Christopher Frayling: Vampyres

Vampire… Seit jenem in der Literaturgeschichte zu einem magischen Moment gewordenen Tagen im verregneten, nass-kalten Sommer 1816 – jenem Sommer, ‘der kein Sommer war’ –, als die vier Freunde Byron, Shelley, Mary Wollstonecraft und John Polidori in der Villa Diodati am Ufer des Genfersees zusammenkamen und beschlossen, sich gegenseitig Gruselgeschichten zu erzählen, sind diese blutsaugenden…

Byron’s Letters and Journals

A New Selection. From Leslie A. Marchand’s twelve-volume edition. Edited by Richard Lansdown. Oxford: Oxford University Press, 2015. Eine Auswahl also aus Lord Byrons Briefen und Tagebüchern. Ich habe es schon ein paar Mal gesagt und geschrieben: Eine gut gemachte Brief-Edition ersetzt ohne weiteres eine Biografie. Das gilt auch für diese Auswahl-Ausgabe. Hervorragend editiert und…

Michail Bulgakow: Das hündische Herz

Aus der Tatsache, dass Bulgakows Das hündische Herz 1925 von der Zensurbehörde zurückgewiesen wurde, zu folgern, dass wir es hier mit einer Satire auf die Zustände der noch jungen Sowjetunion zu tun haben, ist soweit richtig. Daraus zu folgern, dass wir es nur mit einer Satire auf die junge UdSSR zu tun haben, wäre aber…

Robert Louis Stevenson: Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde

Auf den Inhalt von Dr. Jekyll & Mr. Hyde brauche ich wohl nicht einzugehen – der ist bekannt. 1886 zum ersten Mal erschienen, teilt dieser Roman mit Mary Shelleys Frankenstein das Schicksal, heute vorwiegend als Horror-Geschichte rezipiert zu werden. In beiden Fällen sind wohl die verschiedenen Adaptionen durch Funk, Film und Fernsehen in hohem Masse…

Richard Holmes: The Age of Wonder. How the Romantic Generation Discovered the Beauty & Terror of Science

Richard Holmes ist in seiner Heimat Grossbritannien bekannt als Verfasser von populärwissenschaftlichen Büchern zur Geschichte der Naturwissenschaften an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, sowie als Verfasser von Biografien zu den grossen englischen Romantikern Coleridge und Shelley. In diesem Buch vereinigt er beide Themen. Holmes geht chronologisch vor und beginnt mit der ersten Weltumsegelung…

Thomas Robert Malthus: An Essay on the Principle of Population as it Affects the Future Improvement of Society with Remarks on the Speculations of Mr Godwin, M. Condorcet, and other writers [Das Bevölkerungsgesetz]

Gelesen in der Version von 1798; Oxford University Press, 2008. Malthus gilt als erster Vertreter der klassischen politischen Ökonomie, dieses Werk als dessen erster Ausdruck. Veranlassung dazu war ein in England geplantes Gesetz zur öffentlichen Unterstützung der Armen, bzw. eine Diskussion unter Freunden darüber, bei der Malthus merkte, dass er seine Gedanken zum Thema nicht…

Lord Byrons Lyrik – betrachtet anhand ausgewählter Beispiele

Trotz des nach einer gelehrten Abhandlung klingenden Titels ist dies eine eher persönliche Betrachtung, mehr eine Schilderung einer Lese-Erfahrung denn literarische Analyse. Byron habe ich zum letzten Mal vor ca. 15 oder 20 Jahren gelesen. Ich hatte seine Lyrik als frisch und gewagt in Erinnerung, als schwer verständlich auch, weil stark autobiografisch bezogen und motiviert….

Vom antiken Orakel zur Wissenschaft

Seine / eine Zukunft gestalten, heisst immer auch: Seine Zukunft vorhersehen. Jede Planung ist der Versuch eines Vorhersehens dessen, was kommen wird. Schon früh wohl wurde in der Menschheit der Wunsch laut, diesen Versuchen eine einigermassen verlässliche Basis zu geben. Was lag da näher als den Gott oder einen Gott zu befragen? Nachdem Gott im…

Mary Shelley: The Last Man [Der letzte Mensch]

Falls die Damen und Herren der WHO je wieder auf den Gedanken verfallen sollten, eine Pandemie ausrufen zu wollen, würde ich ihnen die vorgängige Lektüre dieses Romans der englischen Romantikerin Mary Shelley von 1826 empfehlen. Denn “Pandemie”, wenn es so etwas gibt, müsste aussehen, wie von Mary Shelley imaginiert. In ihrem Roman The Last Man…

Mary Shelley: The Dream [Der Traum]

Hier haben wir eine Autorin, die offenbar ‘kurz’ nicht kann. In einer kurzen Geschichte fehlt Mary Shelley ganz eindeutig der Platz, damit ihre Figuren über sich und über andere räsonnieren können. Warum The Dream überhaupt in meine Anthologie mit dem Untertitel Tales of the Macabre aufgenommen wurde, entzieht sich meiner Imagination. Ich finde in der…