Volker Weidermann: Träumer. Als die Dichter die Macht übernahmen.

München nach dem Ersten Weltkrieg, der letzte Wittelsbacher flieht auf das Land, in dem allgemeinen Chaos formieren sich zahlreiche Strömungen, Parteien und es ist der Zufall, der über Aufstieg und Fall entscheidet. Kurt Eisner ist das Schicksal gewogen (obschon das eine gewagte Behauptung ist, wenn man sein Ende bedenkt), er greift nach der Macht und…

Giorgio Bassani: The Garden of the Finzi-Continis [dt.: Die Gärten der Finzi-Contini / OT: Il giardino dei Finzi-Contini]

Man kennt wohl eher den gleichnamigen Film Vittorio de Sicas von 1970, der auf dem Roman Bassanis beruht. Allerdings war Bassani über die Verfilmung nur mässig glücklich. Vor allem die Figur des Protagonisten Giorgio schien ihm missglückt, indem der im Film einfach nur ein dummer Junge war. Im Buch entspricht Giorgio ein (wie bei Marcel…

Anton Kuh: Werke. Band 2: 1918 – 1923

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs war auch das Ende der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie gekommen. Und der Beginn von Anton Kuhs Laufbahn als ebenso scharfsichtiger wie scharfzüngiger Beobachter und Beschreiber der Ereignisse rund um die Geburt der neuen europäischen Staatenordnung. Kuhs Analysen (im Sinne einer Erforschung der Ursachen der von ihm festgestellten Phänomene) sind zwar oft…

Mercè Rodoreda: Der Garten über dem Meer

Sechs Sommer in Folge verbringt eine Clique junger, reicher Nichtstuer in der Villa am Meer, die Senyoret Francesc, einer der ihren, nach seiner Hochzeit gekauft hat. Sechs Sommer verfolgen wir, wie die Clique langsam auseinander bricht. Erzählt wird das Ganze vom namenlosen Gärtner. Roger Willemsen, der Herausgeber meiner Ausgabe (aus dem Katalanischen übersetzt wurde er…

Tilmann Lahme: Die Manns. Geschichte einer Familie

Sandhofer hat – was so oft nicht der Fall zu sein pflegt, eine “absolute Leseempfehlung” ausgesprochen, eine Empfehlung, die ich mir zu Herzen genommen habe. Und ich schließe mich seinem Urteil an: Sehr gut lesbar, dazu anregend, sich mit den einzelnen Mitgliedern der Familie intensiver auseinanderzusetzen und mit äußerst gediegenem Hintergrundwissen geschrieben. Und es ist…

Tilmann Lahme: Die Manns

Untertitel: Geschichte einer Familie. Tatsächlich gelingt Tilmann Lahme hier so etwas wie die Kubatur der Kugel. Indem er fast nur die Mitglieder der Familie Mann in eigenen Briefen oder Tagebuchauszügen zu Wort kommen lässt, haben wir so etwas wie eine Autobiografie von uns – eine Autobiografie von 8 Personen gleichzeitig. Indem er seine Auszüge klug…

Stefano D’Arrigo: Horcynus Orca

Offen gesagt, kann ich nicht nachvollziehen, wie es all den Feuilletons möglich war, schon kürzeste Zeit nach dem Erscheinen der deutschen Übersetzung von Horcynus Orca das Buch zu besprechen. Ich halte mich für keinen unerfahrenen Leser; um von den Romanen und Epen früherer Zeiten, von Homer und Dante, von Firdausi bis Luo Guanzhong, von Cervantes…

Michel Houellebecq: Unterwerfung

Die Koinzidenz von Erscheinungsdatum und den Pariser Anschlägen hat dem Buch eine makabre PR verschafft (ohne die ich es wahrscheinlich auch nicht gelesen hätte). Auch wenn die beiden Dinge nur an der Oberfläche miteinander zu tun haben: Denn der von Houellebecq dargestellte Islamismus ist ein gänzlich anderer, er ist vor allem paradigmatisch zu verstehen: Nicht…

Hans Henny Jahnn: Fluß ohne Ufer (Dritter Teil: Epilog)

Epilog – der dritte Teil hätte auch “The Next Generation” heissen können. Wir finden uns vorwiegend in der Familie des Pferdehändlers Bohn wieder. Bohn war seinerzeit, als sich Tutein und Horn in Skandinavien niederzulassen begannen, der Knecht des Pferdehändlers Tutein gewesen, hatte dann Gemma geheiratet – Gemma, die ihrerseits, obwohl ein Stück jünger, die Geliebte…

Hans Henny Jahnn: Fluß ohne Ufer (Zweiter Teil: Die Niederschrift des Gustav Anias Horn nachdem er neunundvierzig Jahre alt geworden war)

Überproportional, überraschend  und – unanständig: So würde ich den zweiten Teil von Hans Henny Jahnns Monumentalwerk Fluß ohne Ufer charakterisieren. Überproportional Die Niederschrift des Gustav Anias Horn nachdem er neunundvierzig Jahre alt geworden war nimmt runde 1’450 Seiten der Gesamtzahl von 2’000 Seiten ein. Da bleiben für die beiden Seitenteile des Triptychon nicht mehr viel….