Christopher Frayling: Vampyres

Vampire… Seit jenem in der Literaturgeschichte zu einem magischen Moment gewordenen Tagen im verregneten, nass-kalten Sommer 1816 – jenem Sommer, ‘der kein Sommer war’ –, als die vier Freunde Byron, Shelley, Mary Wollstonecraft und John Polidori in der Villa Diodati am Ufer des Genfersees zusammenkamen und beschlossen, sich gegenseitig Gruselgeschichten zu erzählen, sind diese blutsaugenden…

Vincent van Gogh: Letters [Briefe]

Vincent van Goghs Mitteilungsbedürfnis muss ungeheuer gewesen sein. Er konnte – wenn er jemanden mochte und zu ihm Vertrauen gefasst hatte – stundenlang auf diesen Jemand einquatschen. Wenn ihm gerade niemand zur Verfügung stand, griff er zur schriftlichen Kommunikation. Er schrieb Briefe. Seitenlange Briefe. Hauptopfer seiner Kommunikationswut war sein jüngerer Bruder Theo. 902 Briefe sind…

Gustave Flaubert: Universalenzyklopädie der menschlichen Dummheit. Transkribierte Handschriften und Kommentare

Wenn ich das richtig verstehe, stellt der dritte Band des Werkkomplexes rund um Flauberts Bouvard und Pécuchet so etwas wie eine Zusammenstellung der Vorarbeiten zum Inhalt des zweiten Bandes, des Sottisier dar. Vorarbeiten, die allerdings um ein Vielfaches weniger Platz einnehmen, als das Sottisier, was bedeuten müsste, dass Flaubert in seinen Arbeiten für Band 2…

Gustave Flaubert: Universalenzyklopädie der menschlichen Dummheit. Ein Sottisier

Materialiensammlungen, Zettelkästen und Ähnliches kennen wir von so manchem Autor. Arno Schmidt und Jean Paul, um nur die zwei bekanntesten deutschen zu nennen. Auch einigermassen sinnlose Listen und Aufzählungen haben es in die Weltliteratur geschafft – man lese z.B. das Kopfkissenbuch der Sei Shōnagon. Mit all diesem ist Gustave Flauberts Sottisier verwandt. (Während, wenn ich…

Ford Madox Ford: The Good Soldier [Die allertraurigste Geschichte]

1. Auflage: 1915; 2. Auflage: 1927. Ford Madox Ford hat in The Good Soldier etwas zu Stande gebracht, das ich eigentlich für unmöglich gehalten hätte: Er hat nicht nur den absolut unzuverlässigen Ich-Erzähler in die Literaturgeschichte eingeführt – er hat den absolut unzuverlässigen Ich-Erzähler mit dem gleichzeitg eingeführten absolut unzuverlässigen Autor noch übertroffen. Aber der…

Edmond de Goncourt: Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben. 10: 1891-1893

Literarisch gesehen – denn um Erinnerungen aus dem literarischen Leben handelt es sich bei den Goncourt-Tagebüchern ja gemäss deutschem Untertitel – literarisch gesehen also zeichnet sich das Jahr 1891 dadurch aus, dass Edmond de Goncourt die Symbolisten zum ersten Mal als etwas Eigenständiges wahrnimmt. Er sieht in ihnen einerseits eine gegen die ‘Parnassiens’ gerichtete Bewegegung,…

Edmond de Goncourt: Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben. 9: 1889-1890

Allmählich dämmert es Edmonds Freunden, was der alte Mann da treibt. Als erste ist es Mathilde Bonaparte, die ihn bittet, in Zukunft in seinem Tagebuch weggelassen zu werden. Goncourt hat gerade weitere Teile in einem Zeitschriften-Vorabdruck publiziert – diesmal aus der Zeit unmittelbar nach Jules’ Tod, was offenbar jetzt bei seinen Freunden den (zutreffenden!) Verdacht…

Edmond de Goncourt: Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben. 8: 1886-1888

Ähnlich wie der alte Raabe betrachtet sich der alte Edmond de Goncourt seit einiger Zeit als “Romancier a.D.”; ähnlich wie der alte Goethe wird er sich selber historisch. Das macht, dass Edmond seit einiger Zeit nur noch die alten Romane von sich und seinem Bruder wieder auflegt, allerdings mit neuen Vorworten versehen. Diese Vorworte nimmt…

Edmond de Goncourt: Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben. 7: 1881-1885

Das literarische Leben geht auch nach Flauberts Tod weiter. Die Dîners an verschiedenen Orten in unterschiedlicher Zusammensetzung ebenfalls. Allerdings rücken in den hier zusammen gestellten Jahren 1881 bis 1885 diese Dîners in den Hintergrund, ebenso wie der nach wie vor stattfindende Salon einer – gemäss dem Lästermaul Edmond – alternden und über dieses Altern erbosten…

Edmond de Goncourt: Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben. 6: 1873-1880

Edmond, der das Journal seit Jules’ Tod alleine weiterführt, ist darin bedeutend weniger fleissig als sein Bruder. (Es will mir auch scheinen, dass er weniger zynisch, weniger bösartig ist – allerdings immer noch zynisch, immer noch bösartig genug.) So kommt es, dass Band 6 der deutschen Gesamtausgabe gleich acht Jahre (von 1873 bis 1880) abdeckt….