Antoine de Rivarol: Vom Menschen. Gedanken und Maximen, Portraits und Bonmots

Rivarol: Das ist der Mann, der für die Aufklärung zu spät gekommen ist; der Mann, der um einer Pointe willen auch seinen Freund (seinen Vater, seinen Bruder, seinen Sekretär) bloss stellte; der Mann, der zwischen Stuhl und Bank fiel und darauf hin beschloss, daraus eine Tugend zu machen. Man kennt ihn heute vor allem als…

Charles Dickens: A Tale of Two Cities [Eine Geschichte aus zwei Städten]

„Kannst ja“, habe ich mir gesagt (denn ich duze mich normalerweise), „kannst ja nicht immer davon schwärmen, wie gut der späte Dickens ist, vor allem im Vergleich mit dem mittleren, dem sentimental-larmoyanten des Oliver Twist oder des David Copperfield, ohne je einmal eines der Spätwerke vorzustellen.“ So habe ich, als nun die Folio Society dieses…

Schlüsselbegriffe der Philosophie des 19. Jahrhunderts

herausgegeben von Annika Hand, Christian Bermes und Ulrich Dierse. Hamburg: Felix Meiner, 2015. (=Archiv für Begriffsgeschichte, Sonderheft 11) Das Archiv für Begriffsgeschichte wurde seinerzeit gegründet, um verschiedenste Lemmata für ein philosophisches Wörterbuch in der Nachfolge des veraltenden Wörterbuchs von Rudolf Eisler zu sammeln und aufzubereiten. Dieses Wörterbuch ist seither unter der Federführung von Joachim Ritter…

Ludwig van Beethoven: Fidelio

Was den Franzosen ihre Revolution, war den Deutschen ihr Fidelio. Während die Franzosen ganz praktisch ihren Tyrannen beseitigten und nicht davor zurückscheuten, ihn einen Kopf kürzer zu machen, wurde in Deutschland der Aufstand auf dem Theater geprobt. Allenfalls auch sonst – auf dem Papier, ob nun Damon, den Dolch im Gewande, zu Dionys schlich, oder…

Stefan Bachmann: Palast der Finsternis [A Drop of Night]

Seinerzeit hatte ich versprochen, dass ich diesen jungen Schweizer im Auge behalten würde. Das habe ich getan. Vor zwei oder drei Tagen ist nun sein neuestes Werk bei Diogenes auf Deutsch erschienen. Wie immer bei ihm ist das Original auf Amerikanisch geschrieben worden. Übersetzt hat es Stefanie Schäfer. Der Band ist eine sog. Klapp-Broschur, will…

Jo Leinen / Andreas Bummel: Das demokratische Weltparlament

Untertitel: Eine kosmopolitische Vision. Das Buch beginnt mit einer Art Geschichte kosmopolitischer Ansätze im Denken der Menschheit. Da werden, schon fast klassisch-philosophiegeschichtlich, die Ideen eines Gesellschaftsvertrages im alten Griechenland, in Indien oder China, bei Hobbes oder Locke, bei Wolff oder Kant, vorgestellt, ohne allerdings sehr in die Tiefe zu gehen, ohne viel mehr zu liefern…

Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. 4. Band: Drittes Buch: Aufklärung – Große Revolution (12. bis 14. Abschnitt) / Viertes Buch: Die letzten hundert Jahre – Reaktion – Materialismus – Gottlose Mystik

Mehr Literatur- als Philosophiegeschichte: der vierte und abschliessende Band von Fritz Mauthners Geschichte des Atheismus. Als allererstes wendet sich der Autor gegen die Vertreter eines stinkenden Lichts (einer pervertierten Aufklärung). Die Dunkelmänner, die er meint, sind vorwiegend Vertreter der Romantik, die sich ebenso auf Voltaire oder Rousseau berufen, wie die Aufklärer selber. Aber auch Mendelssohn…

Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. 3. Band: Drittes Buch (1. bis 11. Abschnitt): Aufklärung in Frankreich und in Deutschland – Die große Revolution

Für Mauthner ist die Geschichte des Atheismus eine Sammlung von Geschichten atheistischer Persönlichkeiten; und er hat so seine Lieblinge und seine Bêtes noires. Ersteres wie letzteres teilt er mit praktisch allen Philosophiegeschichten seiner Zeit. Mauthner ist allerdings ein Amateur und zelebriert seine Parteilichkeit nachgerade. (Wenn er übrigens den professionellen Philosophiegeschichtsschreibern vorwirft, dass da einer vom…

François-René de Chateaubriand: Memoirs from beyond the Tomb [Mémoires d’outre-tombe]

François-René de Chateaubriand hat nicht nur das gleichnamige Schnitzel erfunden. Er ist es auch, der der literarischen Bewegung der Romantik in Frankreich zum Durchbruch verhilft – dies vor allem mit seinem Roman Atala von 1801, der Geschichte einer jungen Halbindianerin, die in einen Konflikt zwischen ihrer Liebe und ihrer Keuschheit gerät. (Den sie löst, indem…

Georg Forster: Briefe

Gerhard Steiner, der Herausgeber meiner vierbändigen Forster-Werkausgabe, erschienen 1971 bei Insel-Ost, dessen vierten Band die vorliegenden Briefe darstellen, spricht in seinem diesem Band beigefügten Essay Georg Forster und das Schreiben – nicht nur von Briefen sinngemäss und unter anderem davon, dass man eigentlich bei Forster den historisch-kritischen Briefwechsel lesen sollte. Er meint damit vor allem,…