E. T. A. Hoffmann: Das steinerne Herz

Für einmal stellen wir keine Novelle aus den Serapionsbrüdern vor. Diese Erzählung hier stammt aus den bereits früher entstandenen Nachtstücken, und es handelt sich um deren letzte. Die Geschichte ist für die paar Seiten, die sie umfasst, recht verwickelt. Sie beginnt damit, dass uns ein anonymer Erzähler auffordert, er (Hoffmann spricht im Stil seiner Zeit…

Alfred de Vigny: Stello

Mit vollem Titel heißt das Werk Les Consultations du Docteur-Noir. Première consultation : Stello ou les Diables bleus (Blue Devils) [„Die Konsultationen des Docteur-Noir. Erste Konsultation: Stello oder die blauen Teufel (Blue Devils)“ – meine Übersetzung]. Dieser Langtitel ist zugleich schon fast die Zusammenfassung der Rahmenerzählung von und mit Stello. In seinem Aufbau besteht Stello…

Seneca: Apocolocyntosis

Darüber, ob die ‚Verkürbisung des Claudius‘ wirklich von Seneca stammt, ist sich die Philologie nicht einig. Während offenbar die meisten Vertreter:inen dieser Zunft eine Zuschreibung an Seneca vornehmen, gibt es ein paar, die dies abstreiten. Seneca selber erwähnt diese Satire nirgends in seinen übrigen Schriften, was zu der Spekulation führte, dass er sich später ihrer…

Jean de La Bruyère: Les Caractères de Théophraste, traduits du grec, avec les caractères ou les mœurs de ce siècle [Die Charaktere von Th., aus dem Griechischen übertragen, mit den Charakteren oder Sitten unseres Jahrhunderts]

Ursprünglich war geplant, die Charaktere des Theophrast zuerst und unabhängig von den Caractères des La Bruyère zu besprechen. Dies wäre aber ganz klar gegen die Intention des Franzosen gegangen, die sich schon am Titel dieses Buchs ablesen lässt. 17 Jahre soll La Bruyère an den Caractères gearbeitet haben, bevor er sie zusammen mit seiner Übersetzung…

Wilhelm Hauff: Das Wirtshaus im Spessart

Hauff starb kurz nach der Veröffentlichung des dritten Mährchen⸗Almanachs unerwartet mit 25 Jahren an einer Typhus-Erkrankung. Er gehört demnach nicht in den Kreis der Frühvollendeten, die in Erwartung eines nahen Todes ihre Werke verfassen. Dennoch oder gerade deswegen verlockt sein früher Tod zu Spekulationen darüber, wie er sich weiterentwickelt haben könnte. Allerdings hat Hauff in…

Gotthold Ephraim Lessing: Sinngedichte

Sinngedichte vom Meister höchst persönlich … Ergo: Sinngedichte vom Feinsten. Wohl kaum einer hat so knappe und treffende Sinngedichte verfasst wie Gotthold Ephraim Lessing – auch wenn man sie später meist Epigramme nannte: Selbst Erich Kästner oder dessen von Lessing sogar zitierter Namensvetter der Aufklärungs-Zeit, Abraham Gotthelf Kästner, der heute leider hinter Lichtenberg und eben…

Gottfried Keller: Das Sinngedicht

Das Sinngedicht als Gattung ist heute ausgestorben; kaum jemand schreibt noch „Sinngedichte“, bzw., wie sie in der Fachsprache heißen, Epigramme. Es werden bestenfalls noch „Aphorismen“ verfasst. Die Ansprüche des Sinngedichts an seine Verfasser:innen sind halt bedeutend höher als die des Aphorismus. Auch ein Aphorismus sollte kurz sein, aber ein Sinngedicht ist üblicherweise in Versen abgefasst,…

Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne

Ob nun Albert Bitzius den Schriftsteller mehr beeinflusste oder Jeremias Gotthelf den Pfarrer, bleibe dahin gestellt. Tatsache ist, dass Jeremias Gotthelf eigentlich immer Parabeln verfasste des Inhalts, dass nur ein gottgefälliges Leben auch Glück und Segen bringe – und dies auch im materiellen Sinn. Ein lasterhaftes Leben (was auch schon den Genuss von zu viel…

Thomas Mann: Schwere Stunde

Schwere Stunde verfasste Thomas Mann 1905 als Auftragsarbeit zum Schillerjahr für den Simplicissimus. Mann fiel mit seiner Novelle insofern aus dem Rahmen des damals Üblichen und Erwarteten, als er den Schriftsteller, den Dichter, als einen Leidenden vorstellte und keineswegs als den Liebling der Götter, als den er im 19. und auch noch zu Beginn des…

Ernst Moritz Arndt: Die schönsten Märchen

Ernst Moritz Arndt war seinen Zeitgenossen vor allem bekannt als Verfasser so genannter „Freiheitslieder“, d.h., Lieder, in denen zum deutschen Widerstand / Kampf gegen die französischen Besatzer unter Napoléon aufgerufen wurde. Darin zeigte sich Arndt als Eisenfresser und Franzosen-Hasser erster Güte. Besonders beunruhigend (aus heutiger Sicht) ist die Tatsache, dass Arndt in diesen Gedichten mit…