François-René de Chateaubriand: Atala

Atala wurde dieses Jahr vom Dörlemann-Verlag in der Übersetzung von Cornelia Hasting einem breiteren deutschen Lesepublikum wieder in Erinnerung gerufen. Das ist sehr verdienstvoll. Der kleine Roman erschien 1802 zum ersten Mal, geht nun also langsam auf seinen 250. Geburtstag zu. Wie bei einer verstaubten und mit Spinnweben überzogenen Flasche Wein, die man im Keller…

Hannes Leidinger: Der Untergang der Habsburger Monarchie

Sandhofer hat sich sehr positiv über dieses Buch geäußert, ähnlich auch Günther Haller in der Presse vom 30. 12. 2017: “Analysen wie diese, die über das rein Kakanische hinausgehen, verschaffen einen großen Erkenntnisgewinn für die Gegenwart. Die österreichische Geschichtserfahrung gewinnt so europäische Relevanz.” Ich kann diese Beurteilungen nur sehr eingeschränkt teilen: Die Einleitung mit der…

Hannes Leidinger: Der Untergang der Habsburgermonarchie

Über die Habsburgermonarchie und deren Untergang schreiben, heisst offenbar auch immer, Musils Mann ohne Eigenschaften zitieren. Auch Hannes Leidinger kann nicht anders, und so finden wir als einleitendes Kapitel von Teil III den Abschnitt Geschichte und Kakanien oder: „Ulrichs Welt“. Allerdings verlässt Leidinger im Verlaufe des Textes die Literatur- oder Kulturgeschichte gänzlich (nur Hofmannsthal und…

Friedhelm Decher: Die Signatur der Freiheit

Es gibt zahlreiche Versuche, das entscheidende Merkmal des Menschen (das ihn dann vom Tier unterscheiden soll) herauszuarbeiten: Homo politicus, Homo ridens, Homo ludens oder Homo religiosus, in der Anthropologie Homo ergaster oder Homo faber und in der Ökonomie Homo oeconomicus mit seinem Widerpart, dem Homo reciprocans. Und es gibt natürlich auch einen Homo suicidalis, denn…

Philip K. Dick: A Scanner Darkly [Der dunkle Schirm]

Anaheim, Kalifornien, im Jahre 1994: Eine neue, hochgradig wirksame und rasch süchtig machende Droge namens Substance D ist auf dem Markt, wobei D in der Terminologie der Süchtigen für ‘Death’ steht, den Tod. Denn auf jeden Benutzer dieser Droge wartet ein sicherer und frühzeitiger Tod. Wir folgen rund einen Monat lang den Geschehnissen rund um…

Giacomo Leopardi: Opuscula moralia [Operette morali]

Moralische Werklein – das trifft den Inhalt von Leopardis berühmtesten Werk ziemlich gut. Der Italiener lebte von 1798 bis 1837, wurde also knapp 39 Jahre alt, und war in diesen 39 Jahren beständig krank oder kränklich; man kann also nicht sagen, dass es ein glückliches Leben war. Entsprechend sind auch die Operette morali von tiefem…

Christoph Held: Bewohner

Wohl jeder und jede von uns sieht sich früher oder später mit dem Thema Altersdemenz konfrontiert. Wohl jeder und jede von uns hat im Bekannten-, Freundes- oder gar Familienkreis jemanden, der oder die im Alter dement geworden ist. Und wohl jeder und jede von uns stellt sich ab einem gewissen Alter die Frage, ob die…

Svetlana A. Aleksievic: Im Banne des Todes

Viele dieser Geschichten haben Aufnahme in den Band “Secondhand-Zeit gefunden, weshalb ich mit Fug und Recht auf diese Besprechung verweisen kann. Das, was die einzelnen Kapitel von “Im Banne des Todes” zusammenhält, ist der Bezug zum Selbstmord: Dem versuchten, von dem die Überlebenden erzählen, dem von Angehörigen, von Freunden, Bekannten. Und es scheint eine spezifische…

Hommage an Primo Levi (zu “Die Untergegangenen und die Geretteten”)

Primo Levi ist Auschwitzüberlebender. Das wäre für mich eher ein Grund ihn zu meiden: Zu viele Fachbücher, zu viele Erfahrensberichte meine ich schon gelesen zu haben, um mich für derlei noch begeistern zu können. Aber Levi ist – auch – ein Überlebender des NS-Terror, er ist aber noch viel mehr ein wirklich großer Schriftsteller. Das…