Gottfried August Bürger: Des Freiherrn von Münchhausen wunderbare Reisen und Abenteuer

Münchhausens Lügengeschichten waren fester Bestandteil meiner Lesesozialisation, zusammen mit den Kalendergeschichten Johann Peter Hebels. Dass bei der Ausgabe, die ich damals las, kein Autor angegeben war, störte mich dabei nicht im Mindesten. Was mich, ähnlich wie bei den Kalendergeschichten, faszinierte, war das bunte Panorama an Themen und Situationen, das in den Münchhausen-Geschichten aufgetischt wurde. Bei…

Denis Diderot: Die geschwätzigen Kleinode [Les Bijoux indiscrets]

(Wie) Gehen Aufklärung und Erotik zusammen? Diderot hat diese Frage in seinem Erstlings-Roman ausgelotet, und ich finde seinen Lösungsvorschlag so schlecht nicht. Die geschwätzigen Kleinode sind jene Teile der weiblichen Anatomie, die dem Geschlechtsakt dienen. Geschwätzig werden sie in diesem Roman, weil der Protagonist, ein Sultan namens Mangogul, Herrscher über das Reich Congo in Afrika,…

John Kennedy Toole: A Confederacy of Dunces [[Ignaz oder] Die Verschwörung der Idioten]

Dieses Buch spaltet seine Leserschaft, wie kaum ein zweites. Eine recht große Zahl, denn es gilt als „Kult“, wie man so schön sagt, hält diesen Roman für den besten oder zumindest witzigsten des 20. Jahrhunderts. Andere finden ihn langweilig, weil sich die Figuren – allen voran der Protagonist Ignatius J. Reilly – über die ganzen…

C. S. Lewis: The Screwtape Letters / Screwtape Proposes a Toast [Dämonen im Angriff. 31 Briefe; a.k.a.: Dienstanweisung für einen Unterteufel / Streng dämokratisch zur Hölle]

Wenn man sich über den Teufel lustig macht, dann verliere er die Macht über den Menschen. So der gläubige Christ Lewis, und er zitiert in seinem Motto gleich zwei Autoritäten dazu: Martin Luther und Thomas Morus. Im Übrigen widmete er die Screwtape Letters seinem Freund J. R. R. Tolkien. Da weiß man wenigstens gleich, woran…

Friedrich Heinrich Jacobi: Kleine Schriften II. 1787-1817

Bedeutend disparater, und auch bedeutend weniger interessant, sind die Kleinen Schriften aus den späteren Jahren, wenn man sie mit denen aus den früheren vergleicht, die wir in Band I gefunden haben. Umso mehr schätzt der Leser die erklärenden Anmerkungen der Herausgeber, ohne die man zum Teil kaum versteht, worum es Jacobi in diesem oder jenem…

Friedrich Heinrich Jacobi: Kleine Schriften I. 1771-1783

Mit Band I der Kleinen Schriften – also im Großen und Ganzen jener Texte, die es nicht zu eigenem eigenen Buch geschafft haben (eine Ausnahme finden wir) – gewinnt Jacobi an Profil für den heutigen Leser. Während die ersten drei Bände der kritischen Werkausgabe seine philosophischen Auseinandersetzungen mit dem Spinozismus einerseits, dem transzendentalen Idealismus andererseits…

Jorge Luis Borges: 25. August 1983 und andere Erzählungen

Normalerweise werden die Bände der Bibliothek von Babel immer mit einem Vorwort des Herausgebers Jorge Luis Borges eingeleitet. Das ist hier nicht der Fall. Hier stammt es von Martin Gregor-Delling; viel wichtiger und interessanter als diese Einleitung ist aber das am Schluss folgende Interview, das María Esther Vázquez mit Borges geführt hat (Borges gleich Borges),…

Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. 2. Band: Zweites Buch: Entdeckung der Natur und des Menschen – Lachende Zweifler – Niederlande, England

Auch Band 2 hätte wohl besser anders geheissen, z.B. „Der Nährboden, aus dem der europäische Atheismus entstehen konnte“ – denn Atheisten finden wir immer noch kaum in der Epoche vom ausgehenden Humanismus bis zur frühen Aufklärung. Mauthner hilft sich dadurch, dass er auch dieses Mal den Pantheismus zum Krypto-Atheismus erklärt, indem er in der Formel…

Lynda Mugglestone: Samuel Johnson & the Journey into Words

Lynda Mugglestone ist Inhaberin des Lehrstuhls für Geschichte der Englischen Sprache am Pembroke College (Universtity of Oxford). Am selben College hat seinerzeit auch Samuel Johnson studiert. Muggleston hat auch nicht das erste Mal über ihn publiziert. Der Titel mit seinem Bild der Reise hat mich beinahe dazu verführt, dieses Buch auch unter den Reiseberichten abzulegen….

Friedrich Theodor Vischer: Aesthetik oder Wissenschaft des Schönen III.V

Nun ist die Katze aus dem Sack: Im Vorwort zum fünften Teilband von Band 3, zugleich dem abschliessenden Band seiner Aesthetik, gibt Vischer zu, dass der vierte Teilband, der zur Musik, nicht aus seiner Feder stammt: Eine schwere Beichte aber muß ich hier ablegen: die Lehre von der Musik ist nur im ersten, allgemeinen Teil…