James Elroy Flecker: Hassan

Dass James Elroy Flecker hierzulande praktisch unbekannt ist, dürfte vor allem daran liegen, dass sein Œuvre recht schmal ist. Ein paar Gedichte, und das vorliegende Drama The Story of Hassan of Bagdad and how he came to make the Golden Journey to Samarkand – das ist ungefähr alles. Flecker starb 1915, mit 31 Jahren, an…

Franz Grillparzer: Weh dem, der lügt!

“‘Trauerspiel’ heisst es, wenn ein Stück traurig endet; ‘Lustspiel’, wenn es – nicht traurig endet.”, so oder ähnlich scheint Grillparzer räsonniert zu haben, als er Weh dem, der lügt! ein Lustspiel nannte. Das Publikum – vielleicht auch verwöhnt durch die zeitgenössischen Possen, Zauber- und Volksstücke Raimunds und Nestroys? 1) – schien anderer Meinung zu sein….

Franz Grillparzer: Sappho

Sie ist schon ein bisschen älter, äusserst erfolgreich in ihrem Beruf. Er ist noch jung und kann keine Taten vorweisen. Sie findet ihn im Moment ihres grössten Triumphs an den Olympischen Spielen und nimmt ihn mit nach Hause, wo sie ihn der Dienerschaft als den Herrn des Hauses vorstellt. (Heute würden wir despektierlich von ihm…

Aristoteles: Poetik

Notizen zu einer Vorlesung, oder vielleicht auch zu einem noch zu schreibenden Buch: Diesen Eindruck vermittelt Aristoteles’ Poetik dem Leser. Der Text wirkt fragmentarisch. Der fragmentarische Charakter der Poetik liegt dabei m.M.n. weniger in der Tatsache begründet, dass Aristoteles von den zu Beginn genannten vier poetischen Textsorten Epos, Tragödie, Komödie, Dithyrambendichtung die letzten beiden dann…

Christian Hermann Weisse: System der Ästhetik als Wissenschaft von der Idee der Schönheit

Was kann man von einer Ästhetik erwarten, die geschrieben wurde von jemand, der von Beruf Theologe und von Berufung Hegelianer ist? Die Frage stellen, heisst zugleich, sie beantworten. Christian Hermann Weisse stellt eine Ästhetik auf, die dem von Hegel definierten dialektischen Dreischritt von These-Antithese-Synthese zu folgen vorgibt. Diese Vorgehensweise ist für ihn die einzig wissenschaftliche,…

F. Th. Vischers “Aesthetik” III.V (1857)

Nun ist die Katze aus dem Sack: Im Vorwort zum fünften Teilband von Band 3, zugleich dem abschliessenden Band seiner Aesthetik, gibt Vischer zu, dass der vierte Teilband, der zur Musik, nicht aus seiner Feder stammt: Eine schwere Beichte aber muß ich hier ablegen: die Lehre von der Musik ist nur im ersten, allgemeinen Teil…

Faust – Der Tragödie dritter Theil. Treu im Geiste des zweiten Theils des Götheschen Faust gedichtet von Deutobold Symbolizetti Allegoriowitsch Mystifizinsky

1862 in erster, 1886 in zweiter umgearbeiteter und vermehrter Auflage erschienen (u.a. wurde ein satirisches Nachspiel hinzugefügt). Hinter dem Pseudonym Deutobold Symbolizetti Allegoriowitsch Mystifizinsky steckt kein Geringerer als der deutsche Literturwissenschafter und Ästhetiker Friedrich Theodor Vischer (1807-1887). Vischer war im 19. Jahrhundert kein Unbekannter. Als Literaturwissenschafter und Philosoph schuf er eine Ästhetik, die ihresgleichen suchte…

Johann Heinrich Merck: Gesammelte Schriften. Band 8.1: Übersetzungen aus dem Englischen. 1762-1763

Enthält: Franz Hutchesons, der Rechte Doctors und der Weltweisheit Professors zu Glasgow, Untersuchung unserer Begriffe von Schönheit und Tugend, in zwo Abhandlungen. I. Von Schönheit, Ordnung, Uebereinstimmung und Absicht II. Von dem moralischen Guten und Uebel. und Cato ein Trauerspiel von Addison. Ersteres 1762, zweiteres 1763 erschienen1). Nach zwei Jahren also fahren Ulrike Leuschner und…

La vida es sueño. Comedia famosa de D. Pedro Calderón de la Barca / Das Leben ist Traum

Das Leben ist Traum: Calderón ist mit seinem Drama zum Ahnherrn einer ganzen Reihe von dramatischen Ausflüchten geworden. Nicht nur grosse Autoren wie Franz Grillparzer oder Hugo von Hofmannsthal haben sich an seinem Drama orientiert. Bis heute ist es die Lieblingsmethode fauler oder unfähiger Drehbuchschreiber von US-amerikanischen TV-Serien, nicht nur einzelne Folgen, sondern ganze Staffeln…

Immermann: Tulifäntchen / Andreas Hofer / Memorabilien

Epigonal – das heisst Nach- und Ausschreiber seiner Vortreter – bleibt Karl Leberecht Immermann auch im fünften und letzten Band der von Harry Maync betreuten Ausgabe seiner Werke. Tulifäntchen So heisst der Titelheld einer in Versen gehaltenen romantischen Komödie, die ganz eindeutig in der Nachfolge ähnlicher Werke von Ludwig Tieck gehalten ist. Der Stoff ist…