Nachtwachen. Von Bonaventura / Im Anhang: Des Teufels Taschenbuch

Jahrzehntelang plagte die zünftige Germanistik – sofern sie sich überhaupt um die Nachtwachen kümmerte – die Frage, wer hinter dem Pseudonym Bonaventura stecken könnte. Viele Namen wurden in die Runde geworfen – auch bekannte. Jean Paul – den man später selber der Autorschaft verdächtigte – brachte den Philosophen Schelling ins Spiel, andere dessen Frau Caroline….

Johann Wolfgang Goethe: Urfaust / Faust. Ein Fragment

1775 – die Verlobung mit der Frankfurter Bankierstochter Lili Schönemann war soeben in die Brüche gegangen – zog Johann Wolfgang Goethe von Frankfurt nach Weimar um. Im Gepäck befand sich unter anderem der Entwurf für ein Drama um den berüchtigten Magier Doktor Faustus aus dem 16. Jahrhundert. Goethe kannte wahrscheinlich das entsprechende Volksbuch, ganz sicher…

Johann Wolfgang Goethe: Faust. Eine Tragödie

Natürlich darf bei meinem Versuch, mir einen kleinen Überblick zu verschaffen über den Teufel in der Literatur- und Kulturgeschichte, der Teufel der deutschen Literatur nicht fehlen: Mephistopheles in Goethes Faust. Dabei handelt es sich um keine ganz leichte Aufgabe, hat doch Goethe praktisch Zeit seines Lebens immer mal wieder, und mal mehr und mal weniger,…

Jules Massanet: Werther

Giuseppe Verdi war nicht der einzige, der einen Stoff des deutschen Sturm und Drang nahm und in eine Oper umwandelte. So etwas war im 19. Jahrhundert, vor allem in seiner zweiten Hälfte, fast eine Art Mode geworden – ähnlich wie man heute Bücher verfilmt, hat man damals Bücher „veropert“. Jules Massanets Oper hatte insofern eine…

Giuseppe Verdi: Luisa Miller

Lügen und Intrigen, Mord und Totschlag, verratene Liebe, Gift und Dolch – würde heute aus diesen Ingredienzien eine Geschichte gebastelt: Man würde unvermeidlich von Kitsch reden. Und selbst in vergangenen Jahrhunderten gab es nur wenige Autoren, die damit umgehen konnten, ohne vor Mit- oder spätestens Nachwelt lächerlich zu werden. Zu den wenigen gehören das Ausnahme-Talent…

Briefe von und an Lessing 1770-1776

1770: Lessing wirft das Handtuch. Er gibt auf. Er erklärt seinen Versuch, als freier Schriftsteller nur vom Ertrag seiner Feder zu leben, als gescheitert. Denn, als ihm der Posten eines Bibliothekars an der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel angeboten wird, schlägt er ein. Es ist (wie er sich wohl gesagt hat), von allen Möglichkeiten, die…

Gottfried August Bürger: Briefwechsel. Band II: 1777 – 1779

Armer Bürger! Da hatte er eine, wie er dachte, blendende Idee. Nachdem sein Freund Voss sich vor ein paar Jahren mit Dieterich in Göttingen, dem Verleger des nach dieser Stadt benannten Musenalmanachs, überworfen und einen eigenen Musenalmanach auf die Beine gestellt hatte, hatte ein anderer Freund Bürgers, Goeckingk, die Redaktion des Göttinger Musenalmanachs übernommen. Anders…

Heinrich Christian Boie / Luise Justine Mejer: Briefwechsel 1776 – 1786. Band 1: Juni 1776 – Juni 1782

Beide stammten sie aus sog. ‘hübscher’ Familie. Die ‘hübschen Familien’ bildeten im 18. und frühen 19. Jahrhundert in Kurhannover und im Königreich Hannover den zweiten Stand der Ständegesellschaft. Unter der regierenden Aristokratie waren sie eine Art Beamtenadel, allerdings auf bürgerlicher Basis. Ähnlich aber wie die Aristokratie achteten diese bei Hofe zugelassenen Familien darauf, unter sich…

Karl Philipp Moritz – Weitere belletristische Werke

(“Weitere” deswegen, weil meine kleine Werkausgabe [Bibliothek Deutscher Klassiker 159] neben dem Reiser und dem Hartknopf und neben Moritz’ theoretischen Schriften auch noch ein paar Gedichte, ein Drama und drei Prosa-Fragmente enthält. Letztere will ich nun ganz kurz vorstellen – die theoretischen Schriften folgen später.) Moritz’ Gedichte allerdings sind höchstens literaturhistorisch interessant. Die deutsche Literatur…

Karl Philipp Moritz: Andreas Hartknopf. Eine Allegorie / Andreas Hartknopfs Predigerjahre

Anders als der Anton Reiser ist der Andreas Hartknopf1) desselben Autors einigermassen unbekannt. Schon Moritz’ Zeitgenossen rezipierten den ersten Teil, die Allegorie, weniger als den Reiser, den zweiten Teil dann schon fast gar nicht. Ich habe Andreas Hartknopf vor Jahren schon einmal gelesen, kann mich aber an keine Details mehr erinnern. Dies hier ist nun…