Michel Layaz: Louis Soutter, sehr wahrscheinlich [Louis Soutter, probablement]

Louis Soutter existierte wirklich, nicht nur sehr wahrscheinlich. (Im französischen Original heißt es nur „wahrscheinlich“ (probablement); ich vermute, dass die Übersetzerin, Yla M. von Dach, das Wörtchen „sehr“ eingefügt hat, um den Rhythmus des Französischen beizubehalten – was mich in Bezug auf die sehr melodiöse Sprache dieses biografischen Romans beruhigt: Sie stammt offenbar vom Autor…

Robert Musil: In Zeitungen und Zeitschriften I. Unselbständige Veröffentlichungen 1898-1922

Irgendjemand scheint dem Herausgeber dieser Gesamtausgabe gesteckt zu haben, dass Buchtitel wie In Zeitungen und Zeitschriften doch etwas gar Kindliches an sich haben. Nur so kann ich mir erklären, dass Band 9 den Titel ein wenig variiert; wohl, um ihn akzeptabler, ‘erwachsener’ wirken zu lassen. Auf dem Schutzumschlag finden wir zwar noch immer In Zeitungen…

Regina Dieterle: «Zu sehr emancipirt»

Was haben Gottfried Keller und Theodor Fontane mit dem Schicksal der einzigen Tochter des Schweizer Eisenbahnkönigs Alfred Escher zu tun? Nun, direkt eigentlich gar nichts; indirekt aber dann doch so einiges. Und damit meine ich nicht den Umstand, dass die Autorin der vorliegenden Biografie, Regina Dieterle, von 2010 bis 2014 Vorsitzende der Theodor Fontane Gesellschaft…

Ist das Kunst oder kann das weg?

Wer in diesen Tagen den Bahnhof Biel in Richtung Bahnhofplatz verlässt, wird sich unter Umständen obige Frage stellen. Das heißt, wer das zum ersten Mal tut, wird zunächst wohl andere Fragen haben. So ging es jedenfalls mir, als ich neulich in Biel war. Draußen vor dem Bahnhofsgebäude sieht man nämlich, wenn man in der Vorhalle…

Wilhelm Waiblinger: Friedrich Hölderlins Leben, Dichtung und Wahnsinn

Gelesen in folgender Ausgabe: Wilhelm Waiblinger: Friedrich Hölderlins Leben, Dichtung und Wahnsinn. Mit einer Einleitung von Kurt Oesterle sowie zusätzlichen Quellen und Materialien. Tübingen: Klöpfel & Meyer, 2017 Die zusätzlichen Quellen und Materialien bestehen vor allem aus Tagebucheinträgen Waiblingers, die er anlässlich seiner Besuche bei Hölderlin niedergeschrieben hat. Verlag und Herausgeber taten gut daran, den…

Perikles Monioudis: Robert Walser

Robert Walser wird in unserm Blog leider sträflich vernachlässigt. Das liegt, zumindest, was mich betrifft, keineswegs daran, dass ich Walsers literarische Qualitäten gering schätzte. Sondern ganz einfach daran, dass sich mir in den letzten Jahren kaum Anlässe boten, mich wieder mit diesem Schweizer Autor zu beschäftigen. Nun aber bin ich letzthin auf eine Buchempfehlung der…

Markus Werner: Zündels Abgang

Werners Erstling, mit dem er 1984 den sofortigen Durchbruch schaffte. Zündels Abgang wirkt im Vergleich zu seinem allerletzten Roman, Am Hang, noch etwas roh und ungeschliffen. Aber auch wenn zwischen den beiden Romanen nur fünf andere liegen, so liegen doch 30 Jahre dazwischen. Insofern darf dieser Erstling ruhig noch etwas roh sein; seinen sofortigen Ruhm…

Lukas Bärfuss: Stil und Moral

Bei Stil und Moral handelt es sich um eine Sammlung – zum Teil bereits woanders publizierter und für diese Ausgabe überarbeiteter – Essays des Schweizer Autors Lukas Bärfuss (*1971). Bärfuss gilt – zumindest dem hiesigen Feuilleton – als der neue Frisch oder Dürrenmatt des (politischen) Essays. Das mag so sein; allerdings ist der Generationenunterschied unübersehbar….

Michael Weingarten: Sterben (bioethisch)

Ein mehr als seltsames Buch, das meine Erwartungen (die von der Tatsache, dass es sich bei dem Autor um einen Biologen und Philosophen handelt, geprägt waren) so ganz und gar nicht erfüllt hat. Das allein müsste nun kein negatives Urteil nach sich ziehen (siehe hier), im vorliegenden Fall aber kann man doch von einer mittleren…

Hermann Burger: Ein Mann aus Wörtern / Als Autor auf der Stör

‘Tutti Frutti’ nennt man hierzulande eine Mischung aus verschiedenen Dörrfrüchten und eventuell noch verschiedenen Nüssen, verpackt in handliche Plastik-Tütchen. Eine beliebte Zwischenverpflegung und Stärkung auf Wanderungen und Schulreisen. ‘Tutti Frutti’ möchte ich auch den vorliegenden 7. Band der Burger-Werkausgabe nennen. Die Herausgeber der Werkausgabe sind unschuldig; Hermann Burger hat die Texte selber so zusammengestellt und…