Niall Ferguson: Der Westen und der Rest der Welt

Niall Ferguson geht der Frage nach, was denn die westliche Welt ab ca. 1500 dazu befähigt habe, die Weltherrschaft zu übernehmen. Warum etwa sind nicht chinesische Seefahrer an den Küsten Europas gelandet, haben Kolonien gegründet und den Einheimischen Handelsbeziehungen aufgezwungen? Welche Vorzüge waren es, die den Westen gegenüber der islamischen Welt einen Vorteil verschafften (während…

Franz Lehár: Das Land des Lächelns

Operetten ohne Happy Ending sind relativ selten. Die Homepage des Opernhauses Zürich spricht gar von einem tragischen Ende für Das Land des Lächelns. Aber das eine (heute leider üblich gewordene) hyperbolisch-erweiterte Verwendung des Begriffs „tragisch“. Das Land des Lächelns endet traurig insofern, als die beiden Liebenden, Prinz Sou-Chong und Lisa, nicht zu einander finden. Man…

›Marginalien… 227. Heft

Gerade noch rechtzeitig vor den Festtagen ist Heft 227 der Marginalien (Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie der Pirckheimer-Gesellschaft) bei mir eingetrudelt. Für mich ein wenig ein Heft des Déjà-vu. Je m’explique. Die m.M.n. wichtigsten Beiträge und Rezensionen: Ein Essay von Ulrich Wannhoff: Expeditionszeichner und der Weg zur freien Kunst über jene Männer, die vor der…

J. G. Ballard: Empire of the Sun [Das Reich der Sonne]

Bei der Lektüre von Empire of the Sun wird man viele Parallelen feststellen zwischen den Erlebnissen von Jim, dem am Anfang des Romans etwa 12 Jahre alten Protagonisten des Romans, und dem Leben von Ballard, dem Autor: Jim wie Ballard sind in Shanghai aufgewachsen als Sohn eines britischen Expat, der dort in der Ausländer-Kolonie lebte….

Robert van Gulik: Wunder in Pu-yang? [The Chinese Bell Murders]

Richter Di, der Protagonist der Kriminalromane Robert van Guliks, ist eine historische Persönlichkeit. Er hiess Di Jen-dsiä, lebte von 630 bis 700 u.Z., also zu Beginn der sog. Tang-Dynastie und machte tatsächlich, wie in den Romanen beschrieben, Karriere im chinesischen Justiz-Apparat – vom einfachen Bezirksrichter zum Präsidenten des obersten Gerichtshofs. Robert van Gulik hat dem…

Rudyard Kipling: Von Ozean zu Ozean. Unterwegs in Indien, Asien und Amerika [From Sea to Sea and Other Sketches: Letters of Travel 1887-1889]

Der 22 Jahre alte Rudyard Kipling, als Journalist für verschiedene englischsprachige Zeitungen auf dem indischen Subkontinent tätig, hatte, wie man so schön sagt, die Schnauze voll von seinem Job. So kam ihm das Angebot, über eine Reise durch Indien in einer dieser Zeitungen zu berichten (wofür er bezahlt werden sollte), gerade recht. Im November 1887…

Chiara Frugoni: Inventions of the Middle Ages [a.k.a.: Book, Banks, Buttons and Other Inventions from the Middle Ages / dt.: Das Mittelalter auf der Nase: Brillen, Bücher, Bankgeschäfte und andere Erfindungen des Mittelalters / OT: Medievo sul naso: Ochiali, Bottoni e altre invenzioni medievali]

Erklärtes Ziel dieses 2001 auf Italienisch erschienenen Buches ist es, mit dem Vorurteil des ‘finsteren Mittelalter’ aufzuräumen. Chiara Frugoni ist Historikerin mit dem Spezialgebiet ‘Mittelalter’, sollte also wie keine zweite dafür prädestiniert sein, so ein Buch schreiben zu können. Tatsächlich ist die Menge der von ihr aufgeführten Erfindungen des Mittelalters stupend 1) – vieles von…

Sven Hedin: Durch Asiens Wüsten. Drei Jahre auf neuen Wegen zwischen Pamir, Tibet und China. 1893-1895

Nach nunmehr dem dritten Buch aus der edition erdmann im Marix-Verlag muss ich definitiv jeden vor diesen Büchern warnen, der von neu herausgegebener alter Reiseliteratur eine minimale editorische Sorgfalt erwartet. Bougainvilles Bericht enthält ein schludriges Vorwort mit Falschinformationen; Wallace’ Reise- und Forschungsbericht bibliografiert mangelhaft und ist unsorgfältig mit einer OCR-Engine eingelesen, aber nicht von Menschenauge…

Ibn Battutah

Ibn Battuta, manchmal auch mit ‘h’ am Schluss geschrieben, mit vollem Namen ʾAbū ʿAbd al-Lāh Muḥammad ibn ʿAbd al-Lāh l-Lawātī ṭ-Ṭanǧī ibn Baṭūṭah (أبو عبد الله محمد بن عبد الله اللواتي الطنجي بن بطوطة‎ ), ist für die arabische Welt, was Marco Polo für die europäische ist: der grosse Welt- und Forschungsreisende. Ibn Battutah lebte…

Mo Yan: Der Überdruss

Es kommt selten vor, dass ich die Empfänger eines – irgendeines – Literaturpreises lese. Wenn, dann endet das meist in einer Enttäuschung, weil die Kriterien für gute Literatur einer Jury selten mit den meinen übereinstimmen. Nun gar der Nobelpreis, dessen Kriterium ja in erster Linie nicht einmal unbedingt literarische Qualität in irgendeiner Form ist. Erste…