Friedrich Heinrich Jacobi: Kleine Schriften I. 1771-1783

Mit Band I der Kleinen Schriften – also im Großen und Ganzen jener Texte, die es nicht zu eigenem eigenen Buch geschafft haben (eine Ausnahme finden wir) – gewinnt Jacobi an Profil für den heutigen Leser. Während die ersten drei Bände der kritischen Werkausgabe seine philosophischen Auseinandersetzungen mit dem Spinozismus einerseits, dem transzendentalen Idealismus andererseits…

Zhou Xingsi: Der 1000-Zeichen-Klassiker

Selber Verlag (Reclam), selbe Übersetzerin (Eva Lüdi Kong), fast identische äusserliche Ausstattung und selbes Herkunftsland (China) wie die vor zwei Jahren erschienene Reise in den Westen – dennoch will mir scheinen, dass der Rummel um den 1000-Zeichen-Klassiker bedeutend kleiner ist und war, als der um jene Reise. Was wahrscheinlich daran liegt, dass sich auch Presse…

Franz Lehár: Das Land des Lächelns

Operetten ohne Happy Ending sind relativ selten. Die Homepage des Opernhauses Zürich spricht gar von einem tragischen Ende für Das Land des Lächelns. Aber das eine (heute leider üblich gewordene) hyperbolisch-erweiterte Verwendung des Begriffs „tragisch“. Das Land des Lächelns endet traurig insofern, als die beiden Liebenden, Prinz Sou-Chong und Lisa, nicht zu einander finden. Man…

Wilhelm Wundt et al.: Allgemeine Geschichte der Philosophie

1909 zum ersten Mal erschienen; gelesen in der zweiten, überarbeiteten Auflage von 1913. Vermutlich hat der Ausbruch des Ersten Weltkriegs dieser Philosophiegeschichte ‘den Hals gebrochen’. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum sie heute praktisch verschollen ist, haben doch nur Leute mitgewirkt, die seinerzeit als Koryphäen in ihrem Fach galten: Wilhelm Wundt für Die…

Robert van Gulik: Wunder in Pu-yang? [The Chinese Bell Murders]

Richter Di, der Protagonist der Kriminalromane Robert van Guliks, ist eine historische Persönlichkeit. Er hiess Di Jen-dsiä, lebte von 630 bis 700 u.Z., also zu Beginn der sog. Tang-Dynastie und machte tatsächlich, wie in den Romanen beschrieben, Karriere im chinesischen Justiz-Apparat – vom einfachen Bezirksrichter zum Präsidenten des obersten Gerichtshofs. Robert van Gulik hat dem…

Die Reise in den Westen

Grob gesagt, kann man diesen Text auf zwei Arten lesen: 1) Da ist zuerst die Lektüre als philosophisch-religiöse Anleitung zu einem besseren Leben. (Eine scharfe Trennung zwischen Philosophie und Religion war in China nicht gegeben.) Allegorisch wird in Begriffen des traditionellen chinesischen Glaubens mit der Reise des Mönchs Xuansang der Weg der Läuterung beschrieben. Xuansang,…

David Hume: Dialoge über natürliche Religion [Dialogues concerning Natural Religion]

Die Dialogform ist eine altehrwürdige Form in der Philosophie. Schon Platon verwendete sie, und – um für einmal nicht nur eurozentrisch zu bleiben – auch die Lehren des Konfuzius wurden in Dialogen überliefert. Beim frühen Platon diente der Dialog dazu, die Aporien seiner Fragestellungen herauszustellen – auf die Frage “Was ist Tugend?” wusste zum Schluss…

Ezra Pound: Die Cantos

Ezra Pounds Cantos gelten hierzulande, zusammen mit T. S. Eliots The Waste Land und James Joyce’ Ulysses, als Meilenstein der englischsprachigen literarischen Moderne. Pound hat jahrzehntelang daran gearbeitet, immer neue Cantos hinzugefügt, zu Beginn seiner Arbeit daran auch welche weggestrichen. Die ersten 25 Cantos erschienen – als “Entwurf” gekennzeichnet – 1925, die letzten wurden 1969…