Richard Saage: Politische Utopien der Neuzeit

Es bereitet mir gerade etwas Mühe, viel Gescheites zu diesem Buch zu sagen. Richard Saages Politische Utopien der Neuzeit ist 1990 zum ersten Mal erschienen. (Es gibt eine zweite Auflage aus dem Jahr 2000; dort wurde aber meines Wissens nur das Vorwort erweitert mit ein paar Antworten auf die Kritiken am Buch. Vor mir liegt…

Tommaso Campanella: Sonnenstaat [La Città del Sole / Civitas Solis]

Campanellas Utopie findet man in der Rezeptionsgeschichte – wo sie denn überhaupt rezipiert wird – auch sinngemäß als „Produkt einer überhitzten Phantasie eines Mönchs“ apostrophiert. Damit wird angespielt auf den Umstand, dass Campanella ein Dominikaner war, der nach einer gescheiterten Revolte, an der er sich beteiligt hatte, lange Zeit im Kerker saß und offenbar auch…

Johann Karl Wezel: Herrmann und Ulrike

Wieland meinte bei dessen Erscheinen 1780 zu Herrmann und Ulrike: Der beste Roman, der mir jemals vor Augen gekommen. Leider äußerte er diese Ansicht nur privat; gegen außen, z.B. in seinem Teutschen Merkur schwieg er. Was daran lag, der er sich vier Jahre zuvor, beim Erscheinen von Belphegor, mit Wezel, seinem ehemaligen Protégé, verkracht hatte….

Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais: Briefe ohne Nadeln

Beaumarchais war der Mann zwischen zwei Stühlen. Manchmal setzte er sich absichtlich dazwischen, ebenso oft aber nicht. Aus bürgerlichem Hause (sein Vater war Uhrmacher, ein Beruf, den auch Beaumarchais ausübte) wurde er von Ludwig XV. geadelt. Er war Hofbeamter, fiel in Ungnade, konnte sich rehabilitieren, indem er als französischer Agent in London eine Schmähschrift gegen…

Paul-Henri Thiry d’Holbach: Système social ou Principes naturels de la Morale & de la Politique avec un examen de l’Influence du Gouvernement sur les Mœurs

Système social – Gesellschaftssystem. Wie viele Schriften Holbachs ist auch diese (1773) anonym erschienen. Ich weiss nicht, auf Grund welcher Argumente sie ihm von wem zugeschrieben worden ist; m.W. hat man in Holbachs Nachlass keine Liste gefunden mit den von ihm veröffentlichten Werken. Système social beginnt in einem einigermassen ‘philosophischen’ Ton, indem Holbach im ersten…

Gottfried Wilhelm Leibniz / Kurfürstin Sophie von Hannover: Briefwechsel

Beinahe 35 Jahre, von 1680 bis 1714, standen die Landesherrin und ihr Untertan in regelmässigem Briefwechsel. Worüber liessen sich denn die beiden – meist in höfischem Französisch – so intensiv aus? Die Antwort ist verblüffend einfach, weil verblüffend: über Familiäres. Allerdings etwas einseitig: Leibniz’ private Umstände kamen ein einziges Mal zur Sprache, als eine seiner…

Jo Leinen / Andreas Bummel: Das demokratische Weltparlament

Untertitel: Eine kosmopolitische Vision. Das Buch beginnt mit einer Art Geschichte kosmopolitischer Ansätze im Denken der Menschheit. Da werden, schon fast klassisch-philosophiegeschichtlich, die Ideen eines Gesellschaftsvertrages im alten Griechenland, in Indien oder China, bei Hobbes oder Locke, bei Wolff oder Kant, vorgestellt, ohne allerdings sehr in die Tiefe zu gehen, ohne viel mehr zu liefern…

Thomas Hobbes: Leviathan

Homo homini lupus – diesen auf Plautus’ lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit [Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, nicht ein Mensch, wenn man sich nicht kennt] zurückgehenden Satz zitiert Thomas Hobbes in seinem Leviathan bekanntlich nicht. Aber er ist die Grundlage seines politischen Denkens. Im Leviathan führt Hobbes…

Johann Gottlieb Fichte: Werke V

Wenn wir es genau nehmen, ist Fichte schon seit längerem in der Öffentlichkeit nicht mehr als Philosoph tätig. Zwar lehrt er immer noch (bzw. schon wieder) – mittlerweile an der neu gegründeten Universität Berlin. Doch gegenüber dem breiten Publikum hält er seine philosophischen Werke zurück. Er fühlt sich in der und von der breiten Öffentlichkeit…

Christoph Martin Wieland: Der goldne Spiegel oder die Könige von Scheschian. Eine wahre Geschichte aus dem Scheschianischen übersetzt.

Dieser Text – er füllt die Bände 6 und 7 der Sämmtlichen Werke – stellt gewissermassen den Nukleus der Weimarer Klassik dar. Denn der Goldne Spiegel war es, der die Aufmerksamkeit von Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach auf den Philosophie-Professor zu Erfurt lenkte und sie praktisch nach dessen Erscheinen (1772) bewog, den doch schon fast 40-Jährigen…