Albert Camus: Der Mythos von Sisyphos

Camus’ theoretische Werke (wie z.B. das vorliegende Der Mythos von Sisyphos) werden meist unter ‚Philosophie‘ abgelegt – ein Brauch, dem ich auch gefolgt bin. Camus selber, als Autor und Denker, findet man dann meistens in der Schublade ‚Existenzialismus‘. Jedenfalls im deutschen Sprachraum gelten die beiden Sätze ziemlich genau, im französischen schaut man die Sache, wenn…

Michael Maar: Proust Pharao

Zuerst sollten wir wohl den Titel erklären, den Michael Maar seiner Sammlung von Essays zu Marcel Proust gegeben hat. Er tut dies zum Glück selber am Ende seines ersten Essays, der den gleichen Titel trägt wie das ganze Buch: Proust Pharao: Proust beschrieb es [sein Werk Auf der Suche nach der verlorenen Zeit] als ein…

Jochen Schmidt (Hrsg.): Aufklärung und Gegenaufklärung in der europäischen Literatur, Philosophie und Politik von der Antike bis zur Gegenwart

Wenn ich mich recht erinnere, stammen die vorliegenden Aufsätze aus einer Ringvorlesung, die im Wintersemester 1987/88 an der Universität Tübingen abgehalten wurde und die 1989 in dieser Aufsatzsammlung bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft in Darmstadt erschienen. Damit ist schon darauf hingewiesen, dass die Gegenwart, die vorliegendes Buch abdecken soll, nun auch schon wieder ein Vierteljahrhundert her…

Karl-Heinz Ott: Verfluchte Neuzeit. Eine Geschichte des reaktionären Denkens.

Der Autor war mir bislang völlig unbekannt, hat Romane geschrieben, Theaterstücke, Essays zu musikalischen Themen als auch Kulturgeschichtliches. Das vorliegende Buch ist eine Abrechnung mit einigen reaktionären Denkern und Schriftstellern (wie im Titel anklingt), die sich der Rationalität, dem analytischen Philosophieren verweigern und in dem subjektivistischen Denken (das Ott mit Descartes beginnen lässt) den Niedergang…

Mascha Kaléko: Bewölkt, mit leichten Niederschlägen

Mascha Kaléko hatte ihre ersten Erfolge im Berlin der Weimarer Republik. Sie gehörte zu jenen Autor*innen, die – in Abwendung vom aufgeregten Stil des Expressionismus – in Alltagssprache Alltagsprobleme in Verse brachten. Dies immer von einem mehr oder weniger linken, gesellschaftskritischen Gesichtspunkt aus. Später würde die Literaturwissenschaft von der „Neuen Sachlichkeit“ reden. Brecht sprach von…

Wilhelm Weischedel: Die philosophische Hintertreppe

Dieses Buch wollte ich schon vor schätzungsweise fünfzig Jahren ‚irgendeinmal‘ oder auch ‚demnächst‘ lesen und bin aus irgendwelchen Gründen nie dazu gekommen. Bis vor kurzem. Es gibt den schönen Satz: „Besser spät als nie.“ Es gibt aber auch den bedauernden Ausruf: „Zu spät!“ … Zu spät tatsächlich habe ich dieses Buch nun gelesen. Es hätte…

Volker Gerhardt / Matthias Weber / Maja Schepelmann (Hrsg.): Immanuel Kant 1724-2024. Ein europäischer Denker

Bei der vorliegenden Publikation handelt es sich, könnte man sagen, um eine Festschrift zu Immanuel Kants 300. Geburtstag, der 2024 gefeiert werden kann. Das Buch ist also im Grunde genommen zu früh erschienen; das war aber, so die Herausgeberschaft, Absicht. Man wollte eine Diskussion um die in diesem Buch vertretenen Thesen entfachen, die dann 2024…

Karl Vorländer: Immanuel Kant. Der Mann und das Werk

Es gibt Philosoph:innen, die Philosophiegeschichte geschrieben haben, weil sie eine neue Lösung zu einem alten Problem gefunden haben, ein so genanntes ‚System‘. Die meisten allerdings sind Kärrner im Steinbruch der Philosophie, Galeerensklaven, die im Schweiße ihres Angesichts malochen, um ihre Subsistenz im akademischen Betrieb fristen zu können. Viele beschäftigen sich gar nicht mehr mit den…

Wilhelm Moock: Aufbau der Kulturen

Selbst das ansonsten beinahe allwissende Internet schweigt sich zu Wilhelm Moock so ziemlich aus. (Vielleicht habe ich auch die falschen Fragen gestellt. Das Internet ist eine Diva – oder, neutraler formuliert, ein Orakel – wo die Antwort von der genauen Fragestellung abhängt.) Was ich herausgefunden habe, ist sein Geburtsjahr (1881), seinen Geburtsort (Helsen / Waldeck)…

Daniel-Pascal Zorn: Einführung in die Philosophie

Wer von diesem schmalen Büchlein (134 Seiten alles in allem) eine ‚Einführung in die Philosophie‘ erwartet, in dem Sinne, dass zum Beispiel philosophische Begriffe erklärt würden oder philosophische Schulen oder auch nur, was ‚Philosophie‘ überhaupt sei, wird enttäuscht. Für solches verweist Zorn auf das Historische Wörterbuch der Philosophie bzw. den Grundriss der Geschichte der Philosophie….