Hans Albert: Plädoyer für kritischen Rationalismus

Diese 1971 erschienene Sammlung von Essays beziehen sich großteils auf die damals aktuellen Auseinandersetzungen zwischen dem Kritischen Rationalismus und den Vertretern der Frankfurter Schule – allen voran Jürgen Habermas. Und so ist es erstaunlich, dass die Ausführungen von Hans Albert nichts von ihrer Brisanz verloren haben: Denn die Philosophie löst sich nur schwer von liebgewordenen…

Hans Poser: Wissenschaftstheorie. Eine philosophische Einführung

Die mit Abstand beste Einführung zum Thema Wissenschaftstheorie, die mir bekannt ist. Poser gelingt der Spagat zwischen anspruchsvoller und verständlicher Darstellung, auch wenn es ganz ohne wissenschaftstheoretische Kenntnisse teilweise schwer fallen dürfte, den Ausführungen zu folgen. Der erste (und bei weitem umfangreichste) Teil ist dem analytischen Ansatz in der Wissenschaftstheorie gewidmet. Der Autor orientiert sich…

Gedanken zu Herbert Keuths “Wissenschaft und Werturteil”

Dreh- und Angelpunkt dieses Buches ist die als “Werturteilsfreiheitsthese” in die Philosophiegeschichte eingegangene Foderung Max Webers, nach der “eine empirische Wissenschaft […] niemanden zu lehren vermag, was er soll, sondern nur, was er kann und – unter Umständen – was er will”. Diese These muss im Zusammenhang mit einigen anderen Forderungen Webers gesehen werden, die…

philosophie MAGAZIN (Nr. 03/2015; April / Mai) – Der Andere

Dieses Magazin war eine meiner Entdeckungen an der diesjährigen Buchmesse in Leipzig. Ein Hochglanzmagazin, Format (wenn auch nicht Umfang) ungefähr des SPIEGEL. Schon dies deutet darauf hin, dass wir hier keine Fachzeitschrift vor uns haben, sondern eine, die sich an das grössere Publikum wendet. Dafür ist das Heft dann doch recht tiefgründig geraten. Generell scheint…

Historikerstreit – Revisionismus, Verharmlosung oder Freiheit der Wissenschaft?

Der sogenannte “Historikerstreit” war eine Auseinandersetzung in den 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts über eine mögliche Neubewertung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Ausgelöst wurde er durch einen Artikel von Ernst Nolte aus dem Jahr 1980, der seine eigenen Thesen in einem Beitrag in der FAZ 1986 unter dem Titel “Vergangenheit, die nicht vergehen will” wiederholte und vor…

Ernst Topitsch: Vom Ursprung und Ende der Metaphysik

Mit diesem, 1958 erschienenen Werk wurde Ernst Topitsch weit über die Grenzen der deutschsprachigen Philosophie hinaus bekannt – und das zu Recht. Auch wenn seine späteren Arbeiten eine teilweise Paraphrasierung dieses ersten Buches darstellen (bei welchem Philosophen finden sich nicht die Spuren eines erfolgreichen Einstiegs in die Welt der Philosophie) und diesen Grundgedanken oft nur…

Hans Albert: Traktat über kritische Vernunft

Der alte Münchhausen hätte es sich wohl nicht träumen lassen, dass sein Name eines Tages zum Begriff einer philosophischen Problemstellung werden sollte. Tatsächlich hat Hans Albert in seinem Traktat über kritische Vernunft im Zusammenhang mit der sog. Letztbegründung von Sätzen folgende Problemstellung das Münchhausen-Trilemma genannt: Angenommen, ich habe einen Satz p, den ich begründen will,…

Gedanken zum Aufsatz “Sozialwissenschaften, Werturteile und Verantwortung” von H. Keuth

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhundert war geprägt von einer zunehmenden Technikfeindlichkeit – und dies nicht nur in philosophischer Hinsicht (man denke etwa an das pejorativ besetzte “technische Erkenntnisinteresse” von Jürgen Habermas), sondern auch in politischer Hinsicht im Zuge einer Ökologisierung der Gesellschaft. Die Folge waren flächendeckend vertriebene, das ökologische Gewissen beruhigende Produktpaletten: “Grüne” Deodorants…

R. Neck (Hrsg.): Was bleibt vom Positivismusstreit?

Ein Sammelband, der an den Positivismusstreit zwischen Kritischen Rationalisten und Kritischer Theorie erinnert, dessen Beginn bei Erscheinen des Buches (2008) bereits 47 Jahre zurücklag. Aber diese Auseinandersetzung hat etwas Beispielhaftes, das bis in unsere Tage seine Relevanz bewahrt hat: Hier die wissenschaftlich-rationale Analyse – dort umfassende, oft visionäre Gesellschaftsprogrammatik verbunden mit einer Technikfeindlichkeit, die bis…

Bernard N. Schumacher: Der Tod in der Philosophie der Gegenwart

Eigentlich ist das ganze Buch eine Paraphrase auf Epikurs Diktum vom Tod, der uns nicht angeht. “Denn wenn wir sind, ist der Tod nicht – und wenn der Tod ist, sind wird nicht. Also geht uns der Tod nichts an.” Ausgehend von Heidegger und Sartre analysiert der Autor diesen Satz, der – wegen häufig unklarer…