Richard Saage: Politische Utopien der Neuzeit

Es bereitet mir gerade etwas Mühe, viel Gescheites zu diesem Buch zu sagen. Richard Saages Politische Utopien der Neuzeit ist 1990 zum ersten Mal erschienen. (Es gibt eine zweite Auflage aus dem Jahr 2000; dort wurde aber meines Wissens nur das Vorwort erweitert mit ein paar Antworten auf die Kritiken am Buch. Vor mir liegt…

Francis Bacon: Neu-Atlantis

Als letzte Staatsutopie figuriert in meinem Rowohlt-Sammelband Neu-Atlantis des englischen Juristen und Staatsmanns Francis Bacon. „Jurist und Staatsmann“: Das klingt, als würde hier einer schreiben, der die Materie, ebenso wie Morus, aus dem ff kennt. Dennoch halte ich die Klassifizierung von Neu-Atlantis als Staatsutopie für zweifelhaft. Sie kann zumindest nicht ohne Interpretationen und Interpolationen des…

Tommaso Campanella: Sonnenstaat [La Città del Sole / Civitas Solis]

Campanellas Utopie findet man in der Rezeptionsgeschichte – wo sie denn überhaupt rezipiert wird – auch sinngemäß als „Produkt einer überhitzten Phantasie eines Mönchs“ apostrophiert. Damit wird angespielt auf den Umstand, dass Campanella ein Dominikaner war, der nach einer gescheiterten Revolte, an der er sich beteiligt hatte, lange Zeit im Kerker saß und offenbar auch…

Thomas Morus: Utopia

Ich habe Thomas Morus’ Utopia ja heuer nicht zum ersten Mal gelesen. Aber ich habe es noch nie gelesen, ohne dass mich jedes Mal ein größeres oder kleineres Unbehagen ergriffen hätte. Dabei ist die literarische Form von Utopia nicht ungelungen. Wir haben zu Beginn, in einer Rahmenerzählung, einen Ich-Erzähler, der den Namen des Autors trägt,…

Denis Diderot: Rameaus Neffe

Habent sua fata libelli: Als ich dieses römische Sprichwort vor ein paar Tagen zitiert hatte, ging es um ein ganz bestimmtes Exemplar eines Buchs aus meiner Bibliothek. Diesmal denke ich an das Schicksal des Textes, der als Rameaus Neffe veröffentlicht worden ist. Und zwar veröffentlicht erst einige Jahre nach Diderots Tod im Jahre 1784. Zu…

Heinrich Schmidinger (Hrsg.): Wege zur Toleranz. Geschichte einer europäischen Idee in Quellen

Gemäß Klappentext handelt es sich hier um ein Projekt von „Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas“. Darauf, warum für dieses Projekt ausgerechnet das Thema „Toleranz“ gewählt wurde, finde ich keine Hinweise. Und warum Graz – das ja über eine eigene Universität verfügt, die auch keine schlechten Professoren ihr eigen nennt (jedenfalls war das so zu meiner Zeit)…

Pjotr Alexejewitsch Kropotkin

Ähnlich wie Tolstoi stammte auch Kropotkin aus dem russischen Hochadel. Ähnlich wie jener verzichtete auch dieser auf viele Privilegien, die ihm die Zugehörigkeit zu diesem Stand gebracht hätte. Allerdings war Kropotkin konsequenter, radikaler. Zwar trat er noch in das St. Petersburger Pagenkorps ein, jene Schule, in der die Kinder des russischen Hochadels auf Karrieren in…

Yuval Noah Harari: Homo Deus

Hararis “Menschheitsgeschichte” war ein Bestseller und das vorliegende Buch scheint sich ebenfalls ausgezeichnet zu verkaufen. Marketingtechnisch also alles bestens, allerdings ist ein Gutteil der Kritik, die ich in der Besprechung seines Erstlings äußerte, auch auf “Homo deus” anwendbar. Oft weitschweifig, dann wieder unnötig vereinfachend und pauschalierend und auch strukturlos, sodass man sich bisweilen fragt, welches…

Hans Diefenbacher (Hrsg.): Anarchismus

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Sammlung von verschiedenen Aufsätzen zum Thema „Anarchismus“. Genauer, wie der Untertitel sagt: Zur Geschichte und Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft. Wie immer bei solchen Sammelbänden sind die einzelnen Beiträge von unterschiedlichem Niveau, auch aus unterschiedlichen Gesichtspunkten verfasst. Das Schwergewicht der Darstellung liegt dabei auf den ‘klassischen’ (mehr oder…