Wilhelm Dilthey: Das Wesen der Philosophie

Husserl hat ihm Historizismus vorgeworfen, was Dilthey nicht auf sich sitzen lassen wollte. Obwohl als Schüler Trendelenburgs vor allem philosophiehistorisch geschult, ging es ihm doch um mehr. An der Wende zum 20. Jahrhundert hatte die Frage nach dem “Wesen” der Philosophie neue Dringlichkeit erhalten. Die Systeme des deutschen Idealismus (Fichte, Schelling, Hegel) hatten ihre Faszination…

Greg Graffin: Anarchie und Evolution

So ganz klar ist mir auch nach Abschluss des Buches nicht, was mir Graffin da mitteilen wollte: Vielleicht wäre der englische Titel auch besser mit “anarchische Evolution” übersetzt worden. Aber selbst dann ließe sich (zumindest aus diesem Buch) kaum die Bedeutung dieses Anarchischen für die Evolution festmachen. Graffin lehrt an einer Universität in Los Angeles…

Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. 4. Band: Drittes Buch: Aufklärung – Große Revolution (12. bis 14. Abschnitt) / Viertes Buch: Die letzten hundert Jahre – Reaktion – Materialismus – Gottlose Mystik

Mehr Literatur- als Philosophiegeschichte: der vierte und abschliessende Band von Fritz Mauthners Geschichte des Atheismus. Als allererstes wendet sich der Autor gegen die Vertreter eines stinkenden Lichts (einer pervertierten Aufklärung). Die Dunkelmänner, die er meint, sind vorwiegend Vertreter der Romantik, die sich ebenso auf Voltaire oder Rousseau berufen, wie die Aufklärer selber. Aber auch Mendelssohn…

Émile Zola: Meine Reise nach Rom

Ende Oktober 1894 reist Émile Zola mit seiner Frau nach Rom, wo sie sich runde sechs Wochen aufhalten werden. Zola benutzt den Aufenthalt, um für seinen neuesten Roman zu recherchieren. (Es handelt sich um Rome. Dieser Roman gehört nicht zum Rougon-Macquart-Zyklus, sondern ist der Mittelteil einer Trilogie namens Trois villes und kaum bekannt. Hauptfigur des…

Joris-Karl Huysmans: Gegen den Strich [À rebours]

1884 erschienen, gilt dieser Roman als eines der Hauptwerke der literarischen Strömung der Dekadenz, die das französische Fin de siècle prägte. In seiner Vorrede, geschrieben zwanzig Jahre nach dem Roman weist Huysmans darauf hin, wie schon 1884 die Gruppe um Zola, die wir heute gemeinhin dem Naturalismus zurechnen, bzw. wie vor allem ihr Meister, Zola,…

Edmond & Jules de Goncourt: Journal. [Band 11: 1894-1896 / Beibuch / vorläufige Schlussbemerkungen]

Band 11: 1894-1896 Ironie des Schicksals: In den hier dokumentierten zweieinhalb Jahren vor seinem Tod hat sich Edmond bedeutend besser gefühlt als noch die drei Jahre davor. Seine Leberkoliken tauchen nur noch selten auf. Edmond, ansonsten ein unverbesserlicher Hypochonder, der seit Jahren und bei jeder Erkältung mit seinem baldigen Tod rechnet, plant im Frühling 1896…

Ein Essay über die Rolle der Frau und die Geschlechter-Beziehungen in der traditionellen japanischen und in der westlichen, europäischen Literatur von Tanizaki Jun’ichirō

Ehrlich gesagt, habe ich mich nicht getraut, den deutschen Titel dieses Essays als Überschrift zu verwenden. Schliesslich ist Liebe und Sinnlichkeit (so lautet er nämlich) kein Sex-Ratgeber und Tanizaki Jun’ichirō ist nicht der japanische Dr. Sommer. Sondern… Mit der erzwungenen Öffnung Japans für den Westen erreichten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts auch verschiedene literarische…

Edmond de Goncourt: Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben. 10: 1891-1893

Literarisch gesehen – denn um Erinnerungen aus dem literarischen Leben handelt es sich bei den Goncourt-Tagebüchern ja gemäss deutschem Untertitel – literarisch gesehen also zeichnet sich das Jahr 1891 dadurch aus, dass Edmond de Goncourt die Symbolisten zum ersten Mal als etwas Eigenständiges wahrnimmt. Er sieht in ihnen einerseits eine gegen die ‘Parnassiens’ gerichtete Bewegegung,…

Edmond de Goncourt: Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben. 8: 1886-1888

Ähnlich wie der alte Raabe betrachtet sich der alte Edmond de Goncourt seit einiger Zeit als “Romancier a.D.”; ähnlich wie der alte Goethe wird er sich selber historisch. Das macht, dass Edmond seit einiger Zeit nur noch die alten Romane von sich und seinem Bruder wieder auflegt, allerdings mit neuen Vorworten versehen. Diese Vorworte nimmt…

Edmond de Goncourt: Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben. 6: 1873-1880

Edmond, der das Journal seit Jules’ Tod alleine weiterführt, ist darin bedeutend weniger fleissig als sein Bruder. (Es will mir auch scheinen, dass er weniger zynisch, weniger bösartig ist – allerdings immer noch zynisch, immer noch bösartig genug.) So kommt es, dass Band 6 der deutschen Gesamtausgabe gleich acht Jahre (von 1873 bis 1880) abdeckt….