Richard von Schirach: Der Schatten meines Vaters

Richard von Schirach ist der jüngste Sohn von Baldur von Schirach, seines Zeichens Reichsjugendführer und später Reichsstatthalter in Wien, der im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. In diesem Buch erinnert er sich an seinen Vater, an das mehr als seltsame Verhältnis zu ihm während der 20jährigen Haft (der Vater schrieb ihm wöchentlich…

Götz Aly: Europa gegen die Juden 1880 – 1945

Der Autor ist mit zahlreichen Publikationen über die NS-Zeit bzw. über das Judentum an sich an die Öffentlichkeit getreten. In diesem Buch untersucht er die Voraussetzungen, die in Europa schließlich zum Holocaust und der industriellen Ermordung der Juden führte. Dabei wird deutlich, dass der Antisemitismus im angegebenen Zeitraum in praktisch jedem europäischen Land virulent war….

Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten

Das Buch hat bei seinem Erscheinen zu kontroversen Diskussionen geführt: So fanden sich die Deutschen wenig wohlwollend dargestellt (welch Überraschung bei einem Buch über den Holocaust bzw. den Zweiten Weltkrieg), andere hingegen (wie Jorge Semprún) bezeichneten das Buch als “das Ereignis unserer Jahrhunderthälfte”). Das Ausmaß der Diskussionen, Besprechungen etc. hat mich damals (wie so oft…

Elie Wiesel: Night [dt.: Die Nacht / OT: La nuit]

1941: Eliezer Wiesel war 13 Jahre alt und zutiefst fromm. Er lebte bis dahin ein behütetes Leben im Städtchen Sighet in Siebenbürgen und träumte davon, Rabbi zu werden und mit einem Kabbala-Lehrer sich in die Geheimnisse dieses Werks zu vertiefen und Gott noch näher zu kommen. Sein Vater Shlomo, zwar ebenfalls sehr fromm und eine…

Niall Ferguson (Hrsg.): Virtuelle Geschichte

Das Buch besteht aus zwei Teilen: Einer mehr als hunderseitigen Einleitung, in der die Legitimität des Unternehmens zu begründen versucht wird und einem Teil mit kontrafaktischen “Fallgeschichten” des 20. Jahrhunderts – beginnend mit einem England, das sich aus dem Ersten Weltkrieg heraushält und endend mit einer Sowjetunion ohne Gorbatschow. Die höchst umfangreiche Apologie der “virtuellen”…

Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich

Heydrich gilt gemeinhin als Intellektueller, auch als Gehirn Himmlers, der diesem zwar untergeordnet war, aber einen starken geistigen Einfluss auf ihn ausgeübt habe. Und gerade diese Kombination von gutbürgerlicher Herkunft (aus einem höchst musikalischen Elternhaus, sein Vater war Konservatoriumsdirektor und hat Opern verfasst) und seiner Rolle als ein führender Nationalsozialist und Mitinitiator des Holocaust lässt…

Hannes Leidinger: Der Untergang der Habsburger Monarchie

Sandhofer hat sich sehr positiv über dieses Buch geäußert, ähnlich auch Günther Haller in der Presse vom 30. 12. 2017: “Analysen wie diese, die über das rein Kakanische hinausgehen, verschaffen einen großen Erkenntnisgewinn für die Gegenwart. Die österreichische Geschichtserfahrung gewinnt so europäische Relevanz.” Ich kann diese Beurteilungen nur sehr eingeschränkt teilen: Die Einleitung mit der…

Hannes Leidinger: Der Untergang der Habsburgermonarchie

Über die Habsburgermonarchie und deren Untergang schreiben, heisst offenbar auch immer, Musils Mann ohne Eigenschaften zitieren. Auch Hannes Leidinger kann nicht anders, und so finden wir als einleitendes Kapitel von Teil III den Abschnitt Geschichte und Kakanien oder: „Ulrichs Welt“. Allerdings verlässt Leidinger im Verlaufe des Textes die Literatur- oder Kulturgeschichte gänzlich (nur Hofmannsthal und…

Walter Kempowski: Haben Sie davon gewußt?

Es ist diese Frage, die meine Generation bisweilen gestellt hat: Allerdings hat man mir zumeist weniger ausführlich geantwortet, hat zumeist darauf verwiesen, dass die Spätgeborenen dies nicht zu verstehen in der Lage wären. Das mag teilweise richtig sein, aber das Verständnis hätte sich vielleicht eingestellt, wenn darüber gesprochen worden wäre. Die Frage Kempowskis zielt auf…

Walter Kempowski: Haben Sie Hitler gesehen?

Rund 250 Antworten auf die Titelfrage – und die Aussagen sind verräterisch, gerade weil diese Frage eigentlich unverfänglich ist. Denn Hitler zu sehen ist denn wohl harmlos, auf einer Parade, bei einer Eröffnung oder bei einem der zahlreichen Aufmärsche. Und so wirken viele der Befragten, die mit “ja” antworteten, so, als ob sie sich gleich…