Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts

Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen; mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine. Da trat der Vater aus dem Hause;…

Karl-Heinz Ott: Verfluchte Neuzeit. Eine Geschichte des reaktionären Denkens.

Der Autor war mir bislang völlig unbekannt, hat Romane geschrieben, Theaterstücke, Essays zu musikalischen Themen als auch Kulturgeschichtliches. Das vorliegende Buch ist eine Abrechnung mit einigen reaktionären Denkern und Schriftstellern (wie im Titel anklingt), die sich der Rationalität, dem analytischen Philosophieren verweigern und in dem subjektivistischen Denken (das Ott mit Descartes beginnen lässt) den Niedergang…

Thomas Zoglauer: Konstruierte Wahrheiten. Wahrheit und Wissen im postfaktischen Zeitalter.

Bücher über das Postfaktische sind mittlerweile Legion und die Masse ist allein schon ein Hinweis auf deren eher bescheiden zu nennende Qualität. Das liegt schlicht an der philosophischen Unbedarftheit der Autoren, die sich in hilflosen Analysen dem Problem der Wahrheit anzunähern oder einfach philosophiegeschichtlich unbeleckt von jedweder Kenntnis mit beliebig ausgewählten Denkern ihre Thesen zu…

Kurt Vonnegut: Cat’s Cradle [Katzenwiege]

Während die Library of America vor rund 10 Jahren von Kurt Vonnegut eine kleine Werkausgabe in vier Bänden veranstaltete, dürfen wir im deutschen Sprachraum froh sein, wenn sein bekanntester Roman, Slaughterhouse Five, 2016 in einer Neuübersetzung wieder erschienen und noch im Buchhandel erhältlich ist. Die übrigen in den 1970ern in einem Anflug von Euphorie bei…

David Foster Wallace: Unendlicher Spaß

David Foster Wallace wurde nach seinem Selbstmord 2008 zum Inbegriff des gescheiterten Intellektuellen und Künstlers, er erfuhr eine Verehrung, wie sie solchen Existenzen post mortem von ihrer Fangemeinde des öfteren zuteil wird – vor allem dann, wenn deren Probleme dergestalt sind, dass sie die Verehrenden zu kennen glauben. Wallace war depressiv, von allem abhängig, was…

Etienne Barilier: Gegen den neuen Obskurantismus

Das Buch wurde gegen Ende des letzten Jahrtausends verfasst und nimmt die Millenniumsängste zum Anlass, um mit einem stärker werdenden Obskurantismus abzurechnen, der sich unter verschiedenen Vorzeichen gegen Aufklärung und Wissenschaftlichkeit wendet. Ob das immer wirklich gelungen ist, darf bezweifelt werden, einiges scheint Geschwätz, anderes klug und vorausschauend. Barilier verteidigt das wissenschaftliche Weltbild gegen alle…

Michiko Kakutani: Der Tod der Wahrheit

Trotz beschränkter Zeit ein paar Zeilen zu einem Buch, das sich ein längeres Lob verdient hätte. Kakutani ist nach meinem Dafürhalten die erste, die den Abgesang auf die Wahrheit bis zurück zu den Anfängen der Postmoderne auf überzeugende Weise dargestellt hat, bis zu Derrida, der mit poststrukturalistischen, dekonstruktivistischen Ansätzen schon vor 50 Jahren die Deutungshoheit…

Steven Pinker: Aufklärung jetzt

Das Buch kann man als eine Art Fortsetzung von Pinkers Bestseller Gewalt betrachten, es verfolgt einen ähnlichen Ansatz und kommt ebenso wie dieses zum Schluss, dass die zahlreichen Weltuntergangsszenarien sich aus den zur Verfügung stehenden Daten nicht ableiten lassen. Pinker bricht eine Lanze für ein aufgeklärtes Leben, für Bildung, Fortschritt (ein unter Philosophen ganz und…

Schlüsselbegriffe der Philosophie des 20. Jahrhunderts

herausgegeben von Christian Bermes und Ulrich Dierse. Hamburg: Felix Meiner, 2010. (= Archiv für Begriffsgeschichte, Sonderheft 6) Wie schon1) bei Sonderheft 11, Schlüsselbegriffe der Philosophie des 19. Jahrhunderts, stellen sich auch bei vorliegendem Sonderheft 6 dieselben Fragen: Was sind ‚Schlüsselbegriffe‘? Was ist ‚Philosophie‘? Was ist das ’20. Jahrhundert‘? Wie schon in Sonderheft 11 wird der…

Paul Veyne: Glaubten die Griechen an ihre Mythen?

Dieses Buch, das eigentlich nur als Zusatzlektüre zu Herbigs Der Fluß der Erkenntnis gedacht war, verdient eine eigene Besprechung: Nicht, weil man allerlei Wissenswertes über die griechische Mythologie erfährt, sondern weil es vielmehr paradigmatisch ist in seinem Umgang mit dem Begriff der Wahrheit, auf den Veyne immer wieder rekurriert. Beispielhaft ist die Schreibweise Veynes insofern,…