler: Das Feld

Reminiszenzen aus dem Grab: Verstorbene berichten von ihrem Leben in Paulstadt, einem kleinen Ort in Deutschland (Österreich? – überall?), sie erzählen von ihrem Leben, ihrem Scheitern, ihren Erfolgen. Langsam wird daraus ein kleinstädtisches Panorama, werden Verbindungen sichtbar, Tragödien, die kleinen Verzweiflungen und Schicksalsschläge, die im Leben derer, die da erzählen, die Welt bedeuteten. Ich habe…

David Schalko: Schwere Knochen

Die “Erdberger Spedition” hat sich auf Einbrüche spezialisiert: Und ihrem Namen entsprechend werden nicht nur Wertgegenstände entwendet, sondern ganze Wohnungen leergeräumt. Was sich als einträgliches Geschäft entpuppt, bis die Gruppe am Tag von Hitlers Heldenplatzrede die Wohnung des “Nazi-Huber” ausrauben (den sie zu Recht unter der jubelnden Menge vermuten). Dieser aber setzt alle Hebel in…

Franzobel: Das Floß der Medusa

Franzobel ist ein in Österreich recht bekannter Schriftsteller, Bachmann-Preisträger, hat zahlreiche Theaterstücke, Kurzprosa und auch Lyrik verfasst und ist eine Art “bunter Hund” in der literarischen Welt. Gerade dies machte mich nicht neugierig auf sein Werk, zuviel Außendarstellung und aufgesetzt Ungewöhnliches – und wer sich selbst als “Querdenker” apostrophiert, muss mit meiner Skepsis rechnen: Derlei…