Xavier de Maistre ist mit diesem kleinen Büchlein ein kleiner Geniestreich gelungen. Auf nicht ganz 100 Seiten bringt er es zu Stande, sowohl eine Hommage an Laurence Sterne unterzubringen wie Parodien auf verschiedene literarische Genres. Ausgangspunkt des Buchs ist eine (von de Maistre im Text nur angedeutete) Strafe von sechs Wochen Einzelhaft, die sich der…
Schlagwort: Empfindsamkeit
säkularisierter Pietismus
William Beckford: Träume, Gedankenspiele und Begebenheiten
William Thomas Beckford (1760-1844) war, wenn man das so sagen darf, von Beruf Sohn. Sein Vater gleichen Namens war ein bekannter englischer Politiker (u.a. zweifacher Lord Mayor von London). Nach dessen Tod 1770 erbte Beckford jr. ein riesiges Vermögen, das ihn zu einem der reichsten Männer des Königreichs (und damit der Welt) machte. Anders als…
Johann Heinrich Jung (gen. Stilling): Lebensgeschichte
Der Topos der ‚Tellerwäscherkarriere‘ ist, denke ich, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA entstanden, um jene Menschen (meist ja Männer) zu charakterisieren, die im Lauf ihres Lebens von ganz unten bis ganz nach oben in der sozialen Hierarchie geklettert sind. Mutatis mutandis gab es solche Karrieren natürlich schon viel früher und…
Jean Paul: Auswahl aus des Teufels Papieren
Wer im Internet nach der Auswahl aus des Teufels Papieren sucht, dem werden zunächst und vor allem jede Menge Seiten angezeigt, die das Buch verkaufen bzw. den Text zum Download anbieten. Einige dieser Seiten habe ich im Verdacht, dass sie zwar das Buch gegenüber der Suchmaschine ausweisen; wenn man aber auf den Link klinkt, wird…
Matthias Claudius: Ausgewählte Werke
Wer sich in der deutschen Literatur der Goethe-Zeit tummelt, wird immer wieder über den Namen Asmus stolpern – Asmus omnia sua secum portans, wie er sich auf dem Titelblatt der Sämtliche[n] Werke des Wandsbecker Boten genau nannte. Ja, noch Raabe konnte ihn ohne Probleme zitieren und Asmus‘ Bekanntheit reicht bis ins 20. Jahrhundert; erst in…
Johann Heinrich Merck: Gesammelte Schriften. Band 2.2: Frankfurter Gelehrte Anzeigen vom Jahr 1772 | Kommentar
Ich habe mir gesagt, dass es sich lohnt, einen über 1’000 Seiten starken Kommentarband zu einem fast 600-seitigen Textband separat vorzustellen. Die immense Arbeit, die in diesem Kommentarband steckt, kann ja selbst so kaum den Meriten entsprechend gewürdigt werden. Immerhin wurde bei jeder der rund 400 Rezensionen der Frankfurter Gelehrten Anzeigen, Jahrgang 1772, die Urheberschaft…
Johanna Schopenhauer: Reise durch England und Schottland
Johanna Schopenhauer kennt man heute wohl am ehesten als Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer. Vielleicht erinnert man sich gar dunkel daran, dass die beiden sich später spinnefeind geworden sind. Eventuell auch kennt man ihren Namen von der Goethe-Seite her. Sie war nämlich jene Salonnière in Weimar, die als erste nach der Heirat Goethes mit Christiane…
+ + + Abgebrochen: August Lafontaines „Quinctius Heymeran von Flaming“ + + +
Haidnische Alterthümer heißt die Reihe, in der dieser Roman 2008 bei Zweitausendeins erschienen ist. Oder vielleicht müsste man im vorstehenden Satz das Präteritum verwenden – Lafontaines Roman ist jedenfalls der bisher letzte in der Reihe erschienene; ein weiterer geplanter (James Fenimore Cooper: Die Monikins) erschien 2010 ausserhalb der Reihe und in einem anderen Verlag. Diese…
Friedrich Hölderlin: Hyperion
„Diotima!“, ist wohl der erste Gedanke, der dem deutschen Bildungsbürger durch den Kopf blitzt, wenn er von Hölderlins Hyperion hört. Der zweite dann, natürlich, Susette Gontard, das Modell der Diotima, Hölderlins ‚echte, reale Diotima‘. Der dritte schließlich, Hölderlins Schuldgefühle, weil er Diotima im Hyperion sterben ließ, gegen Susettes Einwände, und der nun erleben musste, wie…
Friedrich Heinrich Jacobi: Romane II – Woldemar
Mme de Staël hielt Jacobi für den größten lebenden deutschen Philosophen – auch und gerade wegen seines Woldemar. Goethe hingegen soll sich über dieses Werk lustig gemacht haben. Nun sind beider literaturkritischen oder gar philosophischen Fähigkeiten nicht über jeden Zweifel erhaben. Im vorliegenden Fall tendiere ich eindeutig dazu, dem Deutschen Recht zu geben. Frau von…