Giuseppe Verdi: Nabucco

Es ist heute offenbar Usus, jede Kritik einer Nabucco-Aufführung, oder auch jede allgemeine Präsentation dieser Oper, beginnen zu lassen mit dem Hinweis, dass die bis heute andauernde Identifikation des Volkes Israel, das aus der babylonischen Gefangenschaft geführt wird, mit dem der Italiener, die im 19. Jahrhundert zu neuer Einheit und Selbständigkeit finden, keineswegs so in…

Alexander von Humboldt: Der Andere Kosmos

Es klingt nach einer Wette, die zwei oder drei Philologen mit einander eingegangen sind, irgendwann am frühen Morgen, in nicht mehr ganz nüchternem Zustand in einer Bar in der Berner Altstadt (denn in Bern wird die kritische Alexander-von-Humboldt-Ausgabe betreut). Der erste Philologe könnte ungefähr gesagt haben: „Wetten, dass es möglich ist, in den rund 70…

Ulrike Gastmann / Christian Bosse: Das Kamasutra des Mulls

Ja, richtig gelesen: des Mulls, nicht des Mülls. Obwohl ein Mull, wenn ich richtig gezählt habe, ein einziges Mal erwähnt wird. Und das Kamasutra gar nicht. Müll hingegen des öfteren. Ich weiß nicht, wie bekannt die beiden Autoren außerhalb Leipzigs sind. Ich bin auf sie gestoßen im Rahmen des Rahmenprogramms „Leipzig liest“ der Leipziger Buchmesse….

Gioachino Rossini: Il turco in Italia

Kann man, darf man im 21. Jahrhundert Rossinis Oper Il turco in Italia überhaupt noch aufführen? Seit ihrer Uraufführung an der Mailänder Scala sind über 200 Jahre vergangen, und wir sind heute bedeutend sensibler, wenn es um Themen geht wie: „Es kommt ein Fremder in unser Land und verführt uns unsere Frauen.“ Was heute als…

Richard Wagner: Tannhäuser

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg, wie der vollständige Titel der Oper lautet, wurde 1845 in Dresden uraufgeführt. Richard Wagner arbeitete den Stoff danach noch ein paar Male um, kürzte hier, fügte da noch etwas hinzu. Aber nicht nur deswegen gilt der Tannhäuser als Wagners persönlichste Oper. Es ist vor allem das Thema: Die Zerrissenheit…

Hugo Ball: Flametti oder vom Dandysmus der Armen

Nach Dada ist vor Dada. Dies mag sich Hugo Ball gesagt haben, als er 1918 – zwei Jahre, nachdem er das Dadaistische Manifest verfasst hatte – den Roman Flametti veröffentlichte. Denn Flametti ist so Anti-Dada, und damit auch so Vor-Dada, wie nur möglich. 1918 nämlich hatte sich Ball bereits wieder von Dada abgewandt, und seine…

Wolfgang Amadeus Mozart: La finta giardinera

Uraufgeführt 1775 in München, eine Auftragsarbeit für den Münchner Fasching. (Insofern ergibt es durchaus Sinn, dass die Dernière dieser Saison am Opernhaus Zürich von gestern Freitag zwei Tage nach dem offiziellen Ende der Fasching-Saison – der Mittwoch war Aschermittwoch – stattfand.) Mozart war zum Zeitpunkt, als er die Musik zu La finta giardinera schrieb, noch…

Bella Figura

Vier Choreographien des gebürtigen Pragers Jiří Kylián standen gestern auf dem Programm des Opernhauses Zürich. Es handelt sich dabei um eine Art Retrospektive von dessen Werk; es sind nämlich Choreographien aus den Jahren zwischen 1986 und 1995 vertreten. Den Anfang des Abends wurde mit Bella Figura gemacht, der jüngsten Arbeit Jiří Kyliáns (eben: 1995) und…

Stephen Sondheim: Sweeney Todd

Kann ein Opernhaus auch Musical? Immerhin sind, trotz des ähnlichen Genres, die Anforderungen ein bisschen anders: Musicals werden normalerweise während einer Saison von mehr oder weniger der gleichen, nicht allzu grossen Truppe aufgeführt. Die Orchestrierung ist eine ganz andere. Meistens sind es auch nicht ausgebildete SängerInnen, die auf der Bühne stehen, sondern SchauspielerInnen, die auch…