Rudyard Kipling: Von Ozean zu Ozean. Unterwegs in Indien, Asien und Amerika [From Sea to Sea and Other Sketches: Letters of Travel 1887-1889]

Der 22 Jahre alte Rudyard Kipling, als Journalist für verschiedene englischsprachige Zeitungen auf dem indischen Subkontinent tätig, hatte, wie man so schön sagt, die Schnauze voll von seinem Job. So kam ihm das Angebot, über eine Reise durch Indien in einer dieser Zeitungen zu berichten (wofür er bezahlt werden sollte), gerade recht. Im November 1887…

Knut Hamsun: Landstreicher

Eigentlich sind Bücher, die die Heimat thematisieren, nicht wirklich meins: Der Begriff der Heimat ist etwas, dem ich recht fremd und mit Unverständnis gegenüberstehe. Hier aber darf man ruhig mal eine Ausnahme machen, denn Hamsun schafft eine meines Erachtens sehr bemerkenswerte Aufarbeitung des Themas. (“Landstreicher” ist der erste Teil einer Trilogie, die nachfolgenden Bände sind…

Patrick Modiano: Pour que tu ne te perdes pas dans le quartier

Patrick Modianos neuester Roman stammt aus dem Jahr 2014 und ist meines Wissens noch gar nicht auf Deutsch übersetzt. (Der Hanser-Verlag wurde offensichtlich mit der Vergabe des Literaturnobelpreises an Modiano völlig auf dem falschen Fuss erwischt.) “Pour que tu ne te perdes pas dans le quartier.” (auf Deutsch etwa: “Damit du im Quartier nicht verloren…

Besuch der Frankfurter Buchmesse 2014 (Parerga und Paralipomena)

Nachträge und Vergessenes… Stefan Bachmann und die Weltliteratur In beiden Interviews, denen ich beigewohnt habe (und auch in andern, früheren, die ich mittlerweile im Internet gefunden habe), legte Bachmann grossen Wert darauf, dass er zur Zeit der Abfassung von Die Seltsamen und Die Wedernoch nicht nur sehr viel Fantasy und Steam Punk gelesen habe, sondern…

Elias Canettis Buch gegen den Tod

Sein ganzes schriftstellerisches Leben lang wollte Canetti ein Buch schreiben gegen den Tod. Das Buch ist nie erschienen. Erst jetzt, 2014, erschien bei Hanser unter dem Titel Das Buch gegen den Tod eine Sammlung von Aphorismen und Fragmenten Canettis, die um das Thema “Tod” kreisen. Einiges davon ist schon in früheren Sammlungen veröffentlicht worden, einiges…

Isak Dinesen: Seven Gothic Tales

Karen Blixen, eigentlich Karen Christence von Blixen-Finecke, geborene Dinesen (1885-1962), schrieb ihre literarischen Texte meist zuerst auf Englisch, bevor sie sich dann selber ins Dänische übersetzte. Auf Englisch veröffentlichte sie als “Isak Dinesen”, während derselbe Text auf Dänisch von “Karen Blixen” stammte. Warum sie im deutschen Sprachraum dann als “Tania Blixen” publiziert (wird), entzieht sich…

Alice Munro: Tanz der seligen Geister [Dance of the Happy Shades]

Klappentext, der erste: Jonathan Franzen zählt Alice Munro zu den größten Erzählern der Welt und stellt sie über Tschechow, und Doris Dörrie »schärft sie die Sinne«. Klappentext, der zweite: […] das Debüt der großen Meisterin, 15 Erzählungen davon, erwachsen zu werden und die eigene Stimme zu finden. _________________ Es ist relativ selten, dass sich ein…

Albert Camus zum Hundertsten

Vor ein paar Tagen (genauer: am 7. November) jährte sich der Geburtstag des französischen Philosophen und Schriftstellers Albert Camus zum hundertsten Male. Obwohl in irgendeinem Gratulationsartikel davon gesprochen wurde, dass dieser Jahrestag wohl der sei, der dieses Jahr am meisten Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt hervorgerufen habe, will mir scheinen, dass Camus’ Geburtstag doch relativ unbemerkt…

Bertrand Russell: A History of Western Philosophy [Philosophie des Abendlandes]

In einem Facebook-Eintrag vor ein paar Monaten sprach Kollege Köllerer davon, dass diese Philosophiegeschichte “unter Fachphilosophen” als Witz gelte. Nun, Russell war eigentlich selber ‘Fachphilosoph’, und wozu ‘Fachphilosophen’ selber fähig sind, haben wir gerade vor kurzem erst demonstriert. Definitiv kein Massstab… Gelungen ist Russell die Philosophie des Abendlandes nicht. Russell hat zwar  1950 den Nobelpreis…

Mo Yan: Der Überdruss

Es kommt selten vor, dass ich die Empfänger eines – irgendeines – Literaturpreises lese. Wenn, dann endet das meist in einer Enttäuschung, weil die Kriterien für gute Literatur einer Jury selten mit den meinen übereinstimmen. Nun gar der Nobelpreis, dessen Kriterium ja in erster Linie nicht einmal unbedingt literarische Qualität in irgendeiner Form ist. Erste…