Lukian: Der Lügenfreund

Ob und in welchem Ausmaß ich Lukian zur Kenntnis genommen hätte ohne Christoph Martin Wieland, vermag ich nicht zu sagen. Auf jeden Fall hat die Übersetzung Wielands bei Lukian für mich die Wirkung des heimatlichen ’so und nur so muss der Autor klingen‘, die ich bei der Voß’schen Homer-Übertragung verspüre oder der so genannten Schlegel-Tieck’schen…

Hermann von Pückler-Muskau: Südöstlicher Bildersaal. Griechische Leiden

Griechische Leiden: Der Untertitel ist wichtig hier. Zum einen, weil ich tatsächlich nur den Teil des vierbändigen Bildersaals gelesen habe, in dem Pückler-Muskau von seinem Aufenthalt in Griechenland berichtet. Er war zuvor in Nordafrika und auf Malta gewesen und reiste nachher noch nach Ägypten. Diese Teile lasse ich hier aber weg. Die Leiden sind aber…

Immanuel Kant: Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik

Aus dem Titel des letzten Bandes der Studienausgabe in 6 Bänden, herausgegeben von Wilhelm Weischedel, könnte man auf ein gewisses Sammelsurium an Inhalten schließen. Das stimmt in hohem Maß sogar; andererseits enthält dieser letzte Band doch noch einige der bekanntesten Schriften Immanuel Kants zu diversen Themen. Es beginnt allerdings mit einem weniger bekannten Aufsatz, nämlich…

Johann Gottfried Herder: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit. [1787:] Dritter Teil

Teil 2 endete – wenn wir einmal von dem überflüssigen und nur notdürftig mit dem Rest verbundenen Exkurs in die älteste Schrifttradition der Menschheit (nämlich das Buch Genesis) absehen – mit allgemeinen Überlegungen zum Phänomen der Erschaffung oder Erreichung von Kultur. In Teil 3 wird das nun vertieft. Herder geht dabei geografisch vor. Er nimmt…

Michel de Montaigne: Essais. Livre second

Das zweite Buch der Essais beginnt gleich mit einem Paukenschlag. Im ersten Kapitel spricht Montaigne von der Inkonsistenz in unseren Handlungen, man könnte auch von einer Inkonsequenz ausgehen. Tatsächlich ist das etwas, das sehr häufig nur im täglichen Leben anzutreffen ist, wie auch Montaigne ausführt: Man benimmt sich heute so, morgen (ja, in einer halben…

Xenophon: Hellenika

Damit, dass er seinen Text anfangen lässt mit Danach, wenige Tage später […] (zitiert nach der Übersetzung von Gisela Strasburger) signalisiert Xenophon, dass er genau dort fortfährt, wo Thukydides, wohl durch seinen Tod, seine nachträglich Peloponnesischer Krieg genannte Schrift abgebrochen hatte – sieben Jahre vor dem Ende eben dieses Kriegs. Der lateinische Titel Hellenica (=…

Thukydides: Der peloponnesische Krieg

Politik mit den Augen des Thukydides Thomas Hobbes hat als einer der ersten überhaupt Thukydides in seine Muttersprache übersetzt (Lorenzo Valla übersetzte ihn ins Lateinische), und das darf nicht wundern, präsentiert uns doch der antike griechische Ex-General den Homo politicus und die Politik im Allgemeinen praktisch genau so, wie es viel später der Engländer tun…

Thomas Morus: Utopia

Ich habe Thomas Morus‘ Utopia ja heuer nicht zum ersten Mal gelesen. Aber ich habe es noch nie gelesen, ohne dass mich jedes Mal ein größeres oder kleineres Unbehagen ergriffen hätte. Dabei ist die literarische Form von Utopia nicht ungelungen. Wir haben zu Beginn, in einer Rahmenerzählung, einen Ich-Erzähler, der den Namen des Autors trägt,…

Reinhold Bichler / Robert Rollinger: Herodot

Vorliegendes schmales Büchlein wurde seinerzeit als Einführung in das Studium des antiken griechischen Historikers Herodot geschrieben, der im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung lebte. Ich finde auf die Schnelle nicht heraus, wann die erste Auflage davon erschienen ist, vor mir liegt die zweite, 2001 bei Olms in Hildesheim erschienen und seinerzeit in einer Lizenzausgabe bei…

Alexander von Humboldt: Zentral-Asien

Wenn es nach den meisten Biografen geht, besteht Alexander von Humboldts Leben eigentlich nur aus seiner Expedition nach Süd- und Mittelamerika, sowie der nachfolgenden Aufarbeitung in verschiedenen Aufsätzen und Büchern. Dass Humboldt im Alter von 60 Jahren noch einmal eine Expedition unternommen hat, wird allenfalls marginal erwähnt. Dafür gibt es durchaus Gründe. Einer davon ist,…