Franz Lehár: Das Land des Lächelns

Operetten ohne Happy Ending sind relativ selten. Die Homepage des Opernhauses Zürich spricht gar von einem tragischen Ende für Das Land des Lächelns. Aber das eine (heute leider üblich gewordene) hyperbolisch-erweiterte Verwendung des Begriffs „tragisch“. Das Land des Lächelns endet traurig insofern, als die beiden Liebenden, Prinz Sou-Chong und Lisa, nicht zu einander finden. Man…

Philip K. Dick: Do Androids Dream of Electric Sheep? [Träumen Androiden von elektrischen Schafen? / a.k.a.: Blade Runner]

San Francisco, im Jahre 19921): Die Erde ist nach einem Atomkrieg kaum mehr bewohnbar. Hohe Strahlenwerte führen (oft, aber offenbar nicht immer) zu einer Degeneration des menschlichen Gehirns. Solche Fälle kommen vor, und diese Menschen werden als ‘Spezialfälle’ deklariert. Ebenso sind praktisch alle wild lebenden Tiere ausgestorben; ein lebendiges Tier halten zu können, ist zu…

Robert van Gulik: Wunder in Pu-yang? [The Chinese Bell Murders]

Richter Di, der Protagonist der Kriminalromane Robert van Guliks, ist eine historische Persönlichkeit. Er hiess Di Jen-dsiä, lebte von 630 bis 700 u.Z., also zu Beginn der sog. Tang-Dynastie und machte tatsächlich, wie in den Romanen beschrieben, Karriere im chinesischen Justiz-Apparat – vom einfachen Bezirksrichter zum Präsidenten des obersten Gerichtshofs. Robert van Gulik hat dem…

Die Reise in den Westen

Grob gesagt, kann man diesen Text auf zwei Arten lesen: 1) Da ist zuerst die Lektüre als philosophisch-religiöse Anleitung zu einem besseren Leben. (Eine scharfe Trennung zwischen Philosophie und Religion war in China nicht gegeben.) Allegorisch wird in Begriffen des traditionellen chinesischen Glaubens mit der Reise des Mönchs Xuansang der Weg der Läuterung beschrieben. Xuansang,…

Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. 4. Band: Drittes Buch: Aufklärung – Große Revolution (12. bis 14. Abschnitt) / Viertes Buch: Die letzten hundert Jahre – Reaktion – Materialismus – Gottlose Mystik

Mehr Literatur- als Philosophiegeschichte: der vierte und abschliessende Band von Fritz Mauthners Geschichte des Atheismus. Als allererstes wendet sich der Autor gegen die Vertreter eines stinkenden Lichts (einer pervertierten Aufklärung). Die Dunkelmänner, die er meint, sind vorwiegend Vertreter der Romantik, die sich ebenso auf Voltaire oder Rousseau berufen, wie die Aufklärer selber. Aber auch Mendelssohn…

Gerhard Czermak: Problemfall Religion

Der Untertitel des Buches spiegelt seinen Inhalt genau wider: Es ist ein Nachschlagewerk für Religions- und Kirchenkritik, entsprechend strukturiert in übersichtliche Kapitel und versucht einen historisch-kriitischen Überblick zu geben. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den christlichen Religionen, den anderen Weltreligionen werden einzelne kurze Abschnitte gewidmet. Und das alles ist gut und kompetent gemacht: Czermak verfällt…

Gustav Meyrink: Der Kardinal Napellus

Drei Kurzgeschichten, von Jorge Luis Borges für diesen Band seiner Bibliothek von Babel vereint. J. H. Oberreits Besuch bei den Zeitegeln Eine Geschichte über Leben und Tod. Vor allem darüber, wie man richtig leben soll. Des Ich-Erzählers Grossvater, der in hohem Alter erst gestorben ist, hat sich auf sein Grabmal nur das eine Wort vivo…

Ilija Trojanow, Ranjit Hoskoté: Kampfabsage

Dieses Buch ist eine Antwort auf Samuel Huntingtons “Clash of civilizations”, auf die These der sich bekämpfenden Kulturkreise. Es versucht nachzuweisen, dass Kulturen sich keineswegs immer bekämpfen, sondern voneinander lernen, sich befruchten und so zu einer Weiterentwicklung der Kulturen beitragen. Zur Untermauerung dieser These weisen sie auf den kaum zu überschätzenden Einfluss des Islam auf…

Texte zur Theorie der Komik. Hg. v. Helmut Bachmaier. RUB 17656

Nachdenken über das Komische ist bis heute eher eine Ausnahme im philosophisch-ästhetischen Diskurs. Helmut Bachmaier geht in seiner 2005 zum ersten Mal erschienenen Anthologie den Spuren dieses Nachdenkens nach. Auszüge aus wichtigen Werken werden historisch gegliedert. So fällt dem Leser rasch auf, dass es im Grunde genommen – mit Ausnahme des einzigen Jean Paul –…

The Poems of T. S. Eliot. Volume I: Collected and Uncollected Poems

Herausgegeben von Christopher Ricks und Jim McCue. London: Faber & Faber, 2015. Thomas Stearns Eliot gehört zu denen, die den Namen ‘poeta doctus’ wahrlich verdient haben. Und das nicht nur, weil er John Donne und die metaphyischen Poeten des alten England wieder ins Bewusstsein der Literaturkritik und -wissenschaft gerückt hat. Sein Lesevolumen war offenbar riesig….