Jorge Luis Borges: 25. August 1983 und andere Erzählungen

Normalerweise werden die Bände der Bibliothek von Babel immer mit einem Vorwort des Herausgebers Jorge Luis Borges eingeleitet. Das ist hier nicht der Fall. Hier stammt es von Martin Gregor-Delling; viel wichtiger und interessanter als diese Einleitung ist aber das am Schluss folgende Interview, das María Esther Vázquez mit Borges geführt hat (Borges gleich Borges),…

Sarah Bakewell: Das Café der Existenzialisten

Ich gehe mit Sandhofers Einschätzung dieses Buches weitgehend konform: Eine gut geschriebene, anekdotenreiche Philosophiegeschichte, der es auf eindrucksvolle Weise gelingt, die oft sperrigen Inhalte der Existenzialisten klar darzustellen, ohne dabei unzulässig zu verkürzen oder zu vereinfachen. Wobei auch die zweifelhaften Züge der “mitwirkenden” Philosophen nicht unter den Tisch gekehrt werden, Heideggers Nationalsozialismus wird ebenso erwähnt…

Alberto Manguel: Eine Geschichte des Lesens

Eine “Geschichte des Lesens” muss für jeden Bücherliebhaber anziehend wirken. Denn man hat die Gewissheit, dass da vieles erzählt wird, was man aus eigener Erfahrung zu kennen glaubt, dass ein solches Buch unzählige Anregungen zu vermitteln vermag und man von zahlreichen kulturhistorischen Anekdoten unterhalten wird. Leider kann das Werk von Alberto Manguel diesen Anspruch nicht…

Sarah Bakewell: Das Café der Existenzialisten. Freiheit, Sein und Aprikosencocktails

Halb Philosophiegeschichte, halb (Mehrfach-)Biografie, stellt Sarah Bakewells Buch das Entstehen und Vergehen der existenzialistischen Bewegung dar. Es fehlen auch romanhaft-reisserische Momente nicht, so, wenn zum Beispiel die Rettung (fast des ganzen) Nachlasses von Edmund Husserl durch die Universität Löwen geschildert wird. Im Zentrum der Darstellung stehen die französischen Existenzialisten, allen voran Jean-Paul Sartre und Simone…

Svetlana A. Aleksievic: Secondhand-Zeit

Eines der beeindruckendsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, ein Glücksfall, angesiedelt zwischen konziser journalistischer Beobachtungsgabe und behutsamer sprachlicher Ausgestaltung, in dem Aleksievic die Schicksale völlig unterschiedlicher Personen in den post-sowjetischen Zeiten zwischen 1990 und 2010 dokumentiert. Ich habe aus diesem Buch sehr viel mehr erfahren und verstanden als etwa durch Schmids…

Werner Kinnebrock: Kein Wissen ohne Glaube. Oder: Warum es unmöglich ist, nichts zu glauben

Das hat man davon, wenn man sich an der Leipziger Buchmesse als Blogger zu erkennen gibt. Ich wurde nämlich von einer netten Dame angeredet, ob sie mir nicht das neueste Buch aus ihrem Verlag für eine Rezension schicken dürfe. Ein Buch darüber, dass es unmöglich sei, nichts zu glauben. Ein evangelischer Verlag also (claudius); und…

«Züri littéraire» vom 5. Oktober 2015. Gäste: Lukas Bärfuss & Melinda Nadj Abonji

Gastgeber: Mona Vetsch und Röbi Koller. «Züri littéraire» nennt sich eine monatlich stattfindende Veranstaltung im ‘Kaufleuten’, die den Untertitel Der monatliche Live-Literaturclub trägt. Die Ähnlichkeit dieser Bezeichnung mit dem ‘offiziellen’ Literaturclub des Schweizer Fernsehens ist sicher vom Marketing der Kaufleuten-Veranstaltung gewollt, genau wie die Tatsache, dass der Kaufleuten-Literaturclub von zwei Personen geleitet wird, die der…

Stefano D’Arrigo: Horcynus Orca

Offen gesagt, kann ich nicht nachvollziehen, wie es all den Feuilletons möglich war, schon kürzeste Zeit nach dem Erscheinen der deutschen Übersetzung von Horcynus Orca das Buch zu besprechen. Ich halte mich für keinen unerfahrenen Leser; um von den Romanen und Epen früherer Zeiten, von Homer und Dante, von Firdausi bis Luo Guanzhong, von Cervantes…

Stefan Bachmann: Die Seltsamen [The Peculiar]

Stefan Bachmann (* 1993) gilt als Wunderkind der US-amerikanischen Fantasy-Szene. Der US-Schweizer Doppelbürger lebte bis zu seinem 10. Altersjahr in den USA, seither in der Schweiz. Er besuchte hier keine Schule, sondern wurde zu Hause von seiner Mutter geschult. Allerdings studiert er seit geraumer Zeit am Konservatorium Zürich, u.a. Komposition. Mit 16 begann er vorliegenden…

Hermann Burger: Essays und Preis-Reden / Die allmähliche Verfertigung der Idee beim Schreiben / Tractatus logico-suicidalis

Essays Dieser Teil des achten und letzten Bandes der Burger-Werkausgabe beinhaltet Texte von Burger über sein eigenes Schreiben. Es handelt sich zum Teil um sehr frühe Aufsätze (noch aus Burgers Zeit als Germanistik-Student). Es fällt auf, dass schon der Student dem Literaturbetrieb, dem Literaturwissenschafter sehr kritisch gegenüber steht. In vieler Hinsicht ist Burger noch (wieder?)…